Pro und Contra - Soll das Finalturnier in der Champions League eine Zukunft haben?

Pro und Contra zur Fortführung der UEFA-Finalturniere

Königsklasse im K.o.-System

Pro und Contra - Soll das Finalturnier in der Champions League eine Zukunft haben?

Trotz Covid-19 sind die Champions League und die Europa League ausgespielt worden. Die Finalturniere in Lissabon und NRW stoßen allerdings auf ein geteiltes Echo. Robby Hunke und Marcus Bark über Argumente für und gegen eine Wiederholung des neuen Systems an einem Ort und im K.o.-Modus.

Pro - So haben auch die Kleinen mal eine Chance | von Robby Hunke

Die Champions League wurde von der UEFA aus wirtschaftlichen Gründen ins Leben gerufen. Der Wettbewerb hat den Fußball verändert. Verkürzt gesagt werden die reichen Vereine in Europa immer reicher. Und die kleineren Klubs immer chancenloser. Wenn sich im Herbst beispielsweise der FC Bayern durch zwei Partien gegen Vereine wie Roter Stern Belgrad quälen muss, steht der Sieger eigentlich schon fest. Doch solche Spiele sichern halt das TV-Geld.

Doch dann kam das Coronavirus und legte auch den Fußball lahm - und die Funktionäre waren zum Umdenken gezwungen. Am Ende waren die Geld-Sammler in Nyon froh, dass der Wettbewerb überhaupt weiterging. Hauptsache zu Ende spielen. Finanzielle Schadensbegrenzung.

Doch was daraus entstand, ist interessant und erfrischend. Ein K.o.-Modus. Keine Chance mehr, im Rückspiel etwas zu korrigieren. Weniger Planbarkeit für die Großen. Plötzlich klopfte mit Olympique Lyon ein Team im Halbfinale an, das nach einem Hin- und Rückspiel eher nicht an der Schwelle zum Finale gestanden hätte.

Obwohl mit den Fans das emotional wohl Wichtigste fehlt, wurden zwei Essenzen offensichtlich, die wir in diesem Wettbewerb lange vermisst hatten: Glück und Tagesform.

Dazu ein Turnier-Gefühl. Ich möchte bei diesen europäischen Geisterspielen, die vor allem für das Fernsehen produziert werden, nicht unbedingt von Euphorie reden. Aber nach Gesprächen mit Spielern habe ich festgestellt, dass auch sie ein gewisses "WM-Feeling" verspürt haben.

Manchmal sind weniger Spiele wertvoller. Fühlten wir zuvor nicht alle eine gewisse Fußball-Sättigung?

Vor Covid-19 konnte man theoretisch jeden Tag irgendein Fußballspiel live sehen. Das Virus hat alles ausgebremst. Vielleicht zur rechten Zeit.

Weniger ist mehr.  Das ist zumindest meine Erkenntnis, nachdem das Leben, wie wir es kannten, weitestgehend still stand. Auch wenn das bedeutet: weniger Einnahmen für den Verband, für die Vereine, für die freien Sportjournalisten und am Ende auch für die Spieler. Aber vielleicht ist das der Weg, der uns den Fußball wieder emotional näher bringt. Duelle mit Hin-und Rückspiel kommen mir jetzt jedenfalls schon oldschool und irgendwie 2019 vor.

Contra - Treue Fans werden ausgeschlossen | von Marcus Bark

Die Mannschaften von Manchester United und dem FC Kopenhagen vor dem Europa League Viertelfinale in Köln

Lasst den Fußball doch mal zur Ruhe kommen! Videoassistent, Nations League, aufgeplusterte Turniere, Handspielregel, irgendwas mit Europa League 2 - es reicht mit Änderungen, die selbst hartgesottene Fußballfans häufig nicht mehr verstehen.

Deshalb bitte keinen K.o.-Modus in nur einem Spiel schon ab Viertelfinale in Champions und Europa League.

Es geht nicht in erster Linie darum, Änderungen zu verhindern. Das viel gewichtigere Argument gegen eine weitere Reform ist der Fußballfan selbst, und zwar der reisende, nicht der vor dem Fernsehen hockende. In NRW und Portugal ist er wegen der Pandemie ausgeschlossen. Daher ist das Format für die Ausnahmesituation okay. Aber schon im kommenden Frühjahr sind hoffentlich wieder die Stadien voll, die Fans dürfen ihren Vereinen hoffentlich wieder nachreisen.

Bei einem Turnier im "Corona-Modus“ müssten sie spätestens nach dem Achtelfinale Urlaub einreichen, mindestens eine Woche, eher mehr, denn wer will schon bei einem möglichen Finale fehlen? Die Flug- und Übernachtungspreise (siehe Kiew beim Finale der Champions League 2018) sind jetzt schon horrend, manche Austragungsorte (siehe Baku beim Finale der Europa League 2019) absurd. Die Reform wäre eine Zumutung für die Fans, die im modernen Fußball ohnehin schon viele Rückschläge einstecken mussten.

Die Euphorie über den aktuellen Modus, die jetzt etwa bei Bayern Münchens Vorstandsvorsitzendem Karl-Heinz Rummenigge durchklang, ist zudem verfrüht. Nur weil einmal etwas gefiel, muss es noch lange nicht dauerhaft begeistern. Der Reiz ginge verloren.

Es ist auch vieles nicht zu Ende gedacht. Welche Städte und Regionen fielen als Austragungsorte raus, weil sie die Anforderungen, zum Beispiel an Hotelkapazitäten, nicht erfüllen können? Wenn die Fans wieder da sind, sollen dann eine Woche lang Hubschrauber über einer Stadt kreisen, weil die Sicherheitsbehörden meinen, wilde Horden fallen ein?

Außerdem, um einen sportlichen Aspekt zu nennen, zeigt die Geschichte, dass die magischen Nächte des Europapokals häufig in Rückspielen durchlebt werden. Das 4:0 des FC Liverpool gegen den FC Barcelona nach einer 0:3-Niederlage im Hinspiel sei als jüngstes Beispiel aufgeführt.

Zwei Mannschaften, ein Spiel, maximal 120 Minuten, vielleicht noch ein Elfmeterschießen. Dieser Thrill ist im Europapokal bewusst nur für das Finale vorgesehen. Auch das hat sich bewährt. Lasst es so, wie es ist.

Es ist in den vergangenen Jahren schon genug am Fußball herumgedoktert worden. Auch zum Schaden des Fußballs. Es muss sich in diesem Sport einiges ändern, aber sicher nicht bei Formaten.

Stand: 21.08.2020, 09:28

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