Juventus erlebt einen ganz bitteren Abend

Schiedsrichter Michael Oliver zeigt Torwart Gianluigi Buffon von Juventus die Rote Karte

Elfmeter in der Nachspielzeit

Juventus erlebt einen ganz bitteren Abend

Durch einen umstrittenen Elfmeter in der Nachspielzeit hat Juventus Turin bei Real Madrid am Mittwochabend den möglichen Einzug ins Halbfinale der Champions League verpasst. Vor allem für Torwart Gianluigi Buffon war das Aus bitter.

Es läuft die 93. Minute im Estadio Santiago Bernabeu: Real Madrids Cristiano Ronaldo köpft einen Flanke von Toni Kroos in die Mitte, wo Turins Verteidiger Medhi Benatia Lucas Vazquez zu Fall bringt. Schiedsrichter Michael Oliver entscheidet auf Strafstoß, und Ronaldo schießt den Titelverteidiger ins Halbfinale.

Juventus Turin erlebte im Viertelfinal-Rückspiel bei Real am Mittwoch (11.04.2018) somit einen ganz bitteren Abend. Mit 3:0 lagen die Italiener in Madrid vorne und hatten sich nach dem 0:3 im Hinspiel die Verlängerung erkämpft. Der verwandelte Strafstoß machte dann alle Hoffnungen zunichte.

Real Madrid trotz Niederlage im Halbfinale

Sportschau | 12.04.2018

Buffon muss vom Platz

Juventus-Torwart Buffon regte sich so sehr über die Entscheidung des Schiedsrichters auf, dass der ihm die Rote Karte zeigte. Da der 40-Jährige seine Karriere im Sommer wahrscheinlich beenden wird, könnte es ein unrühmlicher Abgang aus der Königsklasse gewesen sein. Zudem bliebe es dann dabei, dass der Weltmeister von 2006 nie die Champions League gewonnen hat.

Es war ein Elfmeter, den man geben kann, den man aber nicht geben muss. Halb wurde Vazquez gestoßen, halb sank er dahin. Buffon warf dem englischen Schiedsrichter Oliver mangelndes Fingerspitzengefühl vor. "Dieser Unparteiische hat kein Herz. Stattdessen hat er einen Mülleimer", sagte der italienische Rekord-Nationalspieler. "Nur der Referee hat ein Foul gesehen. Du musst Fingerspitzengefühl und ein Verständnis für wichtige Momente haben. Wenn du das nicht hast, hast du es nicht verdient, auf dem Platz zu stehen", erklärte er: "Du kannst das nicht pfeifen. Wenn du keinen Charakter und keinen Mut hast, dann solltest du das Spiel auf der Tribüne schauen."

"Darfst Du niemals pfeifen"

Ähnlich äußerte sich der frühere Bayern-Profi Benatia. "Du darfst in der 93. Minute niemals so einen Elfmeter pfeifen. Jeder weiß, dass dieses Spiel in die Verlängerung gehen sollte", sagte der Abwehrspieler. Er stellte den Verdacht einer Bevorteilung Reals in den Raum: "Im vergangenen Jahr haben sie gegen Bayern München zwei oder drei Abseitstore gemacht, wenn ich mich nicht irre. Es ist immer dasselbe. Real ist so eine große Mannschaft - sie bräuchten keine Extra-Hilfe."

"Die Grausamkeit des Fußballs"

Auch die italienische Presse haderte. "Die Grausamkeit des Fußballs: Es ist schwierig, wahrscheinlich unmöglich, all dies zu akzeptieren. Der Platzverweis für Buffon im wahrscheinlich letzten internationalen Spiel seiner Karriere, ein Elfmeter Ronaldos, der Juve in der letzten Sekunde versenkt, nachdem die Mannschaft vom Einzug ins Halbfinale geträumt hatte. Niemand kann dieses Urteil akzeptieren", schrieb "La Repubblica".

Innige Umarmung

Real hatte freilich eine andere Sicht der Dinge, Ronaldo wies die Vorwürfe zurück. "Ich verstehe nicht, warum sie sich so aufregen", sagte der portugiesische Europameister: "Für mich war es ein klarer Elfmeter." Leid tat es ihm dennoch, vor allem für Buffon. Ronaldo verabschiedete sich nach dem Spiel in der Mixed-Zone mit einer innigen Umarmung vom Italiener.

sid/dpa/red | Stand: 12.04.2018, 09:30

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