Spitzenklubs müssen bei Reform der Champions League Abstriche machen

Champions League Pokal steht in der Allianz Arena

Versammlung der Klubvereinigung

Spitzenklubs müssen bei Reform der Champions League Abstriche machen

Von Chaled Nahar

Europas Spitzenklubs müssen bei der Reform der Champions League wohl zurückstecken. Die Pläne, nach denen die Champions League eine fast geschlossene Veranstaltung zugunsten der großen Vereine geworden wäre, stoßen bei den Ligen, aber auch bei kleineren Klubs auf zu deutlichen Widerstand.

Bei der Versammlung der Klubvereinigung ECA, die Montag und Dienstag (09./10.09.2019) in Genf stattfindet, machten auch die kleineren Klubs klar, dass sie wie die Ligaverbände die von den großen Klubs angestrebte Reform der Europapokal-Wettbewerbe ab 2024 ablehnen. Die Neuordnung hätte wohl vor allem den Spitzenklubs geholfen, ihre sportliche Teilnahme und ihre finanziellen Einnahmen zu sichern und auszuweiten.

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"Uns gefällt das Modell nicht"

ECA-Generalsekretär Michele Centenaro hatte vor der Versammlung in Treffen mit Vereinsvertretern für das neue Modell geworben. Es sollte ein dreistufiges Modell aus Champions League, Europa League und Europa League 2 geben, zwischen den drei Ligen sollte ein Auf- und Abstieg möglich sein. Aber nur noch vier der 32 Startplätze in der Champions League sollten über die nationalen Ligen und daraus folgende Qualifikationsrunden vergeben werden. Für zahlreiche Klubs wäre die Champions League künftig kaum zu erreichen, den Ligen wie der Bundesliga käme die abgewertete Rolle einer Art Regionalliga unterhalb der Europa League 2 zu. Zudem sollten Europapokalspiele am Wochenende stattfinden, was die Ligen zu mehr Wochenspieltagen gezwungen hätte.

ECA-Chef Andrea Agnelli: "Wir wollen sicherstellen, dass wir unseren Prinzipien treu bleiben" Sportschau 10.09.2019 00:29 Min. Verfügbar bis 10.09.2020 Das Erste

Der Nachrichtenagentur AP zufolge soll ein Vereinsvertreter dem ECA-Generalsekretär entgegnet haben: "Warum zeigen sie dieses Modell immer wieder? Es gefällt uns nicht!" Dem AP-Bericht nach seien vor allem Real Madrid, der FC Barcelona und Juventus Turin die einflussreichen Befürworter des Modells. Auch Bayern München zählt der Bericht dazu, auch wenn sich Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandschef der Bayern zumindest öffentlich kritisch geäußert hatte. Die Ligaverbände, darunter die deutsche DFL, lehnen die Neuordnung in dieser Form in breiter Mehrheit ab. Das gilt auch für sämtliche Klubs der Premier League, die das in seltener Geschlossenheit kund taten.

Kampagne der Ligen gegen die Reform

Die ECA, die einst vorrangig Spitzenklubs vertrat, besteht mittlerweile aus fast 250 Klubs, von denen einige auch für sich mehr Nachteile als Vorteile bei der Reform sehen, die ECA-Chef und Juventus-Präsident Andrea Agnelli maßgeblich vorangetrieben und öffentlich beworben hatte.

Der Zusammenschluss von 36 europäischen Ligen ("European Leagues") startete eine Kampagne unter dem Motto "#supportyourleague" mit deutlicher Ablehnung der Reform. "Unsere Vereine wollen keinen Auf- und Abstieg, sie wollen kein pyramidales System, sie wollen keine geschlossenen Ligen", sagte der Schwede Lars-Christer Olsson, Präsident der European Leagues. Auch die DFL beteiligte sich und schrieb: "Eine mögliche Reform der bereits heute sehr erfolgreichen europäischen Klub-Wettbewerbe sollte allen Akteuren gerecht werden, nicht nur wenigen."

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Agnelli als ECA-Chef bestätigt

Agnelli kritisierte die Argumente der Gegenstimmen als "Protektionismus". Die Reform sei nötig, um Wachstum für die Klubs zu ermöglichen. Und auch wenn sich Widerstand regt, ganz unzufrieden sind auch die Klubs nicht mit Agnelli. Bei der Generalversammlung wurde er bis 2023 als ECA-Chef wiedergewählt. Hans-Joachim Watzke von Borrusia Dortmund und Michael Gerlinger vom FC Bayern wurden zudem in das Führungsgremium "Executive Board" gewählt.

Die Entscheidungen werden bei der UEFA getroffen. Im Exekutivkomitee hat die ECA zwei der derzeit 20 Sitze, die European Leagues einen. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin sagte ein für den 11. September geplantes Treffen mit der ECA, in dem es um die Reform gehen sollte, ab. Es wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. "Wenn es nach mir geht, müsste sich überhaupt nichts ändern", hatte Ceferin schon zuvor gesagt.

Gegenvorschläge aus Dänemark und der Schweiz

Die verfahrene Situation muss jedoch gelöst werden. Und laut AP gibt es auch schon zwei Gegenvorschläge - einen aus der Schweiz, einen aus Dänemark.

Der dänische Vorschlag: Der FC Kopenhagen schlug vor, Ergebnisse aus den vergangenen zehn Jahren zu nutzen, um festzulegen, wann ein Klub in den Wettbewerb einsteigt, was den Spitzenklubs zugute käme. Zugleich würden insgesamt mehr Teams mitspielen und sich weiter über die nationalen Ligen qualifizieren.

Der schweizerische Vorschlag: Die Champions League soll eine Liga mit 32 Klubs werden, die ihrer Tabellenposition entsprechend gegeneinander spielen. Wer unter die ersten acht kommt, landet im Achtelfinale und qualifiziert sich auch für die folgende Saison - ein Entgegenkommen an die Spitzenklubs.

"Konkrete Vision" Ende 2019

Wann eine endgültige Entscheidung fällt, wie die Europapokal-Wettbewerbe ab 2024 aussehen werden, bleibt damit zunächst unklar. Einem von der ECA veröffentlichten Zeitplan zufolge soll eine "konkrete Vision" erst Ende 2019 stehen.

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Stand: 10.09.2019, 13:28

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