Viel Solidarität mit Istanbul Basaksehir

WDR 2 - Feuerherdt über Rassismus im Fußball

Sportschau 09.12.2020 04:03 Min. Verfügbar bis 09.12.2021 ARD


Rassismus-Eklat in Paris

Viel Solidarität mit Istanbul Basaksehir

Nach dem Rassismus-Eklat in Paris erfährt das Team von Istanbul Basaksehir jede Menge Solidarität. Die UEFA ist nun in Erklärungsnot.

Spieler aus Paris und Istanbul diskutieren mit dem Schiedrichter

Spieler aus Paris und Istanbul diskutieren mit dem Schiedrichter

Neymar, Kylian Mbappé, Thilo Kehrer - in den Stunden nach dem abgebrochenen Champions-League-Spiel gegen Istanbul Basaksehir zeigten sich die Fußball-Profis von Paris Saint-Germain auch im Internet solidarisch. "Diskriminierung hat keinen Platz. Nicht im Fußball, nicht auf der Welt", schrieb Nationalspieler Kehrer auf Instagram, Neymar veröffentlichte ein "Black lives matter" ("Schwarze Leben zählen") und von Mbappé hieß es: "Say no to Racism. M. Webo we are with you" ("Wir sind bei dir"). Nachdem das Team von Trainer Thomas Tuchel wie die Gegner das Feld verlassen und ein deutliches Signal gegen Rassismus gesetzt hatte, bewiesen die Pariser auch danach Haltung.

Warum das nötig war? Der Assistenztrainer der Gäste, der frühere kamerunische Nationalspieler Pierre Webó, hatte in der ersten Halbzeit die Rote Karte gesehen, dabei soll es zu einer rassistischen Beleidigung durch den Vierten Offiziellen gekommen sein. Sebastian Coltescu wurde vorgeworfen, eine rassistische Formulierung für Schwarze benutzt zu haben. Der Ausdruck "ala negru" war im leeren Prinzenpark-Stadion während der TV-Übertragung deutlich zu hören. Coltescu beschrieb Webó also mittels seiner Hautfarbe und nannte ihn nicht etwa bei seinem Namen oder seiner Funktion als Assistenztrainer.

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"Gründliche Untersuchung"

Die Partie wurde schließlich beim Stand von 0:0 abgebrochen und soll an diesem Mittwoch (18.55 Uhr) fortgesetzt werden. Die Europäische Fußball-Union teilte am späten Dienstagabend mit, dass das komplette Schiedsrichter-Team ausgetauscht werde. Der Dachverband kündigte eine "gründliche Untersuchung" an. Durch das 3:2 von RB Leipzig gegen Manchester United ist Paris sicher im Achtelfinale, kann die Sachsen aber noch von Platz eins der Gruppe verdrängen.

Der rumänische Fußballverband (FRF) drohte bereits mit Konsequenzen, sollten sich die Anschuldigungen bewahrheiten.

Skandal in der Champions League - Rassismusvorwurf bei Paris gegen Basaksehir

Sportschau 09.12.2020 01:16 Min. Verfügbar bis 09.12.2021 ARD Von Stefanie Markert


"Eine historische Entscheidung"

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte "die rassistische Aussage gegenüber Pierre Webó" und teilte via Twitter mit: "Wir sind bedingungslos gegen Rassismus und Diskriminierung im Sport und in allen Lebensbereichen."

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Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu lobte das Verhalten der Profis beider Teams. "Heute Abend haben Sportler, Athleten eine historische Entscheidung getroffen gegenüber einer Einstellung, die sie als inakzeptabel beurteilt haben", schrieb die Ministerin am späten Dienstagabend bei Twitter. Sie warte die Ergebnisse der Untersuchung ab: "Aber ich kann die starke Symbolik ihrer Geste und ihrer Solidarität nur begrüßen." Auch der französische Regierungssprecher Gabriel Attal lobte die Solidarität der Spieler: "Jeglicher Rassismus ist nicht hinnehmbar", sagte er.

Reaktionen auf Rassismus-Vorfall in der Champions League

Sportschau 09.12.2020 02:54 Min. Verfügbar bis 09.12.2021 ARD Von Stefanie Markert


Tausende bekunden ihre Solidarität

Webó, der frühere Hoffenheimer Demba Ba und andere waren anschließend zu hören, wie sie lautstark darauf hinwiesen, dass die Schiedsrichter bei einem weißen Spieler auch nicht "der Weiße" gesagt hätten, um diesen zu identifizieren. Basaksehir twitterte sofort nach dem Vorfall das Logo der UEFA-Kampagne "No to Racism - Respect". In den sozialen Netzwerken bekundeten Tausende ihre Solidarität, auch Vereine aus der Bundesliga positionierten sich gegen Rassismus.

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RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann bekam die Vorfälle im Parallelspiel zunächst nur am Rande mit. Er habe während der Partie gegen Manchester United (3:2) zunächst nur gehört, dass es "um Beleidigungen geht", sagte er: "Das verurteile ich aufs Schärfste. Wir leben in einer bunten Gesellschaft, das ist auch gut so, so etwas sollte nicht passieren, nicht auf dem Fußballplatz und auch sonst nirgendwo."

"Zeichen für Europa"

Das "Fare"-Netzwerk gegen Diskriminierung sieht in den Ereignissen beim Champions-League-Spiel in Paris ein wichtiges Signal im Kampf gegen Rassismus. "Dass Basaksehir und PSG zusammen das Spielfeld verlassen haben, setzt ein Zeichen in Europa", sagte der Geschäftsführer Piara Powar. Viele Fußballprofis seien halbherzige Maßnahmen gegen Rassismus leid und mehr denn je gewillt, bei Vorfällen selbst ein Spiel zu unterbrechen.

Der Verein Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) hat den Spielabbruch als "gutes Signal" bezeichnet. "Es zeigt deutlich, dass es ganz viele Menschen gerade auch im Profifußball gibt, die sich gegen solche Äußerungen, gegen solche rassistischen Äußerungen stellen und auch da ganz klar machen, dass das mit ihnen nicht zu machen ist und dann natürlich auch das Spiel abgebrochen wird", sagte ISD-Sprecher Tahir Della.

sid/dpa | Stand: 09.12.2020, 08:00

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