Champions League - nah am geschlossenen Klub

Duell zwischen Bayerns Robert Lewandowski und Reals Sergio Ramos (r.) - Ungleichheit durch Geld in der Champions League - nah am geschlossenen Klub

Nur drei neue Teilnehmer

Champions League - nah am geschlossenen Klub

Von Chaled Nahar

Die Champions League hat in dieser Saison so wenig neue Mannschaften wie selten zuvor im Teilnehmerfeld. Der Wettbewerb entwickelt sich immer mehr zu einem geschlossenen Klub, sagen Experten - mit harten Folgen für die nationalen Ligen Europas.

Für den FK Suduva aus Litauen, den KF Drita aus dem Kosovo und Spartak Trnava aus der Slowakei war die erste Qualifikationsrunde der Champions League ein echtes Abenteuer. Zum ersten Mal haben die drei Klubs am wichtigsten Vereinswettbewerb Europas teilgenommen. Es sind allerdings die drei einzigen Neulinge.

Drei neue Klubs in der Champions League, so klein war die Zahl seit Jahren nicht. Vor einem Jahr waren noch zwölf Neulinge dabei, 2016 waren es neun, 2015 elf. Diese Zahlen hat der Sportblog "playthegame" vorgelegt. Die Autoren vermuten einen Hinweis darauf, dass die Champions League sich weiter zu einer geschlossenen Veranstaltung entwickelt.

 Die Champions-League-Trophäe

Die Champions-League-Trophäe

Ihre Schlussfolgerung: Die Champions League stärkt durch die Verteilung der hohen Einnahmen einige wenige große Klubs in jedem Land und bringt sie in den nationalen Ligen in eine zunehmend konkurrenzlose Stellung. Und deshalb spielen in der Champions League fast immer dieselben Mannschaften mit.

Bayern sechs Mal Meister? Es geht viel schlimmer

Dass in einigen großen Ligen wie in Deutschland, Spanien oder Italien wenige Klubs oder gar nur einer jahrelang die Meisterschaft feiern, ist bekannt. Bayern Münchens sechster Titelgewinn in Folge wirkt aber vergleichsweise niedlich, wenn man einen Blick nach Weißrussland wirft. Dort hat BATE Borisov zuletzt seine zwölfte Meisterschaft in Folge gefeiert.

Auch woanders werden Meisterschaften regelrecht abonniert. In Portugal teilen sich Benfica Lissabon und der FC Porto seit 16 Jahren die Titel unter sich auf, und auch in Schottland, Bulgarien und Zypern gibt es seit sieben Jahren denselben Meister. In Griechenland gewann Olympiakos Piräus in den vergangenen 22 Jahren 19 Mal den Titel. Auch am unteren Ende der UEFA-Rangliste, in Luxemburg und Andorra, steigt dank der Serienmeister F91 Dudelange und dem FC Santa Coloma die Langeweile.

Dominanz weniger Klubs in Europa
LandKlub(s)Titel in Folge
WeißrusslandBATE Borisov12 (2006 - 2018)
ItalienJuventus Turin7 (2012 - 2018)
ZypernAPOEL Nikosia7 (2012 -2018)
BulgarienLudogorez Rasgrad7 (2012 - 2018)
SchottlandCeltic7 (2012 - 2018)
LuxemburgF91 Dudelange6 (2013 - 2018)
DeutschlandBayern München6 (2013 - 2018)
AndorraFC Santa Coloma5 (2014 - 2018)

Heribert Bruchhagen wies in seiner Zeit als Manager bei Eintracht Frankfurt wiederholt daraufhin, dass die Tabelle der Bundesliga "zementiert" sei. Die Großen hätten ihren Platz, die Kleinen auch. Ein Blick über den Kontinent zeigt, dass das kein deutsches Problem ist.

"Geld schießt keine Tore"? Eine leere Worthülse

Natürlich machen viele Klubs mehr richtig als viele andere. Der Hamburger SV ist nicht deshalb abgestiegen, weil Bayern München wiederholt in der Champions League spielt. Dass der Grund für die nationale Ungleichheit in vielen Ligen trotzdem die Champions League sein könnte, liegt bei einem Blick auf die Einnahmen zumindest nahe.

