Reform der Champions League: Entscheidung am Mittwoch

Die Trophäe der Champions League

UEFA-Exekutive

Reform der Champions League: Entscheidung am Mittwoch

Von Chaled Nahar

Das Exekutivkomitee der UEFA wird nach Informationen der Sportschau am Mittwoch über die Reform der Champions League ab 2024 abstimmen. Unterdessen gibt es wachsenden Widerstand gegen Teile der Pläne. 

Bei der Generalversammlung des Ligaverbandes European Leagues, die am Freitag (26.03.2021) stattfand, wurde der 31. März als Tag der Entscheidung über die Reform der Champions League ab 2024 genannt. Die UEFA bestätigte den Termin auf Anfrage nicht.

Mittlerweile haben mindestens zehn Nationalverbände der UEFA ihre Bedenken zu dem Reformvorschlag mitgeteilt, wie die Sportschau aus Verhandlungskreisen erfuhr. Darunter ist mit England einer der großen vier Verbände dabei. Deutschland, Italien und Spanien haben demzufolge noch keinen Standpunkt an die UEFA übermittelt. Mit den Niederlanden, Belgien und Russland sind aber drei weitere Verbände aus den Top Ten der sogenannten Fünf-Jahres-Wertung dabei.

Drei Streitpunkte werden noch diskutiert

Die zehn Verbände, die der UEFA eine Rückmeldung gaben, teilen grundsätzlich die Einwände des Ligaverbandes European Leagues, dem auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) angehört. Der Ligaverband streitet mit der UEFA und der einflussreichen Klubvereinigung ECA, die vornehmlich für die Interessen der großen Klubs eintritt, vor allem noch um drei Punkte:

  1. Termine: Der Vorschlag der UEFA sieht das sogenannte "Schweizer Modell" statt des bislang bekannten Gruppensystems in der Vorrunde vor. Dem Modus stimmen die meisten Beteiligten zu. Aber dem Vorschlag zufolge würde es zehn Vorrundenspiele pro Klub und eine Playoff-Runde vor dem Achtelfinale geben. Die Zahl der europäischen Termine würde dadurch drastisch steigen. Das wird beispielsweise in England kritisch gesehen, wo die Premier League 20 Klubs mit 38 Spieltagen hat und mit dem Ligapokal neben dem FA-Cup ein zweiter Pokalwettbewerb ausgetragen wird. In Deutschland gibt es Bedenken um den Erhalt der Winterpause in ihrer aktuellen Form. Die Ligen sorgen sich auch darum, dass das Fernsehgeld vermehrt im Europapokal und weniger in die nationalen Ligen investiert werden könnte. Möglicher Kompromiss: Das Format ist flexibel und auch mit acht Vorrundenspielen pro Team möglich.
  2. Wer mitspielt: In der Champions League sollen künftig 36 statt bislang 32 Teams spielen. Die UEFA und die ECA wollen einen der vier zusätzlichen Plätze an Frankreichs Ligue 1 vergeben, die dann drei feste Plätze in der Gruppenphase hätte - darüber herrscht Einigkeit. Die anderen drei Plätze sind dagegen umstritten. UEFA und ECA wollen zwei oder drei der Startplätze teilweise an die Position von Klubs in einer Zehn-Jahres-Rangliste koppeln - ein Rettungsnetz für schwächelnde Großklubs. Der Ligaverband fordert dagegen drei weitere nationale Meister als Teilnehmer in der Champions League. Möglicher Kompromiss: Nur einer oder zwei Plätze werden an die Rangliste gekoppelt.
  3. Geld: Die European Leagues sehen in der Geldverteilung in der Champions League den Hauptgrund dafür, dass die Ligen langweiliger werden. Viele Ligen haben absolute Dauermeister wie Bayern München, Paris Saint-Germain oder Juventus Turin entwickelt. Deshalb fordern die European Leagues eine Verdopplung der Zahlungen an die Klubs, die nicht am europäischen Wettbewerb teilnehmen. Derzeit sind es vier Prozent der Gesamteinnahmen, die in kleinen Teilen beispielsweise an Mainz 05, Werder Bremen oder den 1. FC Köln gehen. Die UEFA bot in ihrem Vorschlag nur einen Erhalt der vier Prozent an. Möglicher Kompromiss: Rückkehr zur Regelung früherer Tage von fünf Prozent.

