Erster Spieltag

Champions League - Milliardenspiele für den Geldadel

Frank Hellmann

Mehr als zwei Milliarden Euro werden in der Champions League ausgeschüttet. Den meisten Reibach machen die Vereine, die so gut wie immer dabei sind. Kritiker bemängeln eine zunehmende Ungleichheit.

International blicken Real Madrid und Bayern München nicht auf die erfolgreichste Spielzeit zurück. Die Königlichen, immerhin mit 13 Titeln Rekordsieger der Champions League, zuletzt drei Mal von 2016 bis 2018, verabschiedeten sich zuletzt aus dem Wettbewerb genauso im Achtelfinale wie der deutsche Rekordmeister.

Ajax Amsterdam und der FC Liverpool stellten für die beiden Edelmarken die Stoppschilder auf, und die Wehklagen über die sportliche Demütigung der Topklubs klangen danach gewaltig. Nur: Aufs wirtschaftliche Ergebnis hat das unbefriedigende Abschneiden kaum Auswirkungen gehabt.

Umsatz steuert bei Real auf eine Milliarde zu

Bevor Real Madrid mit dem Gruppenkracher bei Paris St. Germain (Mittwoch 21 Uhr) wieder die internationale Bühne betritt, gab Präsident Florentino Perez neue Rekordzahlen bekannt: 38,4 Millionen Euro Reingewinn, mehr als eine halbe Milliarde Euro Vereinsvermögen, ein Etat von 822 Millionen für 2019/2020.

Nicht minder imposant die kurz zuvor publizierten Zahlen der Bayern, die mit einem Heimspiel gegen Roter Stern Belgrad (Mittwoch 21 Uhr, Live-Ticker bei sportschau.de) beginnen: 750 Millionen Rekordumsatz, noch einmal fast 100 Millionen mehr als im Vorjahr. "Wir haben letztes Jahr ein tolles Jahr gehabt", sagte Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen.

Eine neue Zehn-Jahres-Wertung zählt

Beide Klubs zählen zu den Dauerbrennern in der am Dienstag (17.09.19) beginnenden Champions League. Und das wird seit der vergangenen Saison auch üppig belohnt. Die UEFA verteilt mittlerweile 1,95 Milliarden Euro unter seinen 32 Teilnehmern. Die Erlösmodelle sichern das Establishment im Grunde gegen jede Eindringlinge ab.

Ein Viertel machen die Startgelder aus, die pro Klub bei 15,25 Millionen Euro liegen. 30 Prozent der Gelder werden als leistungsabhängige Prämien ausgeschüttet. Ein Sieg in der Gruppenphase ist 2,7 Millionen Euro wert, der Einzug ins Achtelfinale 9,5 Millionen. Dieselbe Summe, stolze 585 Millionen, geht als Bonuszahlungen nach einer UEFA-Zehnjahreswertung an immer dieselben Klubs. Motto: Wer schon erfolgreich war, wird noch reicher.

Kritiker Pangl ist Anwalt der Kleinen

"Mit dem aktuellen Modus wird das Aufgehen der Schere zwischen den wenigen Spitzenklubs sowie dem übergroßen Rest mit rund 700 Klubs in Europa weiter gefördert", kritisiert der ehemalige CEO der österreichischen Bundesliga, Georg Pangl, der als Generalsekretär der European Leagues Anwalt der kleineren Verbände ist. Den 54-Jährigen stört vor allem die Geldverteilung, die sich von Zyklus zu Zyklus zuvorderst für die Großen verbessert hat.

Pangl hat ausgerechnet, dass die von 1992 bis 2018 in der Champions League verteilten 15 Milliarden zur Hälfte an die damals wie heute größten Vereine gingen, zu denen auch der FC Bayern und Borussia Dortmund zählen. Obwohl der BVB in der Vorsaison im Achtelfinale gegen den späteren Finalisten Tottenham Hotspur ausschied, schöpfte der einzige börsennotierte Bundesligist 77 Millionen ab. Das Meiste davon über UEFA-Prämien (36,5), den Rest kam über Bonuszahlungen (22,2), Marktpool (10,0) und Ticketverkäufe (8,0) zustande.

Unfassbare Dynamik im Markt

Ein Wunder, dass Ajax Amsterdam mit einem vergleichsweise bescheidenen Budget im Vorjahr fast den Sprung ins Finale geschafft hätte. Denn spätestens im Frühjahr sind die Superreichen eigentlich unter sich, die über die mächtige Europäische Klubvereinigung ECA mit den Drohungen einer Abspaltung und Gründung einer Super League die Dachorganisation UEFA derart eingeschüchtert haben, dass diese die große Unwucht zugunsten der Global Player fördert.

Möglich machen es die exorbitanten Vermarktungserlöse der Königsklasse: 2001/2002 kamen 522 Millionen Euro zu Verteilung. 2009/2010 waren es bereits 754 Millionen, 2015/2016 brach die Milliarden-Schallmauer, in der Vorsaison fiel die Zwei-Milliarden-Grenze.

Pangl ist erzürnt, dass die von 2018 bis 2024 zur Verteilung stehenden zwölf Milliarden wieder zu 60 Prozent an die Top 14 fließen. "Das bedeutet in sechs Jahren genauso viel wie zuvor in 26 Jahren. Eine unfassbare Dynamik, die die UEFA als Regierungsbehörde auf Druck der Topklubs zulässt." Ihm graust davor, sollte ab 2024 mit der nächsten Reform womöglich in Achtergruppen gespielt werden. Die Zahl der Champions-League-Spiele würde sich damit verdoppeln.

Auch Klopp übt Kritik

Noch ist hier keine Entscheidung gefallen, aber die ersten an die Öffentlichkeit gelangten Pläne ließen nicht viel Gutes erwarten, wenn ein System erschaffen wird, dass das Abschneiden in den heimischen Ligen konterkariert. Selbst Jürgen Klopp vom Champions-League-Gewinner FC Liverpool wendet sich gegen ein geschlossenes System. "Warum sollten wir ein Setz-System schaffen, bei dem zehn Jahre in Folge Liverpool gegen Real Madrid zu sehen ist. Wer will das jedes Jahr sehen?", fragte der deutsche Erfolgsgarant auf der Trainerbank der "Reds".

Vielleicht brauchen es die Klubbosse zur gesicherten Refinanzierung ihrer Luxuskader? ECA-Boss Andrea Agnelli (Juventus Turin) versuchte sich zuletzt in Beschwichtigung, dass die ganz radikale Variante nicht käme. Noch ist keine Entscheidung gefallen. UEFA-Chef Aleksander Ceferin versichert stets, dass es eine Super League unter seiner Regie nicht geben werde.

Fakt ist: Das internationale Geschäft beeinflusst bereits jetzt massiv den nationalen Wettbewerb. Die Europapokalteilnehmer enteilen vielerorts dem Rest der Konkurrenz. Pangl hat dafür eine einfache Erklärung: "Die Erträge aus dem Verkauf der Champions-League-Rechte weisen bis zu zehnfach höhere Steigerungsraten auf als die der heimischen Liga."