Der schwierige Start in den Europapokal

Die Champions-League-Trophäe im Estadio da Luz (Lissabon)

Saison 2020/21

Der schwierige Start in den Europapokal

Von Chaled Nahar

In dieser Woche starten die Champions League und die Europa League - der Europapokal steht vor einer Saison, die nicht nur sportlich spannend wird: Auf Corona will die UEFA diesmal besser vorbereitet sein. Kann ein Team wegen zu vieler Infektionen nicht spielen, wird die Partie gewertet.

Auf ein Finalturnier wie am Ende der Saison 2019/20 in Lissabon werden die Fans in dieser Saison nach aktuellem Stand verzichten müssen. Den Klubs und der UEFA stehen angesichts steigender Corona-Zahlen in Europa im Extremfall die Wertung von Spielen bevor - und damit auch rechtliche Auseinandersetzungen. Der Ausblick auf eine weitere problematische Saison:

Nachholspiele im Januar möglich

"Alle Spiele der Gruppenphase müssen bis zum 28. Januar 2021 beendet sein", heißt es im UEFA-Regelwerk. Was strikt klingt, ist ziemlich locker im Vergleich zur Qualifikation. Dort wurden Spiele, die wegen Corona-Infektionen nicht gespielt werden konnten, innerhalb weniger Tage gewertet. Jetzt räumt die UEFA zumindest etwas mehr Zeit für Nachholtermine ein.

Terminhatz könnte sich verschärfen

Der Kalender hat aber kaum Platz für Nachholspiele: Nationale Ligen, Pokalwettbewerbe und die Nations League lassen nur den Januar zu. Dann sind zwar bereits vier Wochenenden sowie ein Wochenspieltag von der Bundesliga belegt - an den anderen drei Wochenspieltagen wäre Zeit.

Wegen Corona startet die Gruppenphase ohnehin später als geplant. Klar wird: Bei Spielausfällen wird es im Kalender sehr eng. Denn im Sommer steht die EM "2020" an.

Champions League 2020/21
RundeDatum
1. Spieltag20./21.10.2020
2. Spieltag27./28.10.2020
3. Spieltag03./04.11.2020
4. Spieltag24./25.11.2020
5. Spieltag01./02.12.2020
6. Spieltag08./09.12.2020
Achtelfinale Hin16./17.02.2021 und 23./24.02.2021
Achtelfinale Rück09./10.03.2021 und 16./17.03.2021
Viertelfinale Hin06./07.04.2021
Viertelfinale Rück13./14.04.2021
Halbfinale Hin27./28.04.2021
Halbfinale Rück04./05.05.2021
Endspiel29.05.2021

Harte Corona-Regeln der UEFA: Im Zweifel werden Spiele gewertet

In ihrem neuen Regelanhang klärt die UEFA darüber auf, was für die Spiele der Gruppenphasen von Champions League und Europa League gilt:

  • Spiele werden gegen die Heimteams gewertet, wenn diese nicht rechtzeitig auf neue Einschränkungen ihrer Regierungen hinweisen, die ein Spiel verhindern. Darf der Gastverein nicht einreisen, muss der Heimverein einen anderen Spielort vorschlagen.
  • Ein Tausch des Heimrechts ist auf Antrag möglich.
  • Die UEFA kann stets neutrale Spielorte bestimmen, wenn sie das für notwendig hält.
  • Wird ein Schiedsrichter positiv getestet, darf der Ersatz aus einem der beteiligten Länder kommen - sonst undenkbar.
  • Gibt es einen oder mehrere positive Tests bei einem Klub, muss dieser trotzdem zu dem Spiel antreten - sofern es die zuständigen Behörden erlauben.
  • Wenn ein Klub weniger als 13 registrierte Spieler (darunter mindestens ein Torwart) zur Verfügung hat, darf das Spiel verschoben werden - bis zum 28. Januar.
  • Nachnominierungen von Spielern sind entgegen der ursprünglichen Regeln auch kurzfristig möglich.
  • Kann eine Mannschaft auch bei einer Verschiebung wegen positiver Coronatests nicht antreten, wird sie dafür verantwortlich gemacht und verliert das Spiel mit 0:3.
  • Können beide Mannschaften nicht spielen, bleibt nach jetzigem Stand unklar, was passiert.

Sollte die Gruppenphase nicht abgeschlossen werden können, beschließt das UEFA-Exekutivkomitee "die Grundsätze für die Festlegung der Teilnehmer" für das Achtelfinale der Champions League und das Sechzehntelfinale der Europa League.

Ein Grund dafür, sich die Regelung offen zu halten, sind wohl auch mögliche rechtliche Auseinandersetzungen. Slovan Bratislava aus der Slowakei und die Klubs FC Drita und FC Prishtina aus dem Kosovo versuchten, vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS die von der Rechtskommission der UEFA verhängten Niederlagen anzufechten.

Solche Auseinandersetzungen werden medial schwieriger für die UEFA, je prominenter die Prozessgegner sind. Ein Urteil, das Real Madrid betrifft, ist für die UEFA wohl problematischer als eines, bei dem es um den FC Prishtina geht.

Wie gehen die Behörden mit den reisenden Mannschaften um?

Für die deutschen Teams im Europapokal stehen mehrere Reisen zu Spielen in Corona-Riskogebiete an. Es wird wohl Ausnahmeregelungen bedürfen, um danach wieder in der Bundesliga spielen zu dürfen.

Der Modus ist wieder der alte

Vielen Fans hat das Finalturnier in Lissabon gefallen. Kein Warten auf Rückspiele, keine Auswärtstorregel - stattdessen jeden Tag starker Sport mit unmittelbaren Entscheidungen. Dieser Spaß bleibt nach jetzigem Stand einmalig.

Der Modus ist wieder der alte, so werden auch wieder die 16 Hin- und Rückspiele im Achtelfinale an acht verschiedenen Terminen über einen Monat hinweg ausgetragen.

Welches Geld jetzt schon verteilt ist

Ein altes Ärgernis tritt auch in dieser Saison wieder ein. Die Einnahmen aus der Champions League gelten als hauptverantwortlich für langweilige nationale Ligen, in denen einige wenige reiche Klubs eine Vormachtstellung haben, die das Geld von der UEFA nur noch steigert. Das wird in der Saison 2020/21 nicht anders sein.

Die Zahlen für 2020/21 hat die UEFA noch nicht veröffentlicht, in der vergangenen Saison erwirtschaftete die UEFA nach eigenen Angaben 3,25 Milliarden Euro mit den Klubwettbewerben, was sich trotz Corona kaum ändern wird. In der Champions League wurden davon 1,95 Milliarden verteilt. Jeder Klub erhielt in der Gruppenphase 15,25 Millionen Euro als Startprämie. Jeder erspielte Punkt brachte nochmal 900.000 Euro, jede weitere erreichte Runde generierte Prämien. Damit war mehr als eine Milliarde Euro weg.

Prämien Champions League 2019/20
RundeBetrag
Gruppenphase15,25 Mio.
Erspielter Punkt Gruppe0,9 Mio.
Achtelfinale9,5 Mio.
Viertelfinale10,5 Mio.
Halbfinale12,0 Mio.
Verlierer Endspiel15,0 Mio.
Sieger Endspiel19,0 Mio.

585 Millionen Euro wurden außerdem so verteilt: Auf Grundlage einer Zehn-Jahres-Bilanz bekam der in der Vergangenheit erfolgreichste der 32 teilnehmenden Klubs einen von der UEFA festgelegten Anteil 32 Mal. Der zweitbeste Klub erhielt ihn 31 Mal - und so weiter. Zuletzt war ein solcher Anteil rund 1,1 Millionen Euro wert. Klubs wie Real Madrid und Bayern München kassierten auf diesem Weg rund 35 Millionen Euro. Dieses Geld fließt für alte Erfolge und ohne einen gespielten Ball - ein Vorgang, der seit 2017/18 angewendet und auch immer wieder kritisiert wird. Hinzu kommt Fernsehgeld von der UEFA, dessen Höhe noch nicht feststeht.

Eine ähnliche Geldverteilung wird auch für 2020/21 erwartet. Die Bayern nahmen als Sieger der Champions League 2019/20 rund 135 Millionen Euro ein.

Stand: 19.10.2020, 08:44

Darstellung: