Linfields hoffnungsloser Traum von der "Königsklasse"

Objekt der Begierde: der Henkelpott

Start der Qualifikation zur Champions League 2020/21

Linfields hoffnungsloser Traum von der "Königsklasse"

Von Dirk Burkhardt

Die Champions League, da spielen die Meister, die Großen - auch der Linfield FC aus Nordirland. Zum 13. Mal nimmt das Fußball-Team aus Belfast an der Qualifikation zum Elite-Wettbewerb der UEFA teil. Und auch dieses Mal ist schon vorher klar: Das wird nichts, weil das System es so will.

Während sich in der durch die Corona-Pandemie durcheinandergewirbelten Saison ab 7. August noch zwölf Klubs Hoffnungen auf den Titel in der Champions League 2020 machen, beginnt einen Tag später am Samstag (08.08.2020) um 15 Uhr bereits die Champions-League-Saison 2020/21. Im schweizerischen Nyon spielt Linfield FC aus Nordirland gegen SP Tre Fiori, den Meister von San Marino, das Halbfinale der Vor-Qualifikations-Playoffs.

Danach tritt im anderen Halbfinale KF Drita (Kosovo) gegen Inter Club d’Escaldes (Andorra) an. Nur der Sieger der Viererrunde zieht in die 1. Qualifikationsrunde der Champions League ein.

Linfield - der Weltrekord-Meister

Dass Linfield ein Champion ist, daran kann kein Zweifel bestehen. In der in Nordirland abgebrochenen Saison holte der Klub aus Belfast seinen 54. Meistertitel. Damit hält Linfield gemeinsam mit dem schottischen Traditionsklub Glasgow Rangers immerhin den Weltrekord an Landestiteln.

Dass es die "Blues" mit dem internationalen No-Name-Kader ohne nordirischen Nationalspieler aber überhaupt mal in die Gruppenphase schaffen, geschweige denn wie 1967 sogar mal ins Viertelfinale des höchsten europäischen Wettbewerbs, ist so wahrscheinlich wie das künftige Auflaufen Lionel Messis im blauen LFC-Trikot mit den fünf Meisterschaftssternen im Windsor Park von Belfast.

Sechs Gruppen-Plätze für 57 Bewerber

Seit der Einführung der "Königsklasse" im Jahr 1992 hat die UEFA die Mechanismen Stück für Stück so verfeinert, dass zwar im Prinzip alle 55 Mitgliedsverbände an etwas teilnehmen können, das den Begriff Champions League trägt, aber eigentlich für die Kleinen ein anderer Wettbewerb ist.

Für die Gruppenphase sind nämlich durch die Nationenwertung der UEFA und die Zusage von einem bis vier Startplätzen für neun Nationen bereits 26 von 32 Plätzen fest vergeben. Das sind über 80 Prozent. Auf die restlichen sechs Plätze hoffen satte 58 Teams aus den übrigen 46 Nationen - darunter eben Linfield FC, aber auch größere Kaliber wie Celtic Glasgow, Besiktas Istanbul oder Ajax Amsterdam.

Stück für Stück wird nach Koeffizient gesiebt

Um aber zum Beispiel den niederländischen Meister überhaupt zu Gesicht zu bekommen, müsste Linfield neben der Vorqualifikation drei weitere Runden - in der Regel mit Hin- und Rückspiel ausgetragen - überstehen. Ajax ist nämlich einer der sieben Klubs, die schon für die sechs Playoffspiele definitiv gesetzt sind.

So werden durch das UEFA-Setzsystem aus Länder- und Klubkoeffizient Runde für Runde die Kleinen ausgesiebt, das Nadelöhr zu den großen Geldtöpfen immer enger. In jeder Runde sind andere der größeren Klubs automatisch dabei. Celtic Glasgow steigt zum Beispiel in der 1. Qualifikationsrunde ein. In Runde zwei gehen unter anderem Besiktas Istanbul und Rapid Wien an den Start, in Runde drei Olympiakos Piräus und Benfica Lissabon.

Keine Chance für die Kleinen

Ein nostalgisches Duell "David gegen Goliath" ist so nicht möglich. Große Namen wird Linfield nicht treffen. Seit Einführung der Playoffs zur Saison 2009/10 hat mit dem FC Düdelingen aus Luxemburg 2012 nur einmal ein Team aus der Startrunde die nächste Hauptqualifikationsrunde überhaupt überstanden.

In die Playoffs, geschweige denn in die Gruppenphase hat es natürlich noch keiner der ganz Kleinen geschafft. Dafür sorgt neben Leistungsunterschieden eben der Modus. Belastung und Prämienmöglickheiten werden durch das UEFA-System zugunsten der großen Klubs gesteuert.

Immerhin ein bisschen Geld

Nordirlands Serienmeister Linfield ist seit Einführung der Champions League 1992 immerhin zwölf Mal auf den Weg Richtung Gruppenphase gestartet, nur zwei Mal überstanden die "Blues" überhaupt eine Runde.

An sportliche Highlights und die großen Geldtöpfe wird Linfield wohl auch beim 13. Anlauf nicht kommen. Aber die Partie am Samstag gegen Tre Fiori trägt immerhin den Namen Champions League. Und wenigstens 230.000 Euro gibt es von der UEFA für den Ausflug nach Nyon auch. Bei Nicht-Erreichen der Gruppenphase kommen wie für jeden ausgeschiedenen Landesmeister der Qualifikation noch einmal 260.000 Euro dazu. Playoff-Teilnehmer Amsterdam hat schon mindestens fünf Millionen Euro sicher.

Garantierte Prämien bis zur Gruppenphase
RundePrämie
Teilnahme Vorqualifikation230.000 Euro
1. Qualifikationsrunde260.000 Euro
2. Qualifikationsrunde380.000 Euro
3. Qualifikationsrunde480.000 Euro
Meister, die ausscheiden260.000 Euro
Ausscheiden in den Playoffs5.000.000 Euro
Startprämie Gruppenphase15.250.000 Euro

(Stand: Saison 2019/20, Quelle: uefa.com)

Stand: 07.08.2020, 05:02

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