Champions League - Lebenszeichen aus den Beneluxstaaten

FC Brügge

Champions League

Champions League - Lebenszeichen aus den Beneluxstaaten

Von Frank Hellmann

Die Zeiten, dass Ajax Amsterdam und PSV Eindhoven stilprägende Europapokal-Elemente bildeten, sind lange vorbei. Umso wichtiger ist, dass diese Traditionsvereine wieder in der Champions League mitspielen. Dasselbe gilt auch für Dortmunds Gegner FC Brügge.

Die Zeiten, dass Brügge unter Touristen mal als Geheimtipp galt, sind längst vorbei. Der mittelalterliche Stadtkern, vom Autoverkehr befreit, wird an jedem Wochenende zum Anlaufpunkt von Heerscharen ausländischer Besucher. Mehr als sechs Millionen sind es Jahr für Jahr.

Viele kommen aus dem benachbarten Deutschland, um die 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe und 2002 zur Europäischen Kulturhauptstadt ernannte 118.000-Einwohner-City in der Provinz Westflandern aufzusuchen. Dass es die Stadt auch mal wieder auf die Landkarte der Champions League geschafft hat, hebt vor allem das Selbstwertgefühl jener Bewohner, die mit Club Brügge verbunden sind. Der FC Brügge, wie der Klub im Ausland meist genannt wird, empfängt am heutigen Dienstag (21 Uhr) den Bundesligisten Borussia Dortmund.

Stammgast im Europapokal

Wer insgesamt schon 47 Mal an Europapokalwettbewerben teilgenommen hat - davon 19 Mal in der Champions League oder im Vorläuferwettbewerb, dem Europapokal der Landesmeister - der darf sich mit Fug und Recht als Stammgast begreifen. Und doch sind die Zeiten lange her, dass belgische Vereine als stilprägende Elemente wahrgenommen worden sind.

Mit der Globalisierung und Kommerzialisierung zogen die besten Spieler immer früher weiter, fast alle Leistungsträger der "Roten Teufel", die bei der diesjährigen WM das Finale knapp verpassten, sind längst in England bei den großen Premier-League-Klubs angestellt. Insofern wäre es schon eine Leistung, wenn der aktuelle Meister in einer Gruppe mit Dortmund, Atletico Madrid und AS Monaco mithalten könnte.

Altstar Ceulemans ist Realist

"Wir müssen ehrlich sein. Für belgische Klubs geht es in der Champions-League-Gruppenphase nur um den dritten Rang und das Weiterkommen in der Europa League. Alles ist andere Träumerei", betont Jan Ceulemans. Der frühere Starspieler, in den 80er und 90er Jahren einer der besten Stürmer auf dem Kontinent, muss es ja wissen.

Noch immer verfolgt der 61-Jährige intensiv den europäischen Klubfußball, und Ceulemans weiß, wie sich die Kräfteverhältnisse zugunsten der wenigen Global Player verschoben haben. "Geld ist zwar keine Erfolgsgarantie, erhöht aber Erfolgsaussichten." Finanziell könnten belgische Klubs nicht mal ansatzweise mit den großen Ligen mithalten. Die Historie ist der Mutmacher, wenn Brügge im Jan-Breydel-Stadion gegen den BVB antritt: 2003 schockten die "Blauw en Zart" in den Play-offs zur Königsklasse die Borussia, die danach in die große (Finanz-)Krise taumelten.

Belgiens Nationalspieler fast alle im Ausland

Heuzutage sind die wirtschaftlichen und sportlichen Unterschiede gewaltig. Die meisten Länderspiele für Belgien hat aus Brügges Kader der Stürmer Jelle Vossen gemacht, der zwölfmal zum Einsatz kam, aber für die WM gar nicht nominiert wurde. Aus der Pro League war in Russland überhaupt nur ein einziger Profi - Leander Dendoncker von RSC Anderlecht - dabei.

