Lewandowski wird den Makel nicht los

Robert Lewandowski

Das Champions-League-Aus der Bayern

Lewandowski wird den Makel nicht los

Von Jens Mickler

Seinen Status als bester Stürmer der Bundesliga hätte Robert Lewandowski zu gerne auch auf europäischer Bühne unter Beweis gestellt. Doch wieder gelang es ihm nicht, ein bedeutendes Spiel zu entscheiden.

Glasige Augen, leerer Blick und nicht in der Lage, irgendwelche Worte zu finden - die Stimmungslage von Robert Lewandowski nach dem Halbfinal-Aus im Bernabeu-Stadion von Madrid war eine Mischung aus tiefer Traurigkeit und großer Enttäuschung. Wieder hatte der FC Bayern ein großes Match nicht für sich entscheiden können, erneut war auch Lewandowski leer ausgegangen.

Tormaschine, bester Mittelstürmer Europas

Noch Anfang April hatte Lewandowski einen Meilenstein in den Annalen des Klubs gesetzt. Er wird jetzt als der erfolgreichste ausländische Torschütze des FC Bayern geführt. Giovane Elber, einer seiner Vorgänger als Mittelstürmer des Rekordmeisters, stellte daraufhin in einem Interview fest: "Lewandowski ist der beste Mittelstürmer Europas."

Auch vor dem Rückspiel in Madrid, das endlich den ersehnten Final-Einzug des FC Bayern bringen sollte, ließen die Münchner nichts unversucht, ihren Star-Stürmer stark zu reden. "Das ist eine Tormaschine. Wir sind froh, dass er bei uns ist", hatte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge den Polen gestützt, nachdem schon nach dem Hinspiel und zwei vergebenen Großchancen eine Debatte über Lewandowski losgetreten worden war.

Nur eine gute Chance

Rummenigges Unterstützung war vergeblich. Bei einer Dreifach-Chance in der 33. Minute hatte Lewandowski die Möglichkeit zu einem Tor. Das war es im großen und ganzen in diesem Halbfinale - auf das im Grunde die gesamte Saison des FC Bayern ausgerichtet war.

Robert Lewandowski

Lewandowski im Spiel gegen Real, links Sergio Ramos

Ihn deshalb zum Sündenbock abzustempeln, empfand auch Trainer Jupp Heynckes nicht als korrekt. "Was mir so langsam hochkommt ist, dass wenn einer die Lawine lostritt, dass Lewandowski nicht gut spielt, dann ziehen alle Journalisten nach und sie ja auch. Er hat heute gekämpft und sehr gut gespielt. Wir haben heute hier im Bernabeu-Stadion zwei Treffer erzielt. Normalerweise muss das für einen Sieg reichen, das ist das Problem", sagte Heynckes.

Lewandowski nicht allein

Das Champions-League-Aus nur an der Person Lewandowski festzumachen, ist in der Tat unsinnig. Dazu war die Offensiv-Abteilung der Münchner an diesem Abend zu schwach.Thomas Müller oder Franck Ribéry hatten ebensowenig herausragende Momente, die es eben braucht, um einen Gegner wie Real Madrid in einem Champions-League-Halbfinale zu besiegen.

So wird an Lewandowski der Makel haften bleiben, dass er offensichtlich kein Mann für die ganz großen Spiele auf europäischer Bühne ist. Die für die Bayern zu Ende gegangene Spielzeit in der Königsklasse war für Lewandowski die schwächste, seit er das Trikot der "Roten" trägt. Fünf Tore schoß er in dieser Serie - weniger als in den drei Spielzeiten der Königsklasse zuvor.

Immer wieder war Lewandowsi, der in München noch einen Vetrag bis 2021 besitzt, in den vergangenen Monaten mit Real Madrid in Verbindung gebracht worden als möglicher künftiger Arbeitgeber und nächster Schritt auf seiner Karriereleiter.

Diese Spekulationen werden nun erst einmal wieder zurückgefahren. Es sei denn, Lewandowski nutzt eine andere Bühne für Eigenwerbung. Ab Mitte Juni spielt er mit Polen bei der WM in Russland.

Stand: 02.05.2018, 10:10

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