UEFA: Neuer Streit um Reform der Champions League - Entscheidung vertagt

Streit um die Champions League - wie sieht der Wettbewerb ab 2024 aus?

Reform des Europapokals

UEFA: Neuer Streit um Reform der Champions League - Entscheidung vertagt

Von Chaled Nahar

Die Reform der Champions League ab 2024 sollte eigentlich am Mittwoch beschlossen werden - doch nun streiten UEFA und die Klubvereinigung ECA, die weitere Forderungen stellt. Die Entscheidung wurde vertagt.

Ein kleines, aber mächtiges Gremium tagte am Dienstag. Die Kommission für Klubwettbewerbe der UEFA sollte final über den Vorschlag der UEFA zur Reform der Champions League 2024 beraten, der dann am Mittwoch dem Exekutivkomitee zur Abstimmung vorgelegt werden sollte. Doch bei dieser Sitzung entstand nach Informationen der Sportschau ein weiterer Konflikt: diesmal zwischen der UEFA und der Klubvereinigung ECA, die vor allem die Interessen der großen Klubs vertritt. Nun wird es am Mittwoch entgegen der vorherigen Planungen keine Entscheidung geben.

"Um laufende Diskussionen zu Ende zu bringen", werde eine Entscheidung über die Champions League nach aktuellen Planungen erst am 19. April fallen, teilte die UEFA mit. Bei dem Termin am Mittwoch werde über die Reform nur diskutiert.

Spitzenklubs wollen Champions League selbst vermarkten

Mehrere Quellen bestätigten der Sportschau, dass es bei dem Konflikt um die Vermarktungsrechte der Champions League geht. Demnach fordern die Spitzenklubs die Umsetzung eines Plans, über den kürzlich die "Financial Times" berichtete. Ein gemeinsames Unternehmen von ECA und UEFA soll demnach in Zukunft die kommerziellen Rechte an dem Wettbewerb halten und vermarkten, während allein die Organisation des sportlichen Wettbewerbs bei der UEFA verbleiben würde. Alle Fernsehverträge oder Geschäfte mit Sponsoren würden über die ECA laufen.

Eine ähnliche Firma gibt es seit 2017 mit der "UEFA Club Competitions SA" bereits, 50 Prozent der Stimmrechte dort liegen bei der ECA. Doch bislang hat die Firma nur beratenden Charakter. Die "Financial Times" zitierte Manchester Uniteds Vize-Vorstand Ed Woodward so: "Mit einer Veränderung des Spielmodus erwarte ich eine größere Einbeziehung der Klubs in die Leitung und Kontrolle des Wettbewerbs." Die Führungsebene der UEFA ist Informationen der Sportschau zufolge von dem Plan nicht vollständig überzeugt, was zu dem neuen Konflikt führte. Die ECA reagierte am Dienstagabend mit einer Stellungnahme ohne kllaren Bezug auf die Meinungsverschiedenheiten. Der ECA-Vorstand sei weiter gewillt, mit der UEFA zusammenzuarbeiten, hieß es.

Ein Investor für die Champions League als mögliche Folge

Die Maßnahme würde langfristig den Einstieg von Investoren grundsätzlich ermöglichen, die nach Hoffnung der ECA mehr Geld bereitstellen würden als die UEFA derzeit einnimmt. Im Zeitraum 2018 bis 2021 belaufen sich die Einnahmen der UEFA aus den Klubwettbewerben auf etwa 3,25 Milliarden Euro, von denen rund zwei Milliarden an die Klubs aus der Champions League gehen.

ECA-Chef Andrea Agnelli sagte bei der Generalversammlung der Organisation auf eine Frage nach der Öffnung der Champions League für Investoren, dass er dies "nicht ausschließen" wolle. Man müsse sich das aber "genau ansehen". Ein Bruch der Spitzenklubs mit der UEFA und die Gründung einer geschlossenen Super League mit dem Geld von Investoren gilt seit Jahren als Drohgebärde der Klubs an die UEFA, um eine Umgestaltung der Wettbewerbe zu ihren Gunsten zu erreichen. Zuletzt wurde von einem fünf Milliarden Euro schweren Versuch zur Gründung einer Super League durch die amerikanische Bank JP Morgan berichtet. Mit den Forderungen der ECA könnte ein Wettbewerb ähnlich der Super League unter dem Dach der UEFA entstehen.

