Olympique Lyon - Schicksalsspiel bei RB Leipzig

Lyons Trainer Sylvinho steht gegen Leipzig unter Druck

Champions League, 2. Spieltag

Olympique Lyon - Schicksalsspiel bei RB Leipzig

Von Johannes Doerfert

Sieben Spiele ohne Sieg und nur Platz elf in der Liga: Für Olympique Lyons Trainer Sylvinho ist das Vorrunden-Duell in der Champions League gegen RB Leipzig am Mittwochabend ein Endspiel.

Die 58. Minute im letzten Ligaspiel gegen Nantes stand sinnbildlich für die bisherige Saison von Olympique Lyon: Linksverteidiger Marçal versuchte, im eigenen Strafraum einen Ball zu klären und lupfte diesen dabei so unglücklich über Torwart Anthony Lopes, dass jegliche Hilfe zu spät kam. 0:1, das siebte Pflichtspiel in Folge ohne Sieg, Stillstand auf dem elften Tabellenplatz.

Der brasilianische Trainer Sylvinho verliert im Südosten Frankreichs an Kredit und steht vor einer richtungsweisenden Woche: Wie Lyons Präsident Jean-Michel Aulas der "L’Equipe" sagte, werde er die Zukunft des Trainers von den Spielen gegen RB Leipzig und St.-Étienne abhängig machen – Mannschaft und Trainer stehen unter Druck.

Einbruch nach starkem Saisonstart

Dabei hatte zu Beginn der Saison alles so vielversprechend ausgesehen: Sylvinho, als Spieler unter anderem für Manchester City und den FC Barcelona aktiv, wurde auf Empfehlung seines brasilianischen Landsmannes Juninho als Trainer nach Lyon gelotst. Juninho, Vereinslegende und Fan-Liebling, sollte als Sportdirektor die Zukunft des Vereins prägen. Die Vision: ein brasilianisches Traumduo als Erfolgskoordinatoren, kreativ und kombinationsstark.

Und das Duo lieferte Leistungen ab. Den Saisonauftakt in Monaco gewann Lyon mit 3:0, im anschließenden Heimspiel fertigten "Les Gones" den SCO Angers mit 6:0 ab. Doch dann brach Sylvinhos Mannschaft ein: In der Liga gab es drei knappe 0:1-Niederlagen und drei Unentschieden, auch in der Champions League kam man gegen Zenit St. Petersburg nicht über ein 1:1 hinaus.

Viel Qualität, wenig Effizienz

Dabei ist der Kader von Olympique Lyon gespickt mit starken Spielern. Anthony Lopes aus Portugal ist ein sicherer Schlussmann, der 21-jährige Houssem Aouar ein umworbener und kreativer Mittelfeldspieler. Und in der Offensive wirbeln mit Memphis Depay und Moussa Dembélé zwei Stürmer, die in der vergangenen Saison zusammen an 57 Toren beteiligt waren. Dennoch dümpelt die Mannschaft nach acht Spielen mit nur neun Punkten im Mittelfeld der Ligue-1-Tabelle herum.

Das Spiel gegen Nantes zeigte, woran es Lyon aktuell besonders mangelt: an Kaltschnäuzigkeit. Olympique ließ zahlreiche Großchancen liegen, die illustre Stürmerriege scheiterte aus allen Lagen. Gegen das defensivstarke RB Leipzig wird die Effizienz entscheidend sein.

Ohne Kapitän nach Leipzig

Im wichtigen Spiel heute Abend wird Lyon allerdings auf seinen Kapitän verzichten müssen: Der belgische Innenverteidiger Jason Denayer fällt wegen einer Verletzung aus dem Nantes-Spiel aus. Auch Rechtsaußen Maxwell Cornet steht nicht zur Verfügung.

Nachdem Sylvinho seine Startelf gegen Nantes zuletzt auf sechs Positionen geändert hatte, könnten gegen Leipzig wieder einige neue Spieler in die Anfangsformation rutschen. Für sie gilt es dann, ihre Chance zu nutzen – damit Lyon im nächsten Jahr nicht zum ersten Mal seit 25 Jahren in einem europäischen Wettbewerb fehlt.

Lyons zu erwartende Aufstellung:
Lopes – Koné, Marcelo, Andersen, Tete – Aouar, Thiago Mendes, Reine-Adélaïde – Depay, Dembélé, Traoré.

Stand: 02.10.2019, 08:30

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