Corona-Bestimmungen - aber der Fußball geht auf Reisen

Das Flugzeug, das den FC Bayern 2018 ins Trainingslager nach Doha bringt

Sorge um Mutationen

Corona-Bestimmungen - aber der Fußball geht auf Reisen

Von Marcus Bark

Eine norwegische Mannschaft fliegt nach Spanien, um gegen eine deutsche Mannschaft im Europapokal spielen zu können. Leipzig und Gladbach weichen für Heimspiele nach Budapest aus, die Bayern sind in Katar. Die Reisegruppe Fußball sucht und findet derzeit Lösungen, um die lukrativen Wettbewerbe auszutragen. Kritik aus der Politik verhallt selbst in Zeiten der Sorge um Coronavirus-Mutationen.

Warschau oder Bukarest - Hauptsache nicht Madrid! Sehr frei nach Andreas Möller gilt dieser Spruch für das Hinspiel im Achtelfinale der Champions League zwischen Atletico und dem FC Chelsea. In der Nacht zu Dienstag (09.02.2021) lief eine Frist ab, zu der alle noch im Europapokal vertretenen Klubs Ausweichstadien für den Fall melden mussten, dass wegen der jeweiligen Coronabestimmungen nicht in ihrem eigenen Stadion gespielt werden kann. Atletico gegen Chelsea wird nun am 23. Februar im rumänischen Bukarest ausgetragen.

Borussia Mönchengladbach verlegte sein Spiel gegen Manchester City vorsorglich nach Budapest, obwohl die Verordnung, nach der Mannschaften aus dem so genannten Virusvariantengebiet Großbritannien nicht nach Deutschland einreisen dürfen, nur bis zum 17. Februar gültig ist. Gladbach spielt erst eine Woche später gegen den Tabellenführer der englischen Premier League.

RB Leipzig musste das Spiel gegen den FC Liverpool verlegen und wählte ebenfalls Budapest. Die TSG Hoffenheim spielt in der Europa League gegen Molde FK im spanischen Villarreal, weil derzeit die Einreise nach Norwegen nicht möglich ist.

Dadurch ist auch die Champions League der Frauen betroffen. Allerdings muss Valerenga aus Oslo keinen Ausweichort suchen. Die UEFA legte fest, dass die Runde der besten 32 Mannschaften in nur einem Spiel beim Kontrahenten Bröndby in Kopenhagen entschieden wird.

In der Europa League der Männer kommt es beim Duell zwischen Benfica und dem FC Arsenal gleich zu zwei Stadienwechseln. Das Hinspiel wird aus der portugiesischen Hauptstadt Lissabon nach Rom verlegt, das Rückspiel aus London nach Athen ins Stadion von Olympiakos Piräus. Real Sociedad aus San Sebastian weicht nach Turin aus, um sein Hinspiel gegen Manchester United auszutragen.

Es wird also munter kreuz und quer durch Europa geflogen, um Fußball zu spielen, oder eben auch nach Katar, um an der Klub-Weltmeisterschaft teilzunehmen.

"Welche Sonderrechte noch?"

"Aufgrund der bekannten Mutationen des Virus ist jegliche Ein- und Ausreise in und aus anderen Ländern eine zuviel", kritisierte Dagmar Freitag als Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages die internationalen Begegnungen. Für ihre deutlichen Worte wurde sie per Mail und in sozialen Netzwerken übel beschimpft. Im Gespräch mit der Sportschau stand sie zu der schon vor dem Wochenende geäußerten Meinung.

Dagmar Freitag: Müssen über die Sonderrechte des Fußballs reden Sportschau 09.02.2021 04:53 Min. Verfügbar bis 09.02.2022 Das Erste

"Wir kämpfen mit den Mutationen des Virus. Welche Sonderrechte kann man dann bestimmten Gruppen noch einräumen, wenn andere, die auch überzeugende Hygienekonzepte vorgelegt haben, weiterhin nur am Spielfeldrand zuschauen dürfen", so die SPD-Politikerin. Mit Blick auch schon auf die Ende März anstehende Abstellperiode für Länderspiele führte sie fort: "Solange wir nicht mal wissen, ob unsere bisher auf dem Markt befindlichen Impfstoffe auch gegen die Mutationen wirken, kann man letztlich nicht unbedarft quer durch Europa - im worst case sogar quer durch die Welt reisen."

Kritik auch aus dem Bundesinnenministerium

Das Bundesinnenministerium, auch für den Sport zuständig, meldet ebenfalls Bedenken an. Auf eine Frage des ARD-Hauptstadtstudios sagte Sprecherin Alina Vick, dass es gelte, den "Viruseintrag" nach Deutschland zu vermeiden. Die von der Bundesregierung erlassene Verordnung habe den "Sinn und Zweck", Kontakte zu reduzieren. "Die Regeln zielen nicht darauf ab, dass sich die Menschen jetzt andernorts treffen", so die Sprecherin.

