Marco Reus - Dortmunds personifizierter Aufschwung

Dortmunds Marco Reus

Vor Champions-League-Partie bei Atlético Madrid

Marco Reus - Dortmunds personifizierter Aufschwung

Von Robin Tillenburg

Atlético Madrids Trainer Diego Simeone dürfte seine Spieler vor dem Champions-League-Duell mit Borussia Dortmund vor allem vor Marco Reus warnen. Der 29-Jährige ist aktuell in der Form seines Lebens.

Auch wenn es andere Spieler waren, die vor zwei Wochen beim beeindruckenden 4:0 (1:0) des BVB über Atlético die Tore erzielten und vorbereiteten, ist Reus das zentrale Element der Offensivmaschinerie von Trainer Lucien Favre.

Zehner und Anführer

Das ist auch wörtlich zu verstehen. Denn unter dem Schweizer agiert Reus nicht mehr auf dem Flügel, sondern als Zehner im 4-2-3-1-System, das wahlweise auch als 4-3-3 verstanden werden kann. Im Zusammenspiel mit den beiden Sechsern organisiert Dortmunds Mann mit der Nummer 11 die Angriffe, leitet den Ball zu den schnellen Außenspielern weiter oder steckt in die Spitze durch, nur um sich gleich wieder als Vollstrecker in Position zu laufen.

Die Kapitänsbinde, die er mittlerweile am Arm trägt, ist dabei nicht nur modisches Accessoire, sondern unterstreicht auch die Rolle, die er gemeinsam mit den anderen erfahreneren Spielern wie Axel Witsel oder Lukasz Piszczek in Dortmunds Teamgefüge einnimmt: Die eines Anführers.

Topscorer

Die Zeiten, in denen man mit Reus neben dem unglaublich großen Talent vor allem noch die "Führerschein-Affäre", seine Frisur und Verletzungen assoziierte, sind größtenteils vorbei. Reus ist zwar weiterhin - wie die meisten seiner Kollegen - stets akkurat frisiert, doch er wirkt gereift. Er organisiert und dirigiert auf dem Feld, wird abseits dessen bald zum ersten Mal Vater und geht für die Borussia voran. Als er im kritischen Pokalspiel gegen Union Berlin eingewechselt wurde, übernahm er am Ende Verantwortung und erzielte den Siegtreffer in der Verlängerung. Wenige Tage später, am gerade vergangenen Wochenende, war er auch Torschütze des einzigen Treffers in der Partie gegen den VfL Wolfsburg.

Nach Frankfurts Sébastien Haller (12) ist der frühere Mönchengladbacher mit elf Scorerpunkten (sechs Tore, fünf Vorlagen) der beste Scorer der Bundesliga, dazu kommen insgesamt fünf direkte Torbeteiligungen in Champions League und DFB-Pokal.

Dauerbrenner - und gesund

Dass Reus diese Zahlen liefert und seine Rolle auch so ausführen kann, liegt auch daran, dass er eben erstmals seit ewigen Zeiten auch langfristig gesund und fit ist. Saisonübergreifend hat Reus 16 Ligaspiele in Serie auf dem Rasen gestanden, das gab es zuletzt vor fünf Jahren. Kein Spieler absolvierte in der immer wieder von Favres Rotation geprägten Mannschaft in dieser Saison bisher mehr Pflichtspielminuten als der Kapitän, der seine Reise zur Nationalmannschaft vorsorglich wegen leichter Kniebeschwerden zuletzt abgesagt hatte. Reus hört genau auf seinen Körper - und das zahlt sich aus. Der gebürtige Dortmunder ist topfit.

Obwohl er inzwischen auf der Zehnerposition und nicht mehr auf dem Flügel agiert, hat nur Augsburgs Philipp Max in dieser Saison mehr Sprints in der Liga angezogen als Reus.

Reus-Treffer als Erfolgsgarantie?

Gegen Atlético hoffen die Dortmunder jedenfalls wieder auf Tore ihres Anführers. Mit einem Sieg würde der Einzug ins Achtelfinale vorzeitig eingetütet, und Reus-Treffer sind rein statistisch beinahe so etwas wie eine Erfolgsgarantie: Von den 15 Spielen in denen Reus in der Königsklasse für den BVB traf, verloren die Schwarz-Gelben nur zwei. Simeone tut also gut daran, seine Spieler zu warnen.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Dienstag, 06.11.18, ab 22.50 Uhr

Stand: 06.11.2018, 08:30

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