Das Eis für DFB-Präsident Grindel "ist dünn"

DFB-Präsident Reinhard Grindel

Neue Vorwürfe

Das Eis für DFB-Präsident Grindel "ist dünn"

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes steht unter großem Druck. Im Moment scheint absehbar, dass sich Reinhard Grindel nicht mehr sehr lange im Amt halten kann.

Offiziell will sich die Chefetage des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nicht mit dem "Fall Reinhard Grindel" befassen. Doch obwohl der DFB-Chef laut seines ersten Stellvertreters Rainer Koch keine außerordentliche Präsidiumssitzung fürchten muss, steht er auch so unter Beschuss.

Nach wie vor wird gemutmaßt, dass der 57-Jährige zum Verzicht auf eine erneute Kandidatur beim DFB-Bundestag im September bewegt werden soll. Aus DFB-Kreisen heißt es ungewöhnlich deutlich: "Das Eis ist dünn."

Es grindelt beim DFB: Reaktionen auf die Führungskrise

02:04 Min. Verfügbar bis 02.04.2020

Liste der Verfehlungen einfach zu lang

Denn die Liste der umstrittenen Aktivitäten Grindels wird länger. Da sind zum Beispiel die Zahlungen an den Präsidenten, über die das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet hatte. Es geht um 78.000 Euro, die Grindel als Aufsichtsratsvorsitzender der DFB-Medien GmbH zwischen Juli 2016 und Juli 2017 erhalten hat. Nun berichtet die "Bild"-Zeitung zudem über eine Luxusuhr, die Grindel zum Geburtstag von einem ukrainischen Fußball-Oligarchen geschenkt bekommen haben soll. Laut der Zeitung hat Grindel den DFB nicht über das teure Geschäftsgeschenk informiert.

Legenden des deutschen Fußballs - Grindel meidet den roten Teppich Morgenmagazin 02.04.2019 Verfügbar bis 02.04.2020 Das Erste

DFB und Grindel sagen nichts

Offizielle Kommentare zu dem Thema gibt es nicht. Weder Koch noch Grindel selbst wollten sich äußern, am Montagabend (01.04.2019) kam der DFB-Präsident durch einen Seiteneingang zur Eröffnungsgala der "Hall of Fame" ins Deutsche Fußballmuseum in Dortmund. Insofern bleibt offen, in welcher Form sich der DFB mit den Vorwürfen beschäftigen wird. Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" könnte es eine "informelle Zusammenkunft" wichtiger Präsidiums-Mitglieder geben.

Kritik wird lauter

Die Kritik von außen wird indes lauter. Andreas Rettig, Geschäftsführer beim Zweitligisten FC Sankt Pauli, zum Beispiel sagte: "Einen Platz in der Hall of Fame würde Grindel heute sicher nicht bekommen. Das Erscheinungsbild des DFB ist schon seit längerer Zeit verbesserungswürdig."

Es geht vor allem um die moralische Dimension des hohen Zusatzverdienstes. Schließlich hatte sich Grindel stets Transparenz und Offenheit auf die Fahne geschrieben. Bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA) steht der DFB-Boss an der Spitze der Compliance-Kommission.

Spekulationen über Nachfolger

Über mögliche Nachfolger Grindels, der den DFB seit drei Jahren führt, wird bereits spekuliert. Die Namen Philipp Lahm und Oliver Bierhoff werden genannt, auch Generalsekretär Friedrich Curtius und Christoph Metzelder werden gehandelt. Zumindest Lahm nahm etwas Luft aus der Diskussion. Der langjährige Nationalmannschaftskapitän hat nach eigenen Angaben "überhaupt keine Ambitionen, DFB-Präsident zu werden".

Opposition formiert sich

Dass es innerhalb des DFB eine Opposition gibt, steht indes außer Frage. Zu beschädigt ist das Image Grindels, der für seine internationalen Ämter bei der UEFA und dem Weltverband FIFA knapp eine halbe Million Euro erhält. Spätestens seit seinem Schlingerkurs rund um Mesut Özil ist der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete, der von vielen Experten nach dem raschen Abgang Wolfgang Niersbachs in der Folge des "Sommermärchen"-Skandals ohnehin nur als Notlösung gesehen wurde, in der Kritik.

Ein mögliches Szenario für eine Neuausrichtung an der DFB-Spitze könnte eine Ämtertrennung sein: Grindel gibt den DFB-Chefposten ab, vertritt den deutschen Fußball aber mit dem Wohlwollen des Verbandes weiter bei der FIFA und der UEFA. Mit einem solchen Splitting hat der Verband aber schon viel schlechte Erfahrungen gemacht: Auch die Grindel-Vorgänger Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger redeten noch lange in der Fußball-Weltpolitik mit, obwohl sie vom DFB längst abgenabelt waren.

red/vdv/sid/dpa | Stand: 02.04.2019, 10:01

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