Modus soll bis 2033 gelten

Die UEFA legt die Rahmenbedingungen der Europapokalwettbewerbe stets für drei Jahre fest. Der sportliche Modus für 2021 bis 2024 steht bereits, dann wird die UEFA Europa Conference League als dritter Wettbewerb eingeführt. Die nun beratschlagte Reform ist ab der Saison 2024/25 vorgesehen und soll Informationen der Sportschau zufolge aber für drei Zyklen - also neun Jahre - bis 2033 gelten.

Die Geldverteilung wird ebenfalls in einem Drei-Jahres-Zyklus festgelegt. Doch derzeit stehen bei den Finanzen noch nicht mal die Regeln für 2021 bis 2024 fest. Einige Klubs und Ligen äußerten zuletzt die Sorge, dass eine Festlegung auf den sportlichen Modus wertvollen Verhandlungsspielraum beim Geld kosten wird. Zudem gibt es seit Jahren Kritik an der ungleichen Verteilung zwischen Champions League und Europa League.

UEFA-Klubwettbewerbe - Einnahmen der teilnehmenden Klubs (in Euro)
SaisonChampions League (32 Teams)Europa League (48 Teams + 8 Absteiger)
2010/11754.100.000150.360.000
2011/12754.100.000150.360.000
2012/13904.600.000209.000.000
2013/14904.600.000209.000.000
2014/15987.900.000239.750.000
2015/161.295.258.000411.155.000
2016/171.315.343.000423.188.000
2017/181.335.669.000428.813.000
2018/191.931.474.000559.214.117
2019/20noch nicht veröffentlichtnoch nicht veröffentlicht

Viel Kritik gibt es an der Reform von Fans. Sowohl Bündnisse in Europa als auch in Deutschland positionierten sich klar gegen die Reformen. Auch organsierte Fans von Bayern München und Borussia Dortmund sprachen sich gegen die Pläne aus, die ihre Klubführungen dagegen im Grundsatz öffentlich befürworten. 

UEFA-Exekutivkomitee entscheidet 

Die UEFA-Administration legt am Ende den ausverhandelten Vorschlag dem Exekutivkomitee zur Entscheidung vor. Erwartungsgemäß wird kein Konzept auf den Tisch kommen, das nicht mehrheitsfähig ist. 18 Menschen sitzen im Exekutivkomitee. Fünf von ihnen gehören den Verbänden an, die sich den Bedenken der European Leagues grundsätzlich angeschlossen haben. Hinzu kommt der Präsident der European Leagues, Lars-Christer Olsson.

Auch der deutsche Fußball hat einen Mann im Exekutivkomitee sitzen: DFB-Vizepräsident Rainer Koch. Seine Haltung zum Thema ist allerdings unklar. Die UEFA hatte eine Konferenz mit den Mitgliedsverbänden, darunter der DFB. Zumindest die DFL hat sich nach Informationen der Sportschau weitgehend der Position der European Leagues angeschlossen, verfügt aber über kein eigenes Stimmrecht.

UEFA-Exekutivkomitee
PersonVerband/Funktion
Aleksander CeferinUEFA-Präsident
Karl-Erik NilssonSchweden
Sandor CsanyiUngarn
Fernando GomesPortugal
Luis RubialesSpanien
David GillEngland
Zbigniew BoniekPolen
Armand DukaAlbanien
Florence HardouinFrankreich
Rainer KochDeutschland
Jesper MöllerDänemark
Andrii PavelkoUkraine
Davor SukerKroatien
Michael van PraagNiederlande
Servet YardimciTürkei
Andrea AgnelliECA (Klubs)
Nasser Al-KhelaifiECA (Klubs)
Lars-Christer OlssonEL (Ligen)

Stand: 26.03.2021, 15:34

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