Jubel bei BATE Borisov aus Weißrussland in der Champions League 2015/16

Jubel bei BATE Borisov aus Weißrussland in der Champions League 2015/16

Und die Unterschiede könnten durch die Prämiensteigerungen noch deutlicher werden. 15,25 Millionen Euro beträgt ab dieser Saison allein die Antrittsprämie (vorher 12,7 Millionen), 2,7 Millionen Euro (vorher 1,5 Millionen) gibt es künftig für einen Sieg in der Gruppenphase. Auch in den Qualifikationrunden gibt es zumindest hohe sechsstellige Beträge zu verdienen, was die großen Klubs der kleinen Ligen nach vorne bringt. In jeder Liga sorgen diese Einnahmen, die die anderen Klubs nicht haben, für entsprechende Folgen in der finanziellen Ausstattung bei der Kaderplanung. Die Worthülse "Geld schießt keine Tore" zeigt hier ihre ganze Substanzlosigkeit, da man mit dem Geld natürlich Spieler verpflichten kann, die die Tore schießen.

"playthegame" rechnet das am Beispiel BATE Borisov aus Weißrussland vor: Während der durchschnittliche Umsatz eines Klubs in Weißrussland jährlich 2,2 Millionen Euro betrug, nahm BATE allein in den jüngsten zehn Jahren mehr als 65 Millionen Euro in den europäischen Klubwettbewerben ein.

Prämienzahlungen Champions League ab 2018
RundeBetrag in Euro
Startprämie Gruppenphase15,25 Mio.
Sieg Gruppenphase2,7 Mio.
Remis Gruppenphase0,9 Mio.
Erreichen Achtelfinale9,5 Mio.
Erreichen Viertelfinale10,5 Mio.
Erreichen Halbfinale12 Mio.
Erreichen Endspiel15 Mio.
Turniersieg4 Mio.
Teilnahme Super-Cup3,5 Mio.
Sieg Super-Cup1 Mio.

Den Bayern sind jetzt schon rund 140 Millionen sicher

Und die UEFA füttert die großen Klubs zudem mit weiteren Einnahmen über den Klubkoeffizienten. Der legt nicht nur die Setzlisten für Auslosungen fest, sondern ist auch noch bares Geld wert. Den Bayern sind beispielsweise neben den 15,25 Millionen Euro Antrittsprämie auch 33,24 Millionen Euro für Platz drei in der Koeffizientenrangliste sicher.

Noch nicht eingerechnet ist das von der UEFA zu verteilende Fernsehgeld (im Vorjahr waren es rund 30 Millionen Euro), in der Bundesliga gibt es zudem rund 60 Millionen Euro Fernsehgeld für die Bayern - alles zusammengerechnet fast 140 Millionen Euro, bevor der erste Ball getreten ist. Als Gegensatz könnte der SC Freiburg dienen, der mit 35 Millionen Euro Fernsehgeld aus der Bundesliga auskommen muss und die anderen genannten Einnahmen nicht hat.

Diese Art der Verteilung vom Geld des Fußballsystems wie in Deutschland, Weißrussland und anderswo findet wiederholt statt. Sie hilft den großen Klubs, groß zu bleiben oder noch größer zu werden.

Mindestens 26 von 32 Plätzen für die zehn großen Länder

32 Klubs spielen wie gewohnt in der Gruppenphase der Champions League. 26 Plätze davon hat die UEFA unter den zehn größten Fußballländern aufgeteilt. 53 Teams, darunter 47 aus den restlichen 42 Ländern spielen in der Qualifikation um die verbliebenen sechs Plätze in der Gruppenphase.

Jubel bei Debütant Spartak Trnava über den 2:0-Erfolg gegen Legia Warschau

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Für die drei Neulinge in der Champions League wird das Erreichen der Gruppenphase wohl eine Wunschvorstellung bleiben. Der KF Drita aus dem Kosovo, der sogar noch eine Vorrunde zur ersten Qualifikationsrunde überstehen musste, schied bereits mit 0:3/0:2 gegen Malmö FF aus Schweden aus. In der zweiten Qualifikationsrunde hat der FK Suduva aus Litauen das Hinspiel bei Roter Stern Belgrad bereits mit 0:3 verloren, alleine für Spartak Trnava aus der Slowakei lebt der Traum noch: Das Team gewann das Hinspiel bei Legia Warschau mit 2:0.

Stand: 26.07.2018, 08:00

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