Charakterstarke TSG rettet sich spät

Hoffenheim bejubelt den Ausgleich von Pavel Kaderabek

Olympique Lyon - TSG Hoffenheim 2:2 (2:0)

Charakterstarke TSG rettet sich spät

Von Julian Tilders

Wie im Hinspiel hält sich die TSG Hoffenheim durch einen späten Ausgleich so gerade eben im Rennen um die K.o.-Runde der Champions League. Die Nagelsmann-Elf zeigt Willensstärke und erkämpft sich einen Punkt in Unterzahl.

Im französischen Dauerregen von Lyon startete Hoffenheim vor etwa 55.000 Zuschauern ambitioniert in die Partie. "Wir werden wieder offensiv auftreten", hatte TSG-Trainer Julian Nagelsmann vor dem Spiel versprochen - und stellte eine Sturmreihe bestehend aus Ishak Belfodil, Joelinton und Andrej Kramaric auf. Mit Offensivkraft zum Sieg, so der Plan. Florian Grillitsch spielte alleine auf der Sechserposition, Kerem Demirbay agierte eher auf der Acht.

Die verständliche Wahl einer offensiven Ausrichtung barg allerdings auch Risiken. Es kam zur etwas glücklichen Führung für Lyon durch den wieder fitten Offensivmotor Nabil Fekir (19. Spielminute), der den dritten Versuch einer ganzen Serie von Schüssen und Abprallern im Sechzehner schließlich eiskalt unten links im Tor von TSG-Torwart Oliver Baumann versenkte. Nagelsmann bilanzierte: "Wir hatten gute 20 Minuten zu Beginn des Spiels, haben uns danach aber einlullen lassen. Der Gegner kam zu einfach zu Chancen. Wichtig ist, dass man nach Ballverlusten ins Pressing kommt - da hatte Lyon zu oft zu viel Zeit."

Wenig später hatte Belfodil, dem nach einer Ecke der Ball vor die Füße fiel, weniger Abschlussglück und Lyons Schlussmann Anthony Lopes parierte aus kurzer Distanz (24.). Es war die bislang größte Chance für die Gäste.

TSG unbedarft, Ndombelé darf seelenruhig einschieben

Olympique erhöhte noch vor der Halbzeit durch Tanguy Ndombelé auf 2:0 (28.), riss dadurch binnen zehn Minuten das gesamte Spielgeschehen an sich. Hoffenheim legte eine gewisse Unbedarftheit an den Tag, niemand hatte in der Rückwärtsbewegung zum völlig frei stehenden Ndombelé aufgeschlossen.

Hoffenheim rettet sich in der Nachspielzeit

Sportschau | 07.11.2018 | 00:33 Min.

Das Spiel wurde fahriger, es fehlte die Präzision im Kurzpassspiel, Hoffenheim wusste sich nur noch über lange Bälle zu helfen.

Willensleistung wird belohnt: Déjà-vu für Lyon

In Hälfte zwei musste die Nagelsmann-Elf direkt wieder einen ungeplanten Tiefschlag wegstecken. Kasim Adams sah nach erneutem Foulspiel seine zweite Gelbe Karte und musste den Platz verlassen (51.). Im Zweikampf mit dem blitzschnellen, technisch versierten Fekir hatte der junge Innenverteidiger sich nur noch mit einem Foul helfen können.

Die Spielanteile verschoben sich zunächst zugunsten von Lyon, doch dann markierte nach hervorragender Balleroberung von Nico Schulz TSG-Stürmer Kramaric den psychologisch wichtigen Anschlusstreffer quasi aus dem Nichts (65.).

Lyon nicht konsequent genug

In der Folge zeigte Hoffenheim Charakterstärke und biss sich zurück ins Spielgeschehen. Allerdings blieben die Lücken für die agile Olympique-Offensivabteilung weiterhin groß. Lyon strahlte kontinuierlich durch Gegenstöße Gefahr aus, Baumann hielt seine Mannschaft im Spiel. Aber Olympique ließ die nötige Konsequenz bei den zahlreichen Kontermöglichkeiten vermissen. Lyons Präsident Jean-Michel Aulas sah dies mit Besorgnis: "Unseren Spielern fehlt es an Selbstvertrauen. Wir haben aufgehört, zu spielen."

Und das rächte sich: Wie im Hinspiel gelang in der Nachspiel der Ausgleich - ein Déjà-vu für die Franzosen. Pavel Kaderabek netzte nach einem von Joelinton per Kopf auf den zweiten Pfosten verlängerten Freistoß zum 2:2 (90.+2) ein. Durch das Unentschieden wahrt Hoffenheim den letzten Funken Hoffnung im Kampf um das Achtelfinale der Königsklasse.

"Wir glauben dran"

Ermin Bicakcic beschwörte nach Spielende trotz überschaubarer Aussichten auf die K.o.-Runde den Glauben an die eigene Stärke: "Solange es möglich ist, glauben wir daran und geben Vollgas. Ansonsten wäre ich kein Fußballer geworden. Wir haben noch zwei Spiele." Sein Trainer wusste um die Bedeutung, die dieser eine Zähler möglicherweise noch haben kann. "Dass das ein glücklicher Punkt für uns ist, ist klar - aber so ist das manchmal", schätzte Nagelsmann den Punktgewinn wert.

Statistik

Fußball · Champions League · 4. Spieltag 2018/2019

Mittwoch, 07.11.2018 | 21.00 Uhr

Wappen Olympique Lyon

Olympique Lyon

Lopes – Marcelo, Morel, Denayer – Rafael, Mendy – Ndombelé (88. Cheikh), Tousart, Aouar – Depay (87. B. Traoré), Fekir (74. Dembele)

2
Wappen 1899 Hoffenheim

1899 Hoffenheim

Baumann – Adams Nuhu, Vogt, Bicakcic – Kaderabek, Grillitsch (57. Nelson), N. Schulz – Demirbay (79. Nordtveit), Kramaric – Belfodil (67. Szalai), Joelinton

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Fekir (20.)
  • 2:0 Ndombelé (28.)
  • 2:1 Kramaric (65.)
  • 2:2 Kaderabek (90.)

Strafen:

  • gelbe Karte Denayer (1 )
  • gelbrote Karte Adams Nuhu (51./Wiederholtes Foulspiel)
  • gelbe Karte Grillitsch (2 )
  • gelbe Karte Bicakcic (1 )
  • gelbe Karte Vogt (1 )
  • gelbe Karte Joelinton (1 )
  • gelbe Karte Morel (1 )

Zuschauer:

  • 53.850

Schiedsrichter:

  • Danny Makkelie (Niederlande)

Stand: Mittwoch, 07.11.2018, 22:56 Uhr

Stand: 07.11.2018, 23:15

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