Champions League bald in neuem System?

Der Einlauf der Mannschaften (Dortmund & Arsenal, 2010)

UEFA plant Reform

Champions League bald in neuem System?

Die Champions League wird angeblich reformiert: Die UEFA soll mit einem komplett neuen Vorrunden-Modus ab 2024 liebäugeln.

Der Plan klingt revolutionär. Dass die Champions League ab der Saison 2024/25 nach einem neuen Modus spielen wird, galt bereits als sicher. Nun allerdings sickert durch, welche Änderungen die Europäische Fußball-Union (UEFA) für ihre Gelddruckmaschine favorisiert.

Wichtigster Punkt: Der Modus mit acht Vorrundengruppen zu je vier Mannschaften wird abgeschafft, an seine Stelle tritt ein reichlich kurios anmutendes Liga-System. Nach Informationen der englischen Tageszeitung "The Times" sollen nach dem Ablauf der geltenden Fernsehverträge weiter 32 Mannschaften am wichtigsten der künftig dann drei europäischen Wettbewerbe teilnehmen.

Aber: Ab 2024 soll jeder Klub zunächst zehn Spiele gegen zehn zugeloste Gegner bestreiten - anhand der daraus errechneten Tabelle ziehen die Teams auf den Plätzen eins bis 16 ins Achtelfinale ein, die Klubs auf den Rängen 17 bis 24 nehmen an der K.o.-Runde der Europa League teil.

Zehn garantierte Spiele

Der Vorteil des sogenannten "Schweizer Systems": Statt wie bisher sechs bekommt jeder Klub zehn Spiele garantiert. Und die Bedeutung dieser Spiele nimmt zu. In der K.o.-Runde träfe der Tabellen-Erste auf den Tabellen-Sechzehnten, der Zweite auf den Fünfzehnten und so weiter.

Aleksander Ceferin: "Politiker in Europa müssen optimistischer sein" Sportschau 13.10.2020 01:16 Min. Verfügbar bis 13.10.2021 Das Erste

Offen ist, ob es dabei Hin- und Rückspiele geben wird oder nur ein Duell, bei dem die besser platzierte Mannschaft der Vorrunde Heimrecht genießt. Letzteres würde den überfüllten Spielplan nicht weiter aufblähen.

Vier Gruppen mit je acht Mannschaften abgelehnt

Dieser neue Vorschlag habe im Gegensatz zu den bisherigen Plänen "realistischere Chancen" auf Zustimmung, sagte Lars Christer Olsson, Präsident der Vereinigung der europäischen Fußball-Ligen (EPFL), der "Times".

Keine Mehrheit hatte es bei den 29 Mitgliedsverbänden für eine Vorrunde in vier Gruppen mit je acht Mannschaften gegeben - jede Mannschaft wäre damit auf garantierte 14 Spiele gekommen, die "Großen" hätten jedoch mehr Spiele gegen "Kleine" bestreiten müssen.

Die UEFA wollte am Mittwoch (02.12.2020) auf Anfrage des Sport-Informationsdienstes (sid) nicht näher auf den angeblich favorisierten Vorschlag eingehen. Sie teilte mit, dass "umfangreiche Konsultationen durchgeführt werden", aber "noch keine Entscheidungen getroffen" wurden.

Drohkulisse Superliga

Allerdings darf es als gesichert gelten, dass die Konsultationen bei der UEFA stets vor der immer mal wieder aufgebauten Drohkulisse einer Superliga geführt werden, in der die großen europäischen Klubs am liebsten unter sich wären. Olsson sagte der "Times", Ziel der UEFA sei es, "die Zugangsliste zu allen europäischen Wettbewerben zu schützen und sicherzustellen". Es sei darauf zu achten, "dass die Kluft in der finanziellen Verteilung zwischen Champions League, Europa League und Europa Conference League nicht größer wird". Der letztgenannte Wettbewerb wird zur Saison 2021/22 vor allem für die kleinen Nationen und wenige Klubs aus den Topligen eingeführt.

Fraglich ist, wie die Pläne der UEFA bei den Vereinen ankommen. So beschwert sich Liverpools Trainer Jürgen Klopp schon länger über den zu eng getakteten Spielplan seiner Mannschaft. Sollten die Reformpläne tatsächlich konkret werden, würde jedes Team zehn statt wie bisher sechs Gruppenspiele in der Königsklasse bestreiten. Allerdings haben Trainer auch nur sehr geringen Einfluss auf Entscheidungen von Klubs, gerade wenn Investoren hinter denen stecken.

sid/dpa/red | Stand: 02.12.2020, 15:02

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