Red Bull Salzburg startet voller Vorfreude

Salzburgs Spieler Zlatko Junuzovic in Aktion.

Champions League

Red Bull Salzburg startet voller Vorfreude

Von Frank Hellmann

Elfmal ist Red Bull Salzburg kurz vor der Eingangspforte zur "Königsklasse" gescheitert. Nun ist Österreichs Dauermeister endlich auf direktem Weg für die Gruppenphase qualifiziert und freut sich auf das Champ
ions-League-Heimdebüt gegen Genk.

Die Gruppenphase war noch gar nicht ausgelost, da meldete der FC Red Bull Salzburg in Sachen Champions League bereits ausverkauft. Der Run auf die 29.500 Tickets für die einst zur EM 2008 erbaute Arena in der Gemeinde Wals-Siezenheim am Stadtrand von Salzburg für den Dreierpack gegen KRC Genk, SSC Neapel und FC Liverpool war nur allzu verständlich.

Elf vergebliche Anläufe liegen hinter dem Dauermeister aus der Mozartstadt, der seine nationale Vormachtstellung beinahe Jahr für Jahr durch eine aberwitzig anmutende Serie von Pleiten, Pech und Pannen in den Qualifikations- oder Playoff-Spielen zur "Königsklasse" konterkarierte.

Junuzovic kann es kaum erwarten

Fast schien es, als würden irgendwann höhere Mächte etwas dagegen haben, dass die "Roten Bullen" aus Salzburg in diesem Wettbewerb mitspielen. "Ich war in den Playoffs ja nur einmal dabei, 2018 gegen Roter Stern Belgrad. Bitterer als da kannst du gar nicht ausscheiden", erinnerte sich der im Vorjahr von Werder Bremen zurück in die österreichische Bundesliga gewechselte Zlatko Junuzovic im Interview mit dem "Kicker":  "Nach einem unspektakulären 0:0 auswärts führen wir zuhause 2:0, haben 28:4 Torschüsse - und kriegen binnen einer Minute zwei Gegentore. Da denkst du schon: Was für ein Wahnsinn!"

Doch längst hat auch den 31-jährigen Routinier eine fast schon eruptive Freude ergriffen, endlich, endlich in der Champions League spielen zu dürfen. Mit Werder war ihm das nie vergönnt, als er zwischen 2012 und 2018 das grün-weiße Trikot trug. Das Heimdebüt gegen Genk (Dienstag 21 Uhr) ist in aller Munde, ehe das Auswärtsspiel in Liverpool folgt (02.10.2019). Erst der Titelträger aus Belgien in vertrauter Umgebung, dann der Titelverteidiger aus England mit dem Erlebnis Anfield Road. Besser geht es nicht.

Endlich wieder Euphorie

Autor Michael Unverdorben von den "Salzburger Nachrichten" hält in seinem Standpunkt fest: "Bevor der erste Pass gespielt und das erste Tor erzielt wurde, dürfen sich die Salzburger schon als Gewinner fühlen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil man in Stadt und Land eine Fußballeuphorie ausgelöst hat, wie sie der Verein, seit er Red Bull Salzburg heißt (seit 14 Jahren, Anm. d. Red.) noch nie erlebt hat." Kurios: Weil der Zuschauerschnitt im österreichischen Liga-Alltag in den vergangenen fünf Jahren unter 10.000 lag, gab es Planspiele, die Arena zurückzubauen. Gut, dass solche Pläne nicht umgesetzt wurden.

Erstmals seit dem 11. Dezember 2013 findet wieder ein Champions-League-Spiel auf österreichischem Boden statt. Damals hatte Austria Wien im Ernst-Happel-Stadion noch Zenit St. Petersburg zu Gast und gewann mit 4:1. Auch jetzt wäre ein Sieg des Meisters und Pokalsiegers keine Sensation, denn Genk kommt in der heimischen Liga nicht in Tritt. Um in der schwierigen Gruppe das Minimalziel mit dem Überwintern in der Europa League zu erreichen, "müssen wir gewinnen", sagt Trainer Jesse Marsch, der die "beste Leistung in dieser Saison" von seinen Spielern einfordert.

Lobe für US-Trainer Marsch

Dabei hat der US-Amerikaner die junge Mannschaft nach einem großen Umbruch - mit Trainer Marco Rose (Borussia Mönchengladbach) ging ein halbes Dutzend Stammspieler - oft genug schon ans Limit geführt. Unter dem 45-Jährigen gelang es in Windeseile, die neuen Spieler zu integrieren und die Mannschaft für den Kurs zu begeistern. So haben die Salzburger alle neun Pflichtspiele gewonnen, dabei nur zweimal weniger als fünf Tore erzielt. Zuletzt gab es ein turbulentes 7:2 gegen den TSV Hartberg.

Cheftrainer von RB Salzburg Jesse Marsch während einer Pressekonferenz.

Jesse Marsch

Unangefochten steht Salzburg mit seiner wilden Herangehensweise wieder an der Tabellenspitze. "Jesse ist sehr authentisch, offen  - und enorm kommunikativ", lobt Junuzovic den Rose-Nachfolger, der zuvor als Co-Trainer unter Ralf Rangnick bei RB Leipzig gearbeitet hatte. Hohes Tempo, intensives Pressing, schnelle Umschaltaktionen: Salzburg steht für den typischen Red-Bull-Stil. Die Zusammensetzung des Kaders macht es möglich.

Halaand macht auf sich aufmerksam

Mit dem französischen U21-Nationalspieler Antoine Bernede (20), dem ungarischen Toptalent Dominik Szoboslai (18), dem malischen Offensivmann Sekou Koita (19) und vor allem dem norwegischen Topstürmer Erling Haaland (19) hat Marsch eine Rasselbande beisammen, die noch für Furore sorgen könnte. Vor allem der 1,94 Meter große Halaand erfährt in Austria höchste Lobpreisung. "Für mich geht ein Kindheitstraum in Erfüllung. Genau solche Tage habe ich mir als kleiner Junge immer herbeigewünscht."

Elf Liga-Tore hat der vergangenen Winter bei Molde BK entdeckte Angreifer erzielt, den bei anhaltender Entwicklung wohl bald die größeren Klubs im Ausland ins Visier nehmen werden. Dazu würde ein starker Auftritt gegen Genk vermutlich schon reichen: Rund 50 Scouts von allen Spitzenklubs Europas haben sich am heutigen Abend in Salzburg angesagt.

Stand: 17.09.2019, 11:21

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