Bundesinnenministerium äußert sich zur Reiseproblematik Sportschau 08.02.2021 01:01 Min. Verfügbar bis 08.02.2022 Das Erste

Keine Bedenken in Tirols Nachbarland

Wegen der möglicherweise schlechteren Wirkung zumindest eines Impfstoffs gegen die sogenannte südafrikanische Variante macht diese derzeit noch größere Sorgen. Besonders in Österreich ist sie häufig nachgewiesen worden. Bayern überlegt daher, die Grenze zu Tirol zu schließen.

Bestätigte Verlegungen in Champions und Europa League
BegegnungAusweichortTermin
RB Leipzig - FC LiverpoolBudapest16. Februar
Bor. Mönchengladbach - Manchester CityBudapest24. Februar
Molde FK - TSG HoffenheimVillarreal18. Februar
Real Sociedad - Manchester UnitedTurin18. Februar
Wolfsberger AC - Tottenham HotspurBudapest18. Februar
Benfica - FC ArsenalRom18. Februar
FC Arsenal - BenficaAthen25. Februar
Atletico Madrid - FC ChelseaBukarest23. Februar

Im benachbarten Bundesland Salzburg soll am 18. Februar Europa League gespielt werden. Der Klub aus der Stadt Salzburg trifft auf Villarreal, in dessen Stadion zeitgleich Hoffenheim antritt. Bedenken aus Salzburg sind nicht zu hören. Das gilt für die gesamte Branche, die sich dank der Hygienekonzepte sicher fühlt.

Viele Fälle trotz Hygienekonzept

Dabei gab es etwa beim VfL Wolfsburg schon acht positiv getestete Spieler (vier weitere mussten in Quarantäne), bei der TSG Hoffenheim sogar neun (ein weiterer in Quarantäne). Der FC Bayern meldete fünf Fälle, darunter Javi Martinez und Leon Goretzka. Die beiden Profis verpassten daher die Klub-WM in Katar.

Die Reise dorthin hatte wegen einer verweigerten Starterlaubnis mit Verspätung begonnen. Das erzürnte den Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge und auch Uli Hoeneß. Sie erhoben die Reise einer Fußballmannschaft zu einer staatstragenden Angelegenheit, der Hintergrund des eiligen Abreisegrundes geriet in Vergessenheit.

Freitag über Rummenigge und Hoeneß: "Es ging nicht um Leben und Tod" Sportschau 09.02.2021 00:48 Min. Verfügbar bis 09.02.2022 Das Erste

Das Bundesligaspiel der Bayern bei Hertha BSC war um eine halbe Stunde vorverlegt worden, um noch am Freitag (05.02.2021) an den Persischen Golf zu fliegen. Oder, wie die Deutsche Fußball Liga (DFL) mitteilte: "Um das Hygienekonzept der FIFA für den Wettbewerb inklusive erforderlicher PCR-Testungen bestmöglich umsetzen zu können." Auf Anfrage der Sportschau sagte die FIFA, dass die Verspätung keinen Einfluss auf das Hygienekonzept gehabt habe. "Das Konzept wurde wie vorgesehen umgesetzt", so ein Sprecher des Weltverbandes.

Am Montag gewannen die Münchner ihr Halbfinale, am Donnerstag treten sie im Endspiel an, am Freitag landen sie in München, am Montag (15.02.2021) geht es in der Bundesliga gegen Arminia Bielefeld ran, vorher werden sie gewiss noch trainieren.

Wie passt das mit der Einreiseverordnung und den Quarantänebestimmungen zusammen, die in Deutschland Ländersache sind? Grundsätzlich gilt in Bayern, dass sich jeder nach Rückkehr aus einem Risikogebiet wie Katar zehn Tage in Isolation begeben muss. Auch die in Paragraph 3 aufgeführte "Verkürzung der Quarantänedauer" auf fünf Tage würde nicht reichen, um schon am Montag wieder zu spielen.

Befreiung von der Pflicht zur häuslichen Isolation

Es gibt allerdings weitere Ausnahmen. Von der Pflicht zur häuslichen Isolation sind diejenigen befreit, "die zur Vorbereitung, Teilnahme, Durchführung und Nachbereitung internationaler Sportveranstaltungen durch das jeweilige Organisationskomitee akkreditiert werden oder von einem Bundessportfachverband zur Teilnahme an Trainings- und Lehrgangsmaßnahmen eingeladen sind." Dieser Fall trifft auch für Leipzig, Gladbach und Hoffenhein in ihren jeweiligen Länderverordnungen zu.

Zum Vergleich: Es werden "aufgrund der Corona-Pandemie derzeit grundsätzlich keine Einzel- und Delegationsreisen für Mitglieder des Bundestages genehmigt". Das teilte ein Sprecher des Bundestagspräsidenten mit.

Dagmar Freitag kann sich Olympia derzeit "kaum vorstellen" Sportschau 09.02.2021 01:00 Min. Verfügbar bis 09.02.2022 Das Erste

Stand: 10.02.2021, 12:32

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