Barcelonas historisches Aus und die wirtschaftlichen Folgen

FC Barcelonas Abwehrspieler Clement Lenglet, Ronald Araujo, Gerard Piqué (von links)

Fußball | Champions League

Barcelonas historisches Aus und die wirtschaftlichen Folgen

Von Jens Mickler

Das vorzeitige Aus in der Champions League ist der nächste Tiefschlag für den FC Barcelona. Neben dem Prestigeverlust gehen dem Fußball-Großklub dadurch eingeplante Einnahmen verloren.

Nach dem historischen Ausscheiden in der Champions League, dem ersten seit der Saison 2003/04, stimmte Barcelonas sonst so wortgewaltiger Präsident Joan Laporta sanfte Töne an und beschwor die Einheit seines strauchelnden Klubs.

"Wir müssen jetzt mehr denn je zusammenrücken. Die Spieler haben alles versucht, aber es war nicht mehr möglich. Wir sind traurig, müssen jetzt aber weitermachen", sagte der Barca-Boss dem spanischen Sender "TV3". Er wolle jetzt die Lage in Ruhe mit Trainer Xavi Hernandez analysieren, ließ Laporta die Zuschauer noch wissen.

FC Bayern siegt, Barcelona fliegt: Die Audio-Highlights

Sportschau 08.12.2021 03:36 Min. Verfügbar bis 08.12.2022 ARD Von Taufig Khalil /Edgar Endres /Philipp Eger


FC Barcelona: Trainer Xavi

Nachdenklich: Trainer Xavi

Auch der neue Coach, der das Amt in Barcelona erst Anfang November von Ronald Koeman übernommen hatte, zeigte sich schwer getroffen von der Niederlage. "Es tut weh. Es ist eine harte, sehr traurige Situation", sagte der 41-Jährige nach dem 0:3 zum Abschluss der Gruppenphase beim FC Bayern München. Xavi beschönigte nichts. "Bayern ist ein besseres Team als wir jetzt gerade. Das ist die harte Wahrheit." Er fange nun mit seinem Team "bei Null" an, sagte Xavi weiter.

Müller: "Können Intensität nicht mitgehen"

Erstmals seit der Saison 2000/2001 überwintern die Katalanen nicht in der Königsklasse, sondern spielen nun - ebenfalls zum ersten Mal in ihrer Vereinshistorie - in der Europa League weiter. Eine sportliche Entwicklung des großen Klubs, die für Bayerns Nationalspieler Thomas Müller nicht von ungefähr kommt. "Technisch und taktisch, wenn man sich die Mannschaft mal anschaut, sind das ja alles super Spieler", sagte Müller: "Aber ich habe das Gefühl, dass sie die Intensität, die momentan im Fußball herrscht, einfach nicht mitgehen können."

Vor allem in der Offensive fehlte den Spaniern Durchschlagskraft. Insgesamt sprechen zwei erzielte Tore in sechs Gruppenspielen eine deutliche Sprache. Auch in München lief Barcelonas Ball ganz ansehnlich durch die eigenen Reihen, Gefahr konnten sie aber nur selten entwickeln, der Strafraum des FC Bayern war quasi eine Tabuzone.

Die harte Realität Barcelonas lässt sich noch weiter fassen. Die spanische Zeitung "Marca" hat die Schlappe in München zum Anlass genommen, die zehn heftigsten Niederlagen des Klubs der vergangenen fünf Jahre in der Champions League aufzulisten.

Barcelonas schwerste Champions-League-Niederlagen seit 2016
SpielzeitPaarungEndstand
2016/17Paris St. Germain - FC Barcelona4:0
2016/17Juventus Turin - FC Barcelona3:0
2017/18AS Roma - FC Barcelona3:0
2018/19FC Liverpool - FC Barcelona4:0
2019/20FC Bayern - FC Barcelona8:2
2020/21FC Barcelona - Juventus Turin0:3
2020/21FC Barcelona - Paris St. Germain1:4
2021/22FC Barcelona - FC Bayern0:3
2021/22Benfica Lissabon - FC Barcelona3:0
2021/22FC Bayern - FC Barcelona3:0

Höhere Einnahmen waren eingeplant

Mit der sportlichen Misere verschärft sich mit dem Champions-League-Aus auch die wirtschaftliche Situation für den hoch verschuldeten Klub. Das Erreichen des Viertelfinales war fest eingeplant worden, auch um Finanzmittel für mögliche Wintertransfers zur Verfügung zu haben. Mehr als 20 Millionen Euro (9,6 Mio. Euro für Erreichen des Achtelfinales, 10,6 Mio. Euro für Errreichen des Viertelfinals) an Prämien hätte die UEFA an Barcelona überwiesen, die jetzt aber fehlen.

Zum Vergleich: Die Bayern haben bereits 78,54 Millionen Euro dank ihrer sechs Siege in der Vorrunde in dieser Champions-League-Saison eingespielt. Barcelona kommt gerade einmal auf 22,1 Mio (Antrittsprämie sowie Siegpämien).

Europa-League-Sieg würde 22 Millionen Euro bringen

Auffangen könnte der FC Barcelona den Verlust mit dem Gewinn der Europa League. Das würde bei einem Finalsieg rund 22 Millionen Euro in die leeren Kassen des Klubs spülen. Darauf spekuliert allerdings auch die Konkurrenz im Wettbewerb, beispielsweise Borussia Dortmund, RB Leipzig oder der FC Sevilla.

Stand: 09.12.2021, 13:52

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