Marko Marin - Wandervogel im Rampenlicht

Champions League

Marko Marin - Wandervogel im Rampenlicht

Von Jens Mickler

Mit zwei Geistesblitzen trug Marko Marin zum überraschenden Sieg seines Klubs Roter Stern Belgrad in der Champions League gegen den FC Liverpool bei. Schlagzeilen produzierte Marin in seiner Karriere hauptsächlich deshalb, weil er so oft den Verein wechselte.

Marin (li.) jubelt mit MIlan Pavkov

Marin (li.) jubelt mit MIlan Pavkov

Die 22. Minute im Rajko-Mitic-Stadion zu Belgrad: Marko Marin legt sich den Ball an der rechten Eckfahne zurecht. Seine Ecke fliegt wunderschön genau auf den Kopf von Milan Pavkov. Der Roter-Stern-Stürmer hämmert den Ball mit voller Wucht an Torwart Alisson vorbei zum 1:0 ins Tor.

Sieben Minuten später: Marin schaltet am schnellsten, als die Liverpooler im Mittelfeld einen ungenauen Ball spielen. Der Deutsche leitet das Leder direkt weiter auf Milan Pavkov, der schüttelt noch ein paar Gegenspieler ab - und trifft wieder. Die 50.000 Belgrader Fans flippen aus.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Reise über Europas Spielfelder

In der 64. Minute wird Marin ausgewechselt, später sieht man den 1,70 Meter großen Dribbler mit den blonden Haaren und den markanten Gesichtzügen, die ein wenig an Weltfußballer Luka Modric erinnern, wie er im Kreise seiner Mannschaft den fast sensationellen Sieg gegen den "großen" FC Liverpool feiert.

Marko Marin (Mi.) im Spiel gegen den FC Liverpool

Marko Marin (Mi.) im Spiel gegen den FC Liverpool

Marko Marin ist an den entscheidenden Szenen eines Spiels in der Champions League beteiligt - nach einer solch positiven Wendung seiner ungewöhnlichen Reise über die Spielfelder Europas sah es lange nicht aus.

"German Messi" kommt ins Trudeln

Marin zählte einst zu den größten Talenten des deutschen Fußballs. Im Jahr 2008 holte ihn Bundestrainer Joachim Löw ins deutsche Nationalteam, 2010 nahm er an der Weltmeisterschaft in Südafrika teil. Als "German Messi" feierte ihn damals die englische Presse - ein Vergleich, dem der nicht standhalten konnte.

Im Gegenteil: Marin half in den vergangenen Jahren eifrig mit, dass ihm das Etikett des "Fußball-Wandervogels" anheftete. Seit seinem Wechsel von Werder Bremen zum FC Chelsea packte der heute 29-Jährige Jahr für Jahr seine Koffer und zog von Klub zu Klub weiter. Es ging über den FC Sevilla und den AC Florenz zum RSC Anderlecht und dann zu Trabzonspor.

"Es liegt noch soviel vor mir"

In der Türkei avancierte er zum Publikumsliebling und wäre gerne geblieben, doch es gab Probleme mit den Gehaltszahlungen. Also ging es weiter zu Olympiakos Piräus. Marins Name tauchte erstmals in der Champions League auf, aber auch in Griechenland gab es Ärger mit den Finanzen. Marin musste wieder weiterziehen. Der gebürtige Bosnier - Marin stammt aus Gradika im Norden Bosniens - heuerte in der serbischen Hauptstadt an.

Marko Marin

Mit dem FC Chelsea holte Marin die Europa League, später mit dem FC Sevilla noch einmal.

Ob es nicht ein Abstieg sei vom deutschen Nationalspieler zum Wanderprofi, wurde Marin vor zwei Jahren einmal gefragt. "Überhaupt nicht", antwortete dieser, "ich habe bis jetzt eine sehr schöne Karriere gehabt mit vielen tollen Momenten auch abseits des Platzes. Und es liegt noch soviel vor mir!"

Ein Schnäppchen für Roter Stern

Kürzlich tauchte Marko Marins Name wieder auf, als Werder Bremen den Niederländer Davy Klaassen verpflichtete. Bis dahin war nämlich Marin teuerster Einkauf Werders gewesen. Die Bremer hatten 2009 rund acht Millionen Euro Ablöse an Borussia Mönchengladbach überwiesen.

Die Belgrader sollen im Sommer hingegen nur noch 700.000 Euro an Piräus gezahlt haben. Wenn man den jüngsten Champions-League-Auftritt Marins betrachtet, scheint sich diese Investition gelohnt zu haben.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, 6.11., 22.50 Uhr

Stand: 07.11.2018, 11:14

Darstellung: