Corona bringt Europas Fußball um acht Millliarden Euro

Fußball und Euro-Scheine

Lagebericht der UEFA

Corona bringt Europas Fußball um acht Millliarden Euro

Von Marcus Bark

Finanzielle Verluste von gut acht Milliarden Euro, ein kollabierender Transfermarkt: Die UEFA hat einen umfangreichen Bericht zur Lage des europäischen Fußballs unter dem Einfluss der Coronapandemie veröffentlicht. Darin geht es aber auch um den Heimvorteil, mit erstaunlichem Ergebnis bei den Schiedsrichtern.

Die Hoffnung wächst mit jeder Spritze, mit der Impfstoff in einen Arm injiziert wird. Auch wenn das Coronavirus vermutlich bleiben wird, könnte es zumindest in Europa schon bald so unter Kontrolle sein, dass die Sehnsucht nach einem Leben wie vor der Pandemie erfüllt werden kann. Für die Fußballbranche bedeutet Normalität, dass Tausende von Fans in den Stadien zusehen dürfen. Ihre Rückkehr, die vermutlich in Schritten erfolgen wird, lindert dann auch die Verluste der Klubs.

Vier Milliarden fehlen an Ticketeinnahmen

In dem 112 Seiten langen Bericht der UEFA schätzt der Verband, dass den europäischen Vereinen wegen der Coronapandemie vier Milliarden Euro durch die Lappen gegangen sind und bis zum Ende des Jahres 2021 gehen werden. Da auch beim Sponsoring Mindereeinnahmen von 2,7 Milliarden Euro erwartet werden, zudem beim Erlös von Übertragungsrechten ein Minus von 1,4 Milliarden Euro, ergibt sich ein Gesamtverlust von mehr als acht Milliarden Euro.

Dieser Rechnung legt die UEFA Prognosen zugrunde. Nach einem festgestellten 23-Milliarden-Umsatz der Branche im Jahr 2019 ging der Verband ohne Pandemie von 23,7 Milliarden für 2020 und 24,6 für 2021 aus. Nun schätzt die UEFA den Umsatz für 2020 auf 20,7 Milliarden Euro, 2021 sollen es nochmal 300 Millionen weniger sein. Der Umsatz würde somit in etwa auf das Niveau des Jahres 2017 (21,1 Mrd. Euro) fallen. Corona hat die Zeiten des stetigen Wachstums in der europäischen Fußballbranche beendet.

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Höheres Gehaltsbudget als Umsatz

In den Jahren vor der Pandemie, so die UEFA, seien die kumulierten Umsätze der Klubs um durchschnittlich 8,2 Prozent gestiegen. Davon profitierten vor allem die Fußballer. Ihre Gehälter stiegen extrem, auch in Deutschland. Der Bericht zeigt aber, dass die deutschen Klubs noch ein halbwegs gesundes Verhältnis haben. Bei ihnen gehen 54 Prozent des Umsatzes für Gehälter drauf (berechnet auf alle Angestellten des Vereins), in Frankreich sind es 74 Prozent, in England 62 Prozent. Kaum zu glauben: 96 von 718 Klubs in den jeweils höchsten europäischen Ligen zahlten im Betrachtungszeitraum für Gehälter mehr Geld als sie überhaupt einnahmen. Das sind gut 13 Prozent der Klubs.

Seit Januar 2020 sind 52 Klubs aus ersten oder zweiten Ligen in die Insolvenz gegangen, wurden aus den Ligen ausgeschlossen oder haben aufgrund der wirtschaftlichen Probleme freiwillig zurückgezogen. Prominente Namen fehlen allerdings in der Liste. Auffällig häufig sind Klubs aus Osteuropa betroffen.

Sonderrolle: Fußball in der Kritik sport inside 28.02.2021 08:31 Min. Verfügbar bis 28.02.2022 WDR Von Benjamin Best

Enorme Einbrüche auf dem Transfermarkt

Logische Folge der Mindereinnahmen sind gesunkene Umsätze auf dem Transfermarkt. Im betroffenen Sommerfenster des Marktes sanken die Umsätze dort um 39 Prozent, im Winter sogar um deutlich mehr als 50.

In dem Bericht geht es aber nicht nur um finanzielle Auswirkungen der Pandemie. So teilt die UEFA mit, dass für die Vereins- und Nationalmannschaftswettbewerbe seit August 2020 knapp 164.000 Coronatests genommen worden seien. Davon hätten 1.655 ein positives Ergebnis erbracht. Von mehr als 1.400 angesetzten Spielen seien nur 16 ausgefallen, darunter gab es aber auch Qualifikationsspiele zur Champions League.

Abbruch in 16 Ländern

Mitte März 2020 stoppten die meisten Ligen ihren Betrieb. Einzig die belarusische Liga im Land des Autokraten und Coronaleugners Alexander Lukaschenko setzte die Saison fort. In 14 Ländern, darunter den Niederlanden, wurde festgelegt, dass der Auf- und Abstieg ausgesetzt wird, in 16 Ländern wurde die Saison abgebrochen.

Mehr Auswärtssiege

Untersucht wurde auch, wie sich die leeren Ränge auf den Spielausgang auswirken. In den meisten Ligen, darunter auch der Bundesliga, ist ein Anstieg der Auswärtssiege festzustellen. Am höchsten ging die Kurve in Frankreich nach oben. In zehn von 51 höchsten Ligen sank allerdings auch der Anteil an Auswärtssiegen.

Spielausgänge in Europas höchsten Ligen
vor Corona (in Prozent)während Corona (in Prozent)
Heimsieg4542
Unentschieden2324
Auswärtssieg3234

Gravierender Einfluss auf Schiedsrichter

Gravierend scheinen sich die fehlenden Zuschauer auf die Schiedsrichter auszuwirken. Bei einer Untersuchung der Verteilung von gelben Karten stellte sich heraus, dass es mit Fans einen Bonus für Heimteams geben dürfte. Der Trend ist europaweit zu beobachten, am Beispiel der Bundesliga wird er sehr deutlich.

Bekamen vor Corona die Auswärtsmannschaften 24 Prozent mehr gelbe Karten als die Heimmannschaft, sind es während der Pandemie nur sieben Prozent. In Frankreich ist der Unterschied noch krasser. Waren es vor Corona 23 Prozent mehr Verwarnungen für die Gäste, bekommen diese nun sogar weniger gelbe Karten als die Gastgeber. Bei den roten Karten sei der Trend auch zu beobachten, falle aber nicht so gravierend aus, so die UEFA.

MIt jeder Spritze wächst also auch die Hoffnung auf den Heimvorteil.

Stand: 21.05.2021, 13:00

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