Slavia Prag - Abwehrbollwerk mit Überraschungspotenzial

Prags Ondrej Kudela

Champions League, 2. Spieltag

Slavia Prag - Abwehrbollwerk mit Überraschungspotenzial

Borussia Dortmund gilt in der Champions League bei Slavia Prag als Favorit. Doch die Tschechen könnten sich in Gruppe F als die große Überraschung entpuppen. Das Prunkstück ist die Abwehr.

Es brauchte einen abgefälschten Schuss des eingewechselten Nicola Barella und es brauchte die Nachspielzeit: Inter Mailand rettete am ersten Spieltag der Champions League daheim gegen Slavia Prag erst in der 92. Minute mit viel Glück ein 1:1. Hinterher hieß es, Inter sei nur knapp an einer Blamage vorbeigekommen. Doch bei näherer Betrachtung war das Remis in San Siro nicht wirklich eine Überraschung.

Drei Gegentore in 16 Pflichtspielen

Slavia ist ungeschlagener Tabellenführer der tschechischen Liga. Nach elf Spieltagen hat das Team neun Siege und zwei Unentschieden eingefahren. Das Besondere: Die Mannschaft von Trainer Jindrich Trpisovsky hat erst zwei Gegentore kassiert. Auch im tschechischen Supercup, im Pokal und in der Champions-League-Qualifikation gegen den rumänischen Meister FC Cluj gab es keinen Gegentreffer. Insgesamt macht das drei Tore in 16 Spielen.

Natürlich glänzte der Meister und Pokalsieger aus der Hauptstadt in Mailand nicht mit Hurra-Fußball. Das musste er auch nicht. Im 4-3-1-2-System kam das Team tiefstehend, kompakt, lauffreudig und zweikampfstark daher und ließ nur wenige Chancen zu. In der 63. Minute nutzte Slavia eine seiner wenigen Möglichkeiten eiskalt, Peter Olayinka brachte die Gäste in Führung.

Abwehrspieler auch bei Bundesligisten begehrt

Prunkstück des Teams ist die Viererkette. Vor Torwart Ondrej Kolar bilden David Hovorka und der 32-Jährige Routinier Ondrej Kudela die Innenverteidigung. Rechtsverteidiger Vladimir Coufal hatte im Sommer ein unterschriftsreifes Angebot des SC Freiburg auf dem Tisch liegen, die linke Abwehrseite beackert Jan Boril. Der Abräumer im defensiven Mittelfeld heißt Tomas Soucek und soll zuletzt unter anderem bei Werder Bremen und dem 1. FC Köln  im Gespräch gewesen sein. Unterstützt wird er von Spielmacher Josef Husbauer.

Kral kurzfristig nach Moskau

Dass Slavia zuletzt einen bitteren Weggang zu verkraften hatte, fällt gar nicht auf. Nationalspieler Alex Kral wechselte Anfang September zu Spartak Moskau - für rund zwölf Millionen Euro. Damit ist er nach Tomas Rosicky der zweiteuerste Spieler, der von einem tschechischen Klub zu einem ausländischen Verein gewechselt ist. 

Dortmund angeschlagen nach Prag

Für Slavia spricht vor dem Spiel gegen Dortmund, dass die Borussia angeschlagen in die "goldene Stadt" reist. Nach dem jüngsten 2:2 gegen Werder Bremen ist das Team in der Tabelle auf Platz acht abgerutscht. Die Offensive zeigt ungewohnte Abschlussschwächen, die Defensive wackelt bei jeder Standardsituation, und Trainer Lucien Favre scheint derzeit außerstande zu sein, seiner an sich zweifelnden Mannschaft Halt zu geben. Für Dortmund ist es der schlechteste Saisonstart seit fünf Jahren - Mentalitätsdebatte inklusive.

Hinzu kommt, dass Stürmer Paco Alcácer wegen einer Achillessehnenreizung nicht mit dabei ist. Mit bislang fünf Saisontoren ist der Spanier derzeit bester BVB-Schütze - und die Schwarz-Gelben sind in der Champions League seit drei Spielen ohne Treffer. Keine guten Voraussetzungen gegen defensivstarke Prager.

vdv | Stand: 02.10.2019, 07:00

Darstellung: