"Nichts geboten" - Kritik an Mourinhos Mauer-Taktik

Manchester United in der Champions League

"Nichts geboten" - Kritik an Mourinhos Mauer-Taktik

Von Marco Schyns

Manchester United ist nach zwei uninspirierten Auftritten gegen den FC Sevilla völlig verdient aus der Champions League ausgeschieden. Auf der Insel steht vor allem Trainer José Mourinho in der Kritik.

"Das ist nichts Neues für den Klub", sagte Mourinho am Dienstagabend (13.03.2018) nach der überraschenden 1:2-Pleite von Manchester gegen Sevilla. Sein Team war gerade aus der Champions League ausgeschieden - und der Portugiese reagierte mit einem Statement, dass vielen wie Hohn vorkommt, zur extrovertierten Art des Trainer aber passt: "Ich saß schon zweimal an dieser Stelle, nachdem Manchester United im Achtelfinale zuhause ausgeschieden war. Mit Porto war ich hier (2003/04) – ManUnited flog raus. Mit Real Madrid (2012/13) war ich hier – ManUnited flog raus."

Der Unterschied: Diesmal ist es Mourinho, der mit seinem Team ausscheidet, zwar überraschend, aber dennoch hochverdient. In 180 Minuten gegen die Andalusier brachte United gerade einmal fünf nennenswerte Torschüsse auf den Kasten von Sevilla-Keeper Sergio Rico. Das reichte für genau einen Treffer - Romelu Lukakus Anschluss zum 1:2 in einer aussichtslosen Situation am Dienstagabend.

Keine Kreativität, keine offensive Spielidee

ManUnited-Coach José Mourinho

ManUnited-Coach José Mourinho

Es ist vor allem die Spielweise, für die der englische Rekordmeister in dieser Saison in der Kritik steht. Fans und Presse sind sich einig: Es fehlt an Kreativität, einer offensiven Spielidee und - trotz insgesamt guter Defensiv-Bilanz - einer stabilen Abwehr. Dass United, gemeinsam mit dem FC Barcelona, die beste Abwehr der Champions League stellte, hatte man in vielen Situationen vor allem Torhüter David de Gea zu verdanken.

Der Spanier war es auch, der seine Mannschaft im Hinspiel in Sevilla vor drei Wochen überhaupt noch im Spiel hielt. Ohne seine zahlreichen Paraden wäre United mit einer deutlich schlechteren Ausgangslage ins Rückspiel gegangen. Das Duell am Dienstag hätte dadurch aber einen ganz anderen Charakter bekommen. Als die "Red Devils" bei 0:2-Rückstand nichts mehr zu verlieren hatten und ihr Glück in der Offensive suchten, klappte es plötzlich mit dem Tor.

Ein ähnliches Phänomen war erst vor einer guten Woche in der Premier League zu beobachten. Beim Tabellenvorletzten Crystal Palace lag Mourinhos Truppe nach schwachem Beginn und mangelnder Einstellung schon mit 0:2 zurück. Eine Energieleistung brachte schließlich noch einen 3:2-Sieg.

Wirbel um Superstar Paul Pogba

Damals wie heute im Fokus steht eine zentrale Figur bei United: Paul Pogba. Der Franzose, der im Sommer 2016 für 105 Millionen Euro von Juventus Turin zurückgeholt worden war, ist Sinnbild einer spielerischen Krise, die wegen oftmals dennoch guten Ergebnissen nur nach großen Enttäuschungen zum Thema wird. Die Presse auf der Insel spekuliert seit Wochen über einen angeblich schwelenden Streit zwischen Pogba und seinem Trainer. "Alles Lügen", kommentierte Mourinho vor kurzem die Berichte.

Krise oder nicht? José Mourinho (l.) und Paul Pogba (r.)

Krise oder nicht? José Mourinho (l.) und Paul Pogba (r.)

Der extrovertierte Superstar soll sich mehrfach über die defensiv ausgerichtete Taktik Mourinhos beschwert haben. Seine Leistungen zuletzt, vor allem die nach seiner Einwechselung gegen Sevilla, könnten böse Zungen als Arbeitsverweigerung bezeichnen. Seit Mitte Januar wartet Pogba auf eine Torbeteiligung, zuletzt plagten ihn immer wieder kleinere Verletzungen. Ob nur diese dafür verantwortlich waren, dass der junge Scott McTominay - oder im Rückspiel gegen Sevilla Marouane Fellaini - den Vorzug vor Pogba erhielten, weiß nur Mourinho selbst.

FA Cup als letzte Titelchance für ManUnited

Einzelne Spieler pickte sich Mourinho nach der enttäuschenden Vorstellung gegen Sevilla nicht heraus. Die Schuld für die Pleite auf sich zu nehmen, kam aber auch nicht infrage. "Ich denke nicht, dass es eine schlechte Leistung war. Ich bereue nichts. Ich habe mein Bestes gegeben, die Spieler haben ihr Bestes gegeben. Wir haben es versucht, und wir haben verloren, so ist der Fußball", sagte Mourinho.

Ex-United-Kapitän Rio Ferdinand, heute TV-Experte in England, sah das anders. "Sie spielen wie ein zusammengewürfelter Haufen von Fremden. Sie spielten nervös und ängstlich. Sie haben ihren Fans nichts geboten", wütete der 39-Jährige, der selbst immer noch als glühender United-Fan gilt.

Schon am kommenden Samstag (17.03.2018) geht es für Manchester im nächsten wichtigen Wettbewerb weiter. Im FA-Cup-Viertelfinale wartet Brighton & Hove Albion. Es ist die letzte Chance auf einen Titel in dieser Saison für den einst erfolgsverwöhnten englischen Rekordmeister. Ein Sieg ist daher Pflicht, das weiß auch Mourinho. Sonst könnte es ungemütlich werden rund um das Old Trafford.

Stand: 14.03.2018, 11:27

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