RB Leipzig: Nicht mehr viel übrig von der einst besten Defensive der Bundesliga

RB Leipzig kassiert sechs Gegentor in Manchester 01:28 Min. Verfügbar bis 16.09.2022

Fußball | Champions League

RB Leipzig: Nicht mehr viel übrig von der einst besten Defensive der Bundesliga

Vergangene Saison stellte RB Leipzig die beste Defensive der Fußball-Bundesliga. Nun gab es ein 3:6 gegen ManCity und ein 1:4 gegen Bayern München - zehn Gegentore in zwei Partien. Was ist los bei RB?

3:6 bei Manchester City gestern (15.09.2021), drei Tage zuvor ein 1:4 gegen Bayern München. In der Bundesliga in vier Partien dreimal verloren - Fußball-Bundesligist RB Leipzig befindet sich "einen Schritt vor der Krise" ("kicker").

Zehn Gegentore in zwei Partien sind heftig. Auch wenn es mit ManCity und dem deutschen Abo-Meister Konkurrenz aus dem allerhöchsten Regal war. Da kann man man verlieren, aber mit so vielen Gegentoren?

RB-Trainer Jesse Marsch nach dem 3:6: "Das ist das Leben" 01:43 Min. Verfügbar bis 16.09.2022

Marsch sieht "indivuelle Fehler"

Trainer Jesse Marsch sah "zu viele Gegentore durch individuelle Fehler". Eine Erklärung, die bei einzelnen Szenen passt, aber insgesamt zu kurz greift. Viele Spieler in der Defensive sind von der Bestform weit entfernt.

Neues Abwehr-Duo: Bank und neun Minuten

Josko Gvardiol

Der personelle Aderlass mit den französischen Innenverteidiger-Schränken Ibrahima Konaté (FC Liverpool) und Dayot Upamecano (Bayern München) sollte mit den Abwehr-Juwelen Mohamed Simakan (21/Racing Straßburg) und Josko Gvardiol (19/Dinamo Zagreb) kompensiert werden. Dieser Prozess hat gerade erst begonnen. Gegen ManCity saß Simakan auf der Bank und EM-Teilnehmer Gvardiol bekam neun Minuten Spielzeit.

Keiner mit Bestform in der Abwehr

Gabriel Jesus jubelt nach Treffer Sechs für Man City.

Ohne die Landsmänner Konaté und Upamecano scheint auch Nordi Mukiele weit von seiner Bestform entfernt zu sein. Daran ändert auch dessen erste Berufung zur französischen Nationalmannschaft nichts. Auch der deutsche Nationalspieler Lukas Klostermann kämpft um seine Form, ebenso wie die beiden Ungarn Willi Orban und Peter Gulacsi. Beide waren noch in der Vorsaison, als RB die beste Defensive der Bundesliga stellte, eminent wichtige Faktoren.

Bei den ersten Toren der "Skyblues" patzten Mukiele, Orban und Klostermann. Angelino, der mit neuer Frisur an alter Wirkungsstätte einen Neustart in die Saison versprach, sah in Halbzeit zwei Gelb-Rot. Zwei weitere deutsche Nationalspieler, Marcel Halstenberg und Benjamin Henrichs, spielen kaum eine Rolle. Die Defensive hat aktuell ein Qualitätsproblem.

"Zuviel Respekt"

Der neue Trainer Jesse Marsch, mit dem RB-Chef Oliver Mintzlaff trotz des Nagelsmann-Abgangs die Entwicklung des Vereins auf die nächste Stufe stellen wollte, hatte im Vorfeld des Bayern-Spiels davon gesprochen, dass die Partie für sein Team vielleicht zu früh kommen könnte. Und wurde dafür kritisiert. Nach dem Manchester-Auftritt sagte er: "Wir haben dieses Team so sehr respektiert, vielleicht zu sehr. Wir konnten den Matchplan nicht so umsetzen, wie wir wollten. Vielleicht war der Moment ein bisschen zu groß."

RB-Leipzig-Experte Thomas Kunze: "Ein paar Wochen hat Jesse Marsch noch"

02:11 Min. Verfügbar bis 16.09.2022


Tafelsilber zuletzt verloren

Mit Upamecano, Konaté, dazu Kapitän Marcel Sabitzer und Trainer Julian Nagelsmann (beide Bayern München) hat RB Leipzig nach Timo Werner (FC Chelsea) im Vorjahr viel an Tafelsilber abgegeben. Auf diesem Niveau ist das in kurzer Zeit nicht zu kompensieren.

Sabitzer war einer, der das Anlaufen organisierte. Auch im defensiven Mittelfeld hakt es. Der US-Amerikaner Tyler Adams agierte in Manchester schwach und war oft nicht auf der Höhe. Er gilt als einer der Lieblingsschüler von Landsmann Jesse Marsch.

Diskussion über Taktik

Jack Grealish von Manchester City erzielt das vierte Tor für seine Mannschaft.

Dessen "back to the roots"-Taktik mit aggressivem Pressing wird nach Informationen der "Sport-Bild" in Teilen der Mannschaft kritisch gesehen. So lange da die Rädchen noch nicht ineinander greifen, wünscht man sich mehr Ballbesitz-Elemente wie unter Nagelsmann. Auch Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann hatte im "SpiO-Talk" vor dem Bayern-Spiel gesagt: "Wenn du Titel gewinnen willst, musst du in der Lage sein, mit Ball Spiele zu kontrollieren. Da haben sie sich unter Nagelsmann weiterentwickelt. Wenn du über 34 Spiele Erfolg haben willst, dann kannst du nicht über 34 Spiele Vollgas spielen." Marsch müsse da einen Mittelweg finden. MDR-Reporter Thomas Kunze, der vom Spiel für die ARD-Hörfunkwellen live berichtete, sagt: "Statik und Balance sind das große Thema Und die Mannschaft muss verstehen, was Jesse Marsch gegen den Ball sehen will. Gestern konnte ManCity entweder Kurzpässe- oder Diagonalpässe spielen, um das System auszuhebeln."

Marsch: Brauchen Siege und Selbstvertrauen

Erstmals verlor RB bei der vierten Champions-League-Teilnahme zum Auftakt. Aber nicht nur das: "Diese Mannschaft hat nie so einen schwierigen Start in den letzten Jahren gehabt", sagte Marsch und gab eine gewisse Verunsicherung zu: '"Es ist ein bisschen normal, wenn eine Mannschaft nicht immer die richtigen Ergebnisse kriegt und sich die Belohnung nicht holt. Wir müssen uns endlich belohnen. Wir brauchen auf dem Platz Selbstvertrauen."

Letzte zehn Pflichtspiele: Sieben Pleiten

Das Belohnen blieb bei RB zuletzt immer mehr aus. Die Bilanz in die vergangenen zehn Pflichtspiele ist die keines Spitzenteams: Da gab es ganze zwei Siege und ein Remis - bei sieben Pleiten. Am Samstagabend (18:30 Uhr/90-Minuten-Audiostream in der SpiO-App) geht es zum 1. FC Köln. Diesmal also kein bestens besetztes Star-Ensemble als Gegner, aber ein Verein, bei dem der neue Trainer Steffen Baumgart jede Menge frischen Wind gebracht hat. Keine leichte Aufgabe, aber auch keine, die zu vielen Gegentoren führen muss. Jesse Marsch will Köln "einen großen Kampf" liefern.

Christian Kerber

MDR | Stand: 16.09.2021, 21:49

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