Champions League - die Nerven liegen blank bei Paris St. Germain

PSG-Trainer Mauricio Pochettino

Vor dem Duell mit Bayern München

Champions League - die Nerven liegen blank bei Paris St. Germain

Von Christian Hornung

Vor drei Wochen war die Welt noch in Ordnung für alle, die es mit Paris Saint-Germain halten. Doch nun, wo PSG in der Champions League auf die Bayern trifft, ist von der guten Stimmung nicht mehr viel übrig.

Es war ein Spiel für die Seele gegen diesen aufmüpfigen OSC Lille. Erst traf Mauro Icardi per Linksschuss, dann Kylian Mbappé vom Elfmeterpunkt und mit dem Schlusspfiff nochmal Mbappé zum 3:0: Lille war am 17. März im Pokal-Achtelfinale chancenlos und sollte mit diesem Match nach den Vorstellungen von Trainer Maurizio Pochettino auch eine klare Ansage für den Titelendspurt in der Ligue 1 mitbekommen haben.

Die gewünschte Wirkung trat nur vier Tage später ein. Tabellenführer Lille leistete sich gegen den Abstiegskandidaten Olympique Nimes eine peinliche 1:2-Heimpleite, parallel dazu bezwang Paris mit einer Offensiv-Gala den zuvor punktgleichen Verfolger Olympique Lyon mit 4:2 - der Meister PSG war am 30. Spieltag erstmals seit dem 22. Januar wieder Spitzenreiter.

Barcelona aus Königsklasse geworfen

In diese Phase der vermeintlichen Rehabilitation passte das Achtelfinale in der Königsklasse: Nach einer 4:1-Hinspiel-Demütigung für den FC Barcelona im Camp Nou reichte im Rückspiel ein 1:1, um in die Top-Acht Europas einzuziehen.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war man sich in der Hauptstadt einig, dass es eine brillante Entscheidung war, diesen leicht nerdigen, aber auch gar nicht mal so erfolglosen Thomas Tuchel zum Jahresbeginn durch den langjährigen Tottenham-Trainer Pochettino ersetzt zu haben.

Neymar fliegt nach zwei Undiszipliniertheiten

Benoit Bastien zeigt Neymar (r) die gelb-rote Karte

Benoit Bastien zeigt Neymar (r) die gelb-rote Karte

Doch der schwere Rückschlag folgte prompt und offenbarte, dass die Probleme, die Tuchel in der Hinrunde dieser Saison hatte, doch tiefer gelegen haben müssen: Denn auch Pochettino bekommt 2021 einfach keine Konstanz in die Leistungen dieses Superstarensembles. Auch ihm gelingt es nicht, den derzeit mal wieder an Muskelproblemen leidenden 50-Millionen-Zugang Icardi von Inter Mailand gewinnbringend zu integrieren: Der Mittelstürmer steht bei fünf Saisontoren, hat damit immerhin eins mehr als Julian Draxler, der zuletzt nicht mal mehr zur Nationalelf eingeladen wurde.

Das 0:1 zuletzt am Samstag (03.04.2021) ausgerechnet gegen Lille kippte den zarten Trend Richtung Titelverteidigung gleich wieder, es war bereits die achte Saisonpleite. Die Partie legte nicht nur einmal mehr die Schwäche der Pariser offen, wenn sich der Gegner gut auf Mbappé einstellt und dessen Sprints in die Spitze absichert.

Es traten auch erneut nervliche Probleme auf: Diva Neymar handelte sich in der 48. Minute die Gelbe Karte ein, weil er Lille-Spieler Benjamin André mit der Hand ins Gesicht gelangt hatte. Kurz vor Schluss schubste der Brasilianer, der erstmals seit Februar wieder in der Startelf stand, dann noch Tiago Djaló um und sah Gelb-Rot.

Thilo Kehrer von Rapper beleidigt und bedroht

Die Reaktionen auf diese Niederlage fielen drastisch aus, teilweise auch deutlich jenseits der Verstandsgrenze. So beleidigte der französische Rapper Mokobé den gegen Lille nach 63 Minuten ausgewechselten Ex-Schalker Thilo Kehrer via Twitter übelst und drohte ihm sogar einen "Kopfstoß" an.

Die Stimmung bei Paris vor dem Duell zwischen dem Vorjahresfinalisten und Endspielsieger FC Bayern ist also am Boden, und die schlechten Nachrichten reißen nicht ab. Nach dem corona-bedingten Ausfall von Marco Verratti wurde nun auch noch Alessandro Florenzi positiv getestet.

Pochettino unter Druck

Was ein Ausscheiden in der Champions League für den Einjahresvertrag von Pochettino bedeuten könnte, liegt auf der Hand. Thomas Tuchel wurde entlassen, obwohl er mit PSG in der vergangenen Saison Meister, Pokalsieger, Ligapokalsieger und Zweiter in der Königsklasse geworden war.

Stand: 06.04.2021, 17:45

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