UEFA-Klubwettbewerbe - Einnahmen der teilnehmenden Klubs (in Euro)
SaisonChampions League (32 Teams)Europa League (48 Teams + 8 Absteiger)
2010/11754.100.000150.360.000
2011/12754.100.000150.360.000
2012/13904.600.000209.000.000
2013/14904.600.000209.000.000
2014/15987.900.000239.750.000
2015/161.295.258.000411.155.000
2016/171.315.343.000423.188.000
2017/181.335.669.000428.813.000
2018/191.931.474.000559.214.117
2019/20noch nicht veröffentlichtnoch nicht veröffentlicht

Geldverteilung einer der größten Streitpunkte

Lars-Christer Olsson, Präsident des europäischen Ligaverbandes European Leagues berichtete bei der Generalversammlung am Freitag, die UEFA habe ihm garantiert, dass auch in Zukunft nur sie die endgültigen Entscheidungen zur Gestaltung der Wettbewerbe treffen werde. Die Befürchtung ist klar: Wenn die großen Klubs für die Vermarktung zuständig sind, wird auch ihr Einfluss bei der Geldverteilung größer.

Die Geldverteilung ist aber einer der großen Streitpunkte. Die nationalen Ligen, von denen viele über den Geldfluss aus der Champions League Dauer-Meister wie Bayern München, Juventus Turin oder Paris Saint-Germain entwickelt haben, befürchten eine Vergrößerung der Unterschiede zwischen großen und kleinen Klubs. Sie setzen sich daher bei der Neuordnung der Finanzen für einen höheren Anteil der Zahlungen an die Klubs ein, die nicht am Europapokal teilnehmen. Das soll der wachsenden Ungleichheit entgegenwirken.

Mehr Spiele, keine Gruppen: Die UEFA will den Modus komplett ändern

Derzeit streiten zahlreiche Interessenvertreter über die Gestaltung der Europapokal-Wettbewerbe ab 2024. Der aktuelle Vorschlag der UEFA sieht in der Champions League 36 statt bislang 32 Mannschaften vor, die in einer Liga die Teilnehmer an der K.o.-Runde ermitteln - und nicht wie bislang in Gruppenspielen.

Die nationalen Ligen bemängeln die hohe Anzahl an Vorrundenspielen, die sich für jeden Klub von sechs auf zehn erhöhen und den Kalender weiter belasten würde. Außerdem gibt es Kritik an dem Plan, mindestens zwei Teams eine "Notfall-Qualifikation" über eine Zehn-Jahres-Wertung zu ermöglichen - ein System, um schwächelnde Großklubs abzusichern. Die endgültige Entscheidung trifft das 18 Personen große UEFA-Exekutivkomitee, in dem auch DFB-Vizepräsident Rainer Koch mit abstimmt. Viele Fanbündnisse kritisieren die Reform ebenfalls.

Widerstand bei einigen Verbänden

Mittlerweile haben mindestens zehn Nationalverbände der UEFA ihre Bedenken zu dem Reformvorschlag mitgeteilt, wie die Sportschau aus Verhandlungskreisen erfuhr. Darunter ist mit England einer der großen vier Verbände. Deutschland, Italien und Spanien haben demzufolge noch keinen Standpunkt an die UEFA übermittelt. Mit den Niederlanden, Belgien und Russland sind aber drei weitere Verbände aus den Top Ten der sogenannten Fünf-Jahres-Wertung dabei.

UEFA-Exekutivkomitee
PersonVerband/Funktion
Aleksander CeferinUEFA-Präsident
Karl-Erik NilssonSchweden
Sandor CsanyiUngarn
Fernando GomesPortugal
Luis RubialesSpanien
David GillEngland
Zbigniew BoniekPolen
Armand DukaAlbanien
Florence HardouinFrankreich
Rainer KochDeutschland
Jesper MöllerDänemark
Andrii PavelkoUkraine
Davor SukerKroatien
Michael van PraagNiederlande
Servet YardimciTürkei
Andrea AgnelliECA (Klubs)
Nasser Al-KhelaifiECA (Klubs)
Lars-Christer OlssonEL (Ligen)

Stand: 30.03.2021, 14:34

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