Champions League - Tuchels PSG droht Waterloo

Thomas Tuchel, Trainer von Paris St. Germain, zieht die Mundwinkel nach unten

Beim SSC Neapel

Champions League - Tuchels PSG droht Waterloo

In der Liga ist Paris Saint-Germain bislang unschlagbar. Doch in der Champions League zittert Frankreichs Spitzenmannschaft vor dem Gruppenspiel beim SSC Neapel um den Einzug ins Achtelfinale.

Zwölf Spiele, zwölf Siege: In der französischen Ligue 1 ist Thomas Tuchel mit Paris Saint-Germain das Nonplusultra. Doch das ist mit dem Starensemble um Neymar und Weltmeister Kylian Mbappé aus Sicht des Vereins eher eine Selbstverständlichkeit. Für die katarischen Klubbesitzer um Nasser al-Khelaifi zählt im Grunde nur der Gewinn der Champions League. Doch dort droht schon das Aus in der Gruppenphase, was einem sportlichen Waterloo gleichkäme.

Am Scheideweg

Überzeugend war eigentlich nur das 6:1 daheim gegen den schwachen Gruppenletzten Roter Stern Belgrad. Der Auftakt in die Königsklasse ging mit 2:3 beim FC Liverpool verloren. In der bislang letzten Partie beim 2:2 gegen den SSC Neapel rettete Angel Di Maria erst in der Nachspielzeit noch einen Punkt. Und so steht Paris in der Gruppe C nur auf dem dritten Platz - und vor der Partie heute in Neapel schon am Scheideweg.

Teamgeist ist gefragt

Bei einer Niederlage hätte Paris vier Punkte Rückstand auf den zweiten Platz. Ein Aus in der Gruppenphase der Königsklasse dürften die Scheichs ihrem Trainer wohl kaum verzeihen. Tuchels Ansammlung hochklassiger Individualisten muss in Italien bestehen, auch auf internationaler Ebene endlich einmal als Gemeinschaft, als Team. Mit einem launigen Spruch hat Tuchel offenbar ein Problem seines Ensembles beschrieben: "Wir haben sicher die besten Musiker Europas und vielleicht der Welt, aber das reicht nicht, wir müssen ein Orchester werden."

Dazu wollen jedoch die Disziplinlosigkeiten im Umfeld nicht passen, die immer wieder Unruhe heraufbeschwören. So erschien Mbappé zuletzt zu spät zu einer Mannschaftsbesprechung. Marco Verratti fand sich gar in Polizeigewahrsam wieder, weil er betrunken Auto gefahren war.

Ancelotti: "Geht nicht nur um Qualität"

Neapels Trainer Carlo Ancelotti auf einer Pressekonferenz

Carlo Ancelotti

Ein weiteres Problem mag auch sein, dass der neureiche Klub in der Königsklasse zuletzt stets im Achtel- oder Viertelfinale scheiterte. Neapels Trainer Carlo Ancelotti, von 2012 bis 2013 selbst Coach an der Seine, legte den Finger in diese Wunde: "Es geht nicht nur um Qualität, sondern um Erfahrung. Paris hatte keine Erfahrung in den wichtigen Momenten der Champions League."

Fünf Spielsysteme auf Lager

Mangelnde Erfahrung all dieser Superstars wie Edson Cavani kann aber kaum dafür verantwortlich sein, dass Tuchels Truppe nicht sonderlich souverän agiert, wenn der Widerstand auf internationaler Ebene größer wird als in der heimischen Liga. Sechs Gegentore hat sich Paris in den bisherigen drei Gruppenspielen schon gefangen. Überfordert Taktik-Tüftler Tuchel etwa sein Team? Vier weitere Spielsysteme hat er ihm vermittelt, nachdem PSG jahrelang im 4-3-3 agierte.

Gut möglich aber auch, dass den Parisern die letzte Konsequenz und Konzentration auf internationaler Ebene fehlt, weil sie in der heimischen Liga kaum gefordert werden und fast nie an ihre Grenzen gehen müssen. Gegen Neapel sollte es ihnen nun gelingen, den Schalter konsequent umzulegen. Sonst stehen ungemütliche Zeiten bevor.

red/sid/dpa | Stand: 06.11.2018, 08:30

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