Manchester United und die maximale Ernüchterung

Manchester Uniteds Cristiano Ronaldo ist enttäuscht (l.), Bern jubelt

Fußball | Champions League

Manchester United und die maximale Ernüchterung

Zuletzt noch Titelträume, jetzt Ernüchterung: Manchester United hat bei den Young Boys Bern verloren und den Start in die Champions League verpatzt. Daran konnte auch Superstar Cristiano Ronaldo nichts ändern.

Noch am vergangenen Wochenende war die Euphorie bei Manchester United riesengroß. Cristiano Ronaldo hatte im ersten Spiel nach seiner Rückkehr zu den "Red Devils" gegen Newcastle United einen Doppelpack geschnürt und sein Team zum 4:1-Sieg geführt.

Der Jubel der Fans im legendären Old-Trafford-Stadion war ohrenbetäubend, auf der Tribüne riss es Trainerlegende Sir Alex Ferguson aus dem Sitz und die Medien huldigten den portugiesischen Superstar hinterher. "Ein neuer König ist in der Stadt - es ist der alte König", befand die "Daily Mail"

"Wir gehen den Weg vor uns mit Selbstvertrauen und Optimismus, dass wir am Ende alle zusammen feiern", schrieb Ronaldo anschließend in den sozialen Medien und fütterte damit die Meisterträume der Fans, denn durch den Sieg eroberte das Team auch die Tabellenspitze. Die Anhänger rechnen nun fest mit der englischen Meisterschaft oder sogar dem Titel in der Champions League.

Bern dreht die Partie

Jetzt ist Ernüchterung eingekehrt. Denn den Start in die Königsklasse hat United verpatzt. Völlig überraschend verlor die Mannschaft von Trainer Ole Gunnar Solskjaer am Dienstag (14.09.2021) in der Schweiz bei den Young Boys Bern.  

Dabei hatte der Weltstar Manchester in Führung gebracht. Doch Bern, seit dieser Saison vom ehemaligen Schalke-Coach David Wagner trainiert, zeigte sich forsch und beherzt. In der zweiten Halbzeit drehten die Young Boys im ausverkauften Wankdorfstadion durch Treffer von Moumi Ngamaleu (66.) und Jordan Siebatcheu in der Nachspielzeit (90.+5) die Partie.

Manchester schlägt sich selbst

Manchester schlug sich dabei praktisch selbst. Nach einem Platzverweis gegen Rechtsverteidiger Aaron Wan-Bissaka (35.), der überhart in einen Zweikampf gegangen war, mussten die Gäste lange in Unterzahl spielen. Nach der Roten Karte kippte das Spiel. Besonders bitter: Jesse Lingard leitete in der Nachspielzeit mit einem krassen Fehlpass den Treffer zum 1:2 ein.

Ronaldo war da bereits ausgewechselt – und konnte sich nicht über einen neuen Rekord freuen. Denn der Rekordtorschütze (135 Treffer) ist nun auch Rekordspieler des Wettbewerbs. Mit 177. Einsätzen liegt er nun gleichauf mit seinem ehemaligen Teamkollegen von Real Madrid Iker Casillas.

"Er ist am Samstag und heute viel gerannt", erklärte Trainer Solskjaer die Auswechslung seines 36-jährigen Starspielers. Der schrieb auf Instagram: "War nicht das Resultat, das wir wollten, aber jetzt ist es Zeit, sich gut zu erholen und auf das nächste Spiel zu konzentrieren." Da heißt der Gegner in der Premier League West Ham United, das in der Tabelle nur zwei Punkte hinter Manchester liegt.

Schon gegen Newcastle keine Glanzleistung

Beim Gastspiel in London werden sich die "Red Devils" steigern müssen. Gegen Newcastle hatten Ronaldos Tore einfach alles überstrahlt. Auch die Tatsache, dass United keine Glanzleistung abgeliefert hatte. Besonders in der ersten Hälfte tat sich das Team schwer. Und das, obwohl mit Newcastle das zweitschlechteste Team der Liga zu Gast war. Im Mittelfeld offenbarte der englische Rekordmeister Schwächen. Nach Meinung von "The Independent" drohen Ronaldos Treffer, "Probleme zu maskieren, die Manchester United dringend lösen muss".

Die zeigten sich auch in Bern. Vor allem in der Offensive waren die Engländer trotz Ronaldo schwach. Der frühe Platzverweis, Jadon Sancho musste danach Verteidiger Diogo Dalot Platz machen, darf da nicht als Ausrede herhalten. Fakt ist, dass es United nur auf ganze zwei Torschüsse brachte, und in 95 Minuten sprang gerade mal ein Eckball heraus. Zum Vergleich: Bern hatte 19 Torschüsse und acht Ecken vorzuweisen. Die Experten sind sich einig, dass das Team trotz aller Investitionen in der Breite immer noch zu schwach besetzt ist.

Gegen Villarreal mächtig unter Druck

Am zweiten Spieltag der Champions League muss United gegen den FC Villarreal ran. Gegen die Spanier verloren die Engländer im Mai nach Elfmeterschießen das Finale Europa League. Eine weitere Pleite könnten die jetzt schon wieder gedämpften Titelträume dann zerplatzen lassen.  

red/sid/dpa | Stand: 15.09.2021, 11:30

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