Wie der DFB deutsche Trainer besser machen möchte

Julian Nagelsmann, Marco Rose

"Projekt Zukunft"

Wie der DFB deutsche Trainer besser machen möchte

Von Marcus Bark

Die vier deutschen Mannschften in der Champions League werden von einem deutschen Trainer geführt. Es gibt auch Jürgen Klopp und Thomas Tuchel. Aber um bald wieder bessere Talente auszubilden, sieht der DFB auch bei den Trainern Nachholbedarf. Im "Projekt Zukunft" nimmt die Trainerentwicklung eine sehr wichtige Rolle ein.

Für Borussia Mönchengladbach stand am Mittwoch (24.02.2021) die derzeit größtmögliche Herausforderung im Vereinsfußball an. Manchester City, souveräner Tabellenführer in der englischen Premier League, hatte die vergangenen 18 Spiele in verschiedenen Wettbewerben gewonnen, und auch der 19. Sieg gelang.

Beim 2:0 in Budapest zeigten die Citizens dem Bundesligisten klar die Grenzen auf. Marco Rose war machtlos, der Favorit mit seinen so selbstbewussten wie ballsicheren Spielern unter Anleitung von Pep Guardiola werden im Achtelfinale der Champions League auch im Rückspiel kaum zu stoppen sein.

"Wir sollten nicht so vermessen sein, davon zu reden, was uns noch Hoffnung macht", sagte Rose, der weiter im Blickpunkt stehen wird, wenn er sich wieder mit etwa gleichwertigen Gegnern messen muss.

Klopp, Nagelsmann, Tuchel, Löw

Marco Rose wird in der Saison 2021/22 Borussia Dortmund trainieren, den Verein mit noch höheren Ansprüchen. Er ist trotz der schwierigen Wochen zuletzt einer der deutschen Trainer mit bestem Ruf. Zwei weitere sind Jürgen Klopp und Julian Nagelsmann, die sich mit dem FC Liverpool und RB Leipzig im direkten Achtelfinal-Duell gegenüberstehen.

Warum musste Flick erst 53 Jahre alt werden?

Auch Thomas Tuchel vom FC Chelsea gehört in diese Riege, viele würden auch Ralf Rangnick dazu zählen. Joachim Löws Ruf litt in den vergangenen Jahren national, aber er führte Deutschland vom Rumpelfußball zur Weltmeisterschaft 2014. An seiner Seite war Hansi Flick, der den FC Bayern in schwieriger Phase übernahm und seitdem sechs Titel gewann.

Das ist eine überragende Leistung, sie zieht allerdings auch die Frage nach sich, warum Flick erst 53 Jahre alt werden musste, um im Dezember 2019 als Cheftrainer auf die große Bühne zu treten.

Zehn von 18 Bundesligisten vertrauen derzeit einem deutschen Trainer, darunter die vier Teilnehmer der Champions League. Die Staatsbürgerschaft ist bei der Qualität von Fußballtrainern nicht von Relevanz, mögliche Sprachbarrieren könnten hingegen eine Rolle bei der Auswahl spielen. Einflüsse von Trainern aus anderen Ländern können sehr belebend sein. Aber eine Zunahme von ausländischen Trainern in der Bundesliga ist auch ein Indikator dafür, dass in anderen Nationen etwas besser gemacht wird.

Vor zehn Jahren noch 16 deutsche Trainer in der Bundesliga

Am letzten Spieltag der Bundesligasaison 2015/16 war das Verhältnis bei elf deutschen zu sieben ausländischen ähnlich wie heute. Nochmal fünf Jahre früher waren am letzten Spieltag allerdings nur zwei ausländische Trainer für einen der 18 Klubs tätig.

In der aktuellen Saison verpflichtete der 1. FSV Mainz 05 den Dänen Bo Svensson, nachdem er die Deutschen Achim Beierlorzer und Jan-Moritz Lichte beurlaubt hatte. Der FC Schalke 04 trennte sich von David Wagner (auch US-Staatsbürger, aber Fußballlehrer-Lizenz vom DFB) und Manuel Baum, um den 66 Jahre alten Schweizer Christian Gross zu verpflichten, der zuvor sechs Jahre lang in Saudi-Arabien und Ägypten trainiert hatte.

EIn Schweizer, ein US-Amerikaner, ein Niederländer und ein Österreicher im Gespräch

Als Nachfolger von Rose in Gladbach werden Gross' Landsmann Gerardo Seoane von den Young Boys aus Bern, der Niederländer Erik ten Hag von Ajax Amsterdam und Jesse Marsch hoch gehandelt. Der US-Amerikaner folgte bei RB Salzburg auf Rose.

Mit Adi Hütter, derzeit bei Eintracht Frankfurt, soll auch ein Österreicher mit Salzburger Vergangenheit zur Auswahl stehen. Ihm könnte, auch dieses Gerücht hält die Küche parat, Seoane gegebenenfalls in Frankfurt folgen.

Hype nahm schnell ab

Aus dem Rennen scheint Florian Kohfeldt zu sein. Der Trainer von Werder Bremen wurde sogar mal als Kandidat in Dortmund gehandelt. Um den jungen, eloquenten Fußballlehrer war mal ein Hype entstanden, der inzwischen deutlich abnahm. Ähnlich war es bei Domenico Tedesco, beim FC Schalke 04 zunächst sehr erfolgreich. Dass er den Fußballlehrer-Lehrgang mit der Note 1,0 als Jahrgangsbester 2016 abschloss, brachte ihm in der Phase des Misserfolgs Spott statt Anerkennung ein.

Oliver Bierhoff zum Projekt Zukunft: "Wir haben weniger Talente" Sportschau 07.02.2021 Verfügbar bis 07.02.2022 Das Erste

Der Lehrgang, der aktuell noch bis zum Sommer läuft und dann wegen der sich noch im Bau befindlichen Akademie des Deutschen Fußball-Bundes für eine Periode ausgesetzt wird, ist inzwischen anders aufgebaut als zu Zeiten von Tedesco.

Reformen beim Fußballlehrer-Lehrgang

Schon vor der Corona-Pandemie war damit begonnen worden, verstärkt auf digitales Lernen zu setzen. So soll den Trainern, die meistens schon einen Job im Profibereich haben, mehr Zeit mit der eigenen Mannschaft gegeben werden. Weniger Präsenz in der Sportschule und künftig an der Akademie, dafür mehr Praxis, ist eine der Reformen, die vom DFB angestoßen wurden.

Dessen Direktor Oliver Bierhoff hatte beim Bundestag des Verbandes 2019 eingestanden: "Wir haben in den vergangenen Jahren zu ähnliche Trainertypen ausgebildet." Ähnlich wie bei den jungen Spielern, die zu früh in eine bestimmte Richtung gelenkt wurden, ist dadurch Vielfalt und Individualität verloren gegangen.

Christian Eichner, Trainer des Zweitligisten Karlsruher SC, sprach mit der Sportschau in einem ausführlichen Interview über die Reformen, die er selbst im 2020 abgeschlossenen Fußballlehrer-Lehrgang erlebte.

"Es wurde an den Stellen reduziert, die du vielleicht in einer tagtäglichen Trainerarbeit nicht zwingend immer brauchst, also was beispielsweise Medizin oder Ernährung anbelangt", so Eichner. Dafür gebe es in den Stäben Spezialisten, der Cheftrainer könne sich somit mehr auf das Erlernen seines Kerngeschäfts konzentrieren.

KSC-Trainer Christian Eichner über das "Projekt Zukunft" des DFB Sportschau 23.02.2021 16:08 Min. Verfügbar bis 23.02.2022 Das Erste

Im "Projekt Zukunft", das der DFB zusammen mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) entwickelt und bis zur Veröffentlichung noch weiter berät, ist die "Trainer*innen-Enwicklung" das erste von "vier Handlungsfeldern rund um den Spieler im Zentrum". In dem Grobkonzept, das der Sportschau vorliegt, heißt es: "Der/die Trainer*in ist der Schlüssel zum Spieler." Der Mangel an außergewöhnlichen Talenten für die kommenden Jahre ist vom DFB längst erkannt und zugegeben worden. Mit besseren Trainern soll er möglichst schnell behoben werden.

Ständige Begleitung für den Chef durch einen TEC

Ein wesentlicher Punkt in dem Konzept "Projekt Zukunft" ist die "Implementierung von Trainerentwickler*innen in den Clubs (TECs)". Sie sollen von den einzelnen Vereinen ernannt oder angestellt werden, um mit den vorhandenen Trainern, vor allem dem Chef, zu reflektieren, zu analysieren, zu diskutieren. So soll eine dauernde Weiterbildung gewährleistet sein.

"Heiße Kiste"

Lutz Hangartner, der Präsident des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) nennt den Plan mit TECs eine "heiße Kiste". Bei den Bundesligaklubs, die finanziell gut ausgestattet seien, würde er sie begrüßen, damit es "immer wieder dieses Mentoring gibt", gleichwohl: "Manche werden das wollen, manche werden sagen 'Ich mach mein Ding.'"

Für Christian Eichner dürfte sich kaum etwas ändern, so denn Edmund "Ede" Becker beim KSC zum TEC ernannt würde. Der ehemalige Cheftrainer der Karlsruher leitet seit gut zehn Jahren das Nachwuchsleistungszentrum und ist auch ohne Vorgabe des DFB "so eine Art Mentor" von Eichner. Der Austausch sei sehr hilfreich, weil Becker "selber nicht mehr diese Ambitionen hat, nochmal in so ein Amt reinzugehen". Das könnte bei anderen TECs anders sein.

Stand: 24.02.2021, 23:59

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