Champions League - UEFA finanziell und zeitlich unter Druck

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Champions League - UEFA finanziell und zeitlich unter Druck

Die Bundesliga spielt wieder, die meisten anderen Ligen noch nicht. Für die UEFA steigt der Zeitdruck, denn erst nach dem Ende der Ligen können auch die Champions League und die Europa League sportlich und finanziell zum gewünschten Saisonende kommen. Dabei stellen sich wichtige Fragen.

Die UEFA will ihre Klubwettbewerbe erst nach dem Saisonende der nationalen Ligen zu Ende spielen. Der Druck für die UEFA steigt in vielen Bereichen - ungewöhnliche Lösungen zeichnen sich ab.

Welche Spiele offen sind

In der Champions League stehen nur vier von acht Teilnehmern der Viertelfinalspiele fest: Paris Saint-Germain, Atletico Madrid, Leipzig und Atalanta Bergamo setzten sich durch. In den restlichen Begegnungen des Achtelfinals sind die Rückspiele offen, darunter das von Bayern München gegen Chelsea (Hinspiel 3:0 für die Bayern).

In der Europa League ist bislang keine einzige Begegnung im Achtelfinale entschieden worden. Auch Eintracht Frankfurt, der VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen warten noch auf ihre Rückspiele. In zwei Begegnungen gab es noch nicht mal Hinspiele.

Wann gespielt werden könnte

"Wenn alles nach Plan verläuft, werden wir die Wettbewerbe im August beenden", sagte Ceferin in einem Interview mit "beIn Sports" über die Champions League und die Europa League. Der 2. August ist wohl der Wunschtermin für die Fortsetzung. Doch ist der Zeitplan zu halten?

Zumindest die Bundesliga mag derzeit auf einem guten Weg sein, die Saison im Juni oder Juli zu beenden. Aber die anderen wichtigen Ligen warten noch: Spanien, Italien, England - es gibt für die großen und auch für die meisten kleineren Ligen noch keinen klaren Zeitplan. In Italien soll die Liga nach jüngsten Plänen sogar bis zum 20. August spielen, fünf italienische Teams befinden sich noch in europäischen Wettbewerben. Für die UEFA herrscht Unsicherheit. Ceferin sprach schon einmal davon, dass die Saison "verloren sein könnte", wenn es zu spät wird. Denn auch der Saisonbeginn 2020/21 muss im Blickfeld bleiben.

Welche Probleme es abseits des Zeitplans gibt

Organisatorisch könnte es schwierig und streitbar werden. Die restlichen Spiele der Champions League werden von Klubs aus fünf Ländern bestritten, in der Europa League sind es sogar elf. Es ist denkbar unwahrscheinlich, dass die UEFA in all diesen Ländern bei den Einschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie die gleichen Voraussetzungen vorfinden wird, um alle Spiele auszutragen. Es bleiben folgende Optionen:

  • Der Idealfall: Alle Spiele können ausgetragen werden wie im Spielplan vorgesehen.
  • Einzelne Ausfälle: Kann in einem Land nicht gespielt werden, beispielsweise in Frankreich, dann müssen die Klubs des Landes sich einen neutralen Ort im Ausland suchen. Unweigerlich würde sich die Frage nach Gerechtigkeit in Sachen Heimrecht stellen.
  • Kleine Änderungen: Sollte das Viertelfinale nicht wie gewohnt umgesetzt werden können, könnten die restlichen K.o.-Runden in nur einer Begegnung auf neutralem Platz entschieden werden. Das spart außerdem Zeit.
  • Kompletter Umbau: Falls in zu vielen Ländern nicht gespielt werden kann, ist ein Rest-Turnier an einem Spielort denkbar.

Wo gespielt werden könnte

Über den letztgenannten Fall wird schon länger spekuliert. Ab dem Halbfinale könnte Medienberichten zufolge ein "Final Four" wie im Handball um die Champions League ausgetragen werden. Istanbul, wo das Endspiel ursprünglich am 27. Mai 2020 stattfinden sollte, hat zahlreiche Hotels und vier moderne Stadien. Schon das Viertelfinale in Istanbul auszutragen, scheint allerdings zumindest ambitioniert.

Unklar bleibt auch, ob für die Europa League ein ähnliches Format denkbar ist. Das Endspiel ist bislang im polnischen Gdansk vorgesehen.

Um was es geht

Die UEFA hat den Ligen den Vorrang gelassen. Auch, um sportlich belastbar festzustellen, wer in der kommenden Saison mitspielen darf. Die Frage, wer welchen Pokal gewinnt, beeinflusst ebenfalls das Teilnehmerfeld der kommenden Spielzeit. Der Zeitdruck ist groß. Doch der finanzielle könnte bald noch größer werden.

Denn zuallererst geht es für die UEFA und damit für die an den Wettbewerben beteiligten Klubs um sehr viel Geld. Mehr als drei Milliarden Euro nahm die UEFA in der Saison 2018/19 mit ihren Klubwettbewerben ein. Da die EM in das Jahr 2021 verschoben worden ist, bleiben Champions League und Europa League derzeit die maßgeblichen Einnahmequellen. Die UEFA wird viel tun, um sie zu erhalten. Ceferin sagte im britischen Guardian: "So viele Millionen und Millionen. Dutzende von Millionen Dollar, die wir verlieren. Es ist dann schwer, abends einzuschlafen."

EURO 2020 - die Verschiebung und die Folgen Sportschau 09.05.2020 04:34 Min. Verfügbar bis 09.05.2021 Das Erste

nch | Stand: 26.05.2020, 13:49

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