Der belgische Fußball steht auf Platz neun in der UEFA-Fünfjahreswertung und kann damit seinen Titelträger direkt in die Gruppenphase der Champions League entsenden. Ein Privileg, das der Nachbar Niederlande nicht genießt. Auf Platz 14 in diesem Ranking müssen Hollands Meister und Vizemeister erst den mühsamen Umweg über die Qualifikation gehen.

Hier setzten sich sowohl PSV Eindhoven auf dem Meisterweg (gegen BATE Baryssau) und Ajax Amsterdam auf dem Weg der Bestplatzierten (gegen Dynamo Kiew) durch. Damit bringen die Beneluxstaaten drei Starter auf die ausgeleuchtete Bühne. Gerade für den darbenden niederländischen Fußball, dessen "Elftal" zuletzt krachend sowohl die Qualifikation für die EM 2016 als auch die WM 2018 verspielte, ein aufmunterndes Signal.

Eindhoven als Underdog

Trainer Mark van Bommel von PSV Eindhoven

Trainer Mark van Bommel von PSV Eindhoven

Für Eindhoven hätte es gleichwohl kaum schlimmer kommen können. FC Barcelona, Tottenham Hotspur und Inter Mailand sind in Gruppe B die Gegner – und gleichermaßen die großen Favoriten. Aber wofür hat denn bitte Mark van Bommel in seinem Heimatklub angeheuert? Der einst von Ottmar Hitzfeld beim FC Bayern zu seinem „Aggressive Leader“ erkorene van Bommel, bei der WM noch als Co-Trainer seines Schwiegervater Bert van Marwijk für Australien im Einsatz, hat noch nie ohne Widerstand klein beigegeben.

Van Marwijk hat übrigens gleichzeitig als PSV-Berater angeheuert, während van Bommel die Nachfolge von Philipp Cocu auf dem Cheftrainerposten antrat. Für ihn war die Auslosung eine Begegnung mit der eigenen Vergangenheit, denn sowohl in Barcelona als auch in Mailand (dort aber für Milan) spielte er selbst.

Für die Auftaktaufgabe in Barcelona im Camp Nou (Dienstag 18.55) lautet die Losung, sich gut aus der Affäre zu ziehen - und bloß keine Abreibung zu kassieren. Bekanntester Akteur in Deutschland aus dem Eindhovener Kader dürfte der flinke Mexikaner Hirving Lozano sein, der bekanntlich die lethargische DFB-Auswahl mit seinem Siegtreffer im ersten WM-Gruppenspiel auf die Bretter schickte.

Amsterdam mit Außenseiterchancen

Klaas-Jan Huntelaar von Ajax Amsterdam

Klaas-Jan Huntelaar von Ajax Amsterdam

Mehr Aussichten aufs Überwintern rechnet sich da schon Ajax Amsterdam mit dem ehemaligen Bundesligatorjäger Klaas Jan Huntelaar in Gruppe F aus, auch wenn die Zeiten wohl nie wiederkommen, in denen dieser Verein dreimal in Folge den Henkelpott stemmte. Geschehen 1971, 1972 und 1973, als noch Johan Cruyff die Regie führte.

Dass ein Ajax-Ensemble auch 1995 noch mal gut genug war, die Champions League zu gewinnen, mutet im Rückblick fast unwirklich an. Denn in erster Linie wurde Amsterdam spätestens nach der Jahrtausendwende als Ausbildungsverein wahrgenommen, aus dem sich die reichere Konkurrenz gerne bediente.

In diesem Sommer allerdings gelang es, Toptalente wie Kapitän Frenkie de Jong oder Matthias de Ligt zu halten. Die beiden 19-Jährigen werden die Bühne für Werbung in eigener Sache nutzen. Und wenn sie sich mit Ajax in der Gruppe mit dem FC Bayern, AEK Athen und Benfica Lissabon durchsetzen, dann können sich beide den Arbeitgeber nächsten Sommer aus dem Geldadel der Königsklasse vermutlich aussuchen.

Stand: 18.09.2018, 09:30

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