Politik und Fußball - Klopp lässt Shaqiri zu Hause

Doppeladler-Geste

Politik und Fußball - Klopp lässt Shaqiri zu Hause

Liverpools Trainer Jürgen Klopp nimmt den Schweizer Xherdan Shaqiri wegen dessen Doppeladler-Geste bei der WM nicht mit zum Champions-League-Spiel bei Roter Stern Belgrad - ein Vorgang, der zumindest sehr bemerkenswert ist.

Xherdan Shaqiri

Xherdan Shaqiri

Hätte Xherdan Shaqiri gewusst, dass ihm die Sache noch mehr als vier Monate später hinterher kommt, dann hätte er sich vielleicht etwas besonnener verhalten. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland bejubelte der Schweizer Nationalspieler in Diensten des FC Liverpool im Vorrundenspiel gegen Serbien seinen Siegtreffer mit der Doppeladler-Geste. Shaqiris Eltern stammen aus dem Kosovo. Dort leben vor allem Albaner, und Serbien erkennt die Unabhängigkeit seiner früheren Provinz nicht an.

Den Doppeladler zu zeigen, das albanische Wappentier, ist für viele Serben deshalb eine Provokation. Die hohe Wellen schlug. Nicht nur aus Serbien hagelte es Kritik, sondern auch aus der Schweiz. "Unnötig und dumm" - so der Tenor der heimischen Medien. Vom Weltfußballverband FIFA gab es eine geringe Geldstrafe, übrigens auch für Granit Xhaka, der die Geste ebenso zeigte. Shaqiri erklärte anschließend nur, dass er "aus der Emotion heraus" gehandelt habe.

Politische Gründe

Nun ist auch Jürgen Klopp, der Teammanger des FC Liverpool, ein emotionaler Mensch, doch auf solche Emotionen kann er offenbar verzichten. Klopp nimmt Shaqiri jedenfalls nicht mit zum Champions-League-Spiel der "Reds" am Dienstag (06.11.2018) bei Roter Stern Belgrad.

Oder anders gesagt: Er lässt ihn aus politischen Gründen zu Hause, und das ist eine Entscheidung, die zumindest sehr bemerkenswert ist. Ebenso bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Verein das Thema überhaupt auf den Tisch bringt, denn er hätte seinen Spieler schließlich auch als verletzt abmelden können.

"100 Prozent auf Fußball konzentieren"

"Wir haben Spekulationen und Gerede darüber gehört und gelesen, wie er empfangen werden würde", sagte Klopp vor der Partie in der serbischen Hauptstadt: "Wir haben zwar keine Ahnung, was passieren würde, aber wir wollen dort hinfahren und uns zu 100 Prozent auf Fußball konzentrieren und uns nicht um andere Dinge Gedanken machen müssen, das ist alles."

Der Coach war bemüht, dem Thema die Brisanz zu nehmen. Klopp betonte, Liverpool habe keinerlei politische Botschaft. Man wolle "alle Ablenkungen vermeiden" in dem Wettbewerb, "der für den Fußball und nur für den Fußball wichtig ist".

Spieler schützen, Gegner nicht provozieren

Mit "andere Dinge" meint Klopp die Sicherheit seines 27-jährigen Mittelfeldspielers. Klopp verfolgt aber offenbar zwei Ziele. Er will Shaqiri schützen und die Belgrader Fans nicht dadurch provozieren, dass er ihn aufstellt. "Wir müssen die Situation beruhigen, denn wir können sie nicht klären. Wir sind in Serbien und respektieren das Land zu hundert Prozent. Politik hat immer Einfluss im Leben. Wir sind aber hier, um Fußball zu spielen und wir müssen sicherstellen, dass wir uns darauf konzentrieren", sagte er. Er freue sich auf "ein großartiges Champions-League-Spiel".

Shaqiri habe die Entscheidung akzeptiert, so Klopp: "Er versteht das. Er ist unser Spieler, wir lieben ihn, und er wird für uns noch sehr oft spielen, aber nicht am Dienstag." Belgrads Trainer Vladan Milojevic wollte das alles nicht kommentieren. "Jeder kennt die Situation und deshalb habe ich nichts hinzuzufügen", so der Coach.

 Kritik aus der Schweiz

Kritik gab es aus der Schweiz. "Bedenklich an dieser Sache ist aber, dass man beim FC Liverpool vor serbischen Nationalisten, von denen heute viele im Stadion sitzen werden, einknickt", schrieb die "Aargauer Zeitung": "Shaqiri nicht nach Belgrad fliegen zu lassen, ist weder mutig, smart noch schlau." Klopp wischt das weg: "Es hätte eine Geschichte sein können und wir wollten keine Geschichte neben dem Fußball - deshalb haben wir so entschieden."

Sportlich ist die Entscheidung für den FC Liverpool keine Schwächung. Das Team ist in der Breite so stark besetzt, dass das Fehlen des Schweizers nicht weiter auffallen wird. Dass ihn seine Doppeladler-Geste wieder einholt, hätte Shaqiri wohl aber nicht gedacht.

red/sid/dpa | Stand: 06.11.2018, 08:30

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