Europapokal - Spielorte mit weniger Coronaregeln gesucht

Die Arena in Leipzig

Fußball

Europapokal - Spielorte mit weniger Coronaregeln gesucht

Von Chaled Nahar

Strenge Einreiseregeln in Deutschland und anderen europäischen Staaten haben Folgen für den Fußball: Einige Europapokalspiele können nicht wie geplant stattfinden - die Klubs suchen nach Alternativen.

Dass die Spiele stattfinden, steht für die Klubs und die UEFA außer Frage. "Irgendwo werden wir schon spielen", sagte Oliver Mintzlaff, Geschäftsführer von Rasenballsport Leipzig. Und Borussia Mönchengladbachs Trainer Marco Rose sagte: "Wir nehmen es so, wie es kommt - professionell."

Leipzig soll am 16. Februar im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Liverpool spielen, Gladbachs Heimspiel gegen Manchester City ist am 24. Februar angesetzt. Eine Verordnung der Bundesregierung und des Bundesgesundheitsministeriums untersagt es nun jedoch Menschen aus zwölf Ländern, in die Bundesrepublik einzureisen. Darunter befinden sich Irland, Portugal und Großbritannien, wo Liverpool und Manchester liegen. Das Robert Koch-Institut nennt diese Länder "Virusvarianten-Gebiete".

Anders als bei den bisherigen Verordnungen und Einreisebeschränkungen gibt es zumindest in Deutschland derzeit keine Ausnahmegenehmigungen für den Fußball. Und der hat nun ein Problem.

Klubs müssen mit der UEFA Lösungen finden

Dass Leipzigs Spiel nicht in Leipzig ausgetragen werden kann, steht bereits fest, das Bundesinnenministerium hat eine Ausnahme ausgeschlossen. Gladbachs Spiel ist zwar zu einem Zeitpunkt geplant, an dem die Verordnung ausgelaufen sein soll - doch dass diese verlängert wird, ist möglich. Und die Zeit drängt.

Am Montagabend (08.02.2021) um 24 Uhr läuft eine Frist der UEFA aus, zu der alle Klubs der Champions League mitgeteilt haben müssen, ob ihre nationalen Regierungen Ausnahmegenehmigungen erteilen oder nicht. Am Sonntag (07.02.2021) teilte Leipzig das mit, das man sich als neuen Austragungsort auf die Puskas Arena in Budapest geeinigt habe. Ungarn hatte zu Beginn der Krise wie auch Griechenland, Zypern und Polen der UEFA die Möglichkeit in Aussicht gestellt, auf seine Stadien zurückzugreifen.

Gladbachs Eberl: "Spielen außerhalb Deutschlands"

Max Eberl: "Suchen Ausweichorte und haben in Midtjylland angefragt" Sportschau 05.02.2021 00:33 Min. Verfügbar bis 05.02.2022 Das Erste

Die Klubs können aber auch andere Spielorte vorschlagen, denn die Verantwortung für die Austragung und die Kosten trägt der protokollarische Gastgeber weiterhin. Gladbach wird am Montag noch keine Kenntnis darüber haben, ob am geplanten Spieltag die aktuelle Verordnung gelten wird. Am Samstag bestätigte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl, dass das Spiel nicht in Mönchengladbach ausgetragen wird. "Wir sind in der Rolle, einen neuen Spielort zu finden und der wird außerhalb von Deutschland sein", sagte Eberl am Samstagabend im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF.

Deshalb wurde vorsorglich das Stadion des FC Midtjylland in Dänemark und auch bei anderen Klubs angefragt. Am Samstag sagte Eberl zudem bei Sky, dass auch für seinen Klub Budapest für das Spiel gegen Manchester in Frage komme.

Hoffenheim noch ohne neuen Spielort

Auch das Spiel der TSG Hoffenheim beim FK Molde im Sechzehntelfinale der Europa League wird nicht wie geplant stattfinden können. Norwegens Regierung hat die Grenzen über den Spieltermin hinaus geschlossen - Molde muss einen anderen Ort finden.

Kein Thema bislang: Sind die Spiele gefährlich - oder nicht?

Neben der Frage, wo die Spiele stattfinden, bleibt eine andere offen: Ist es richtig, dass sie stattfinden? Die beteiligten Klubs werfen die Frage gar nicht erst auf, warum eine Begegnung, die von deutschen Behörden als zu gefährlich eingestuft wird, woanders ungefährlicher sein soll. Von seinen Hygienekonzepten ist der Fußball ohnehin überzeugt. Selbst Chefkritiker Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, sagte zuletzt dem Fußball nach, dass die Spiele kein größeres Problem seien.

Was für diese Annahme spricht: In der englischen Premier League, die die Zahlen geschlossen für die komplette Liga wöchentlich veröffentlicht, wurden in der jüngsten Woche sieben und der Woche davor acht positive Tests vermeldet - Tiefstwerte im Vergleich zu Ende Dezember und Anfang Januar, als es teilweise 40 positive Tests pro Woche gab.

Der Virologe und Epidemiologe Uwe Liebert von der Universität Leipzig sieht internationale Wettbewerbe generell kritisch. "Bei internationalen Sportveranstaltungen kommen Mannschaften aus Ländern mit relativ geringen Infektionszahlen mit Mannschaften mit sehr hohen Infektionszahlen zusammen", sagte Liebert der Tagesschau. Im November 2020 hatten Infektionen von Spielern, die möglicherweise in Verbindung mit Länderspielreisen standen, für Unmut in den Ligen gesorgt.

Das Problem wird vorerst bleiben

Am Montagabend dürfte allmählich deutlich werden, wie groß das Problem für die UEFA ist. Wie viele Klubs werden dann melden, dass sie in ihren Ländern nicht spielen dürfen? In Portugal ist die Lage mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von zuletzt mehr als 800 vollkommen dramatisch, Porto soll einen Tag nach dem Leipziger Spiel gegen Juventus Turin spielen. Auch Belgien und Tschechien schlossen die Grenzen, haben aber noch Klubs in der Europa League. Und die nächste Frist naht: Am 1. März müssen die Klubs mitteilen, ob sie die nächsten Spiele austragen dürfen oder nicht.

Die Finalturniere, die die UEFA in der Saison 2019/20 durch Corona gezwungenermaßen in der Champions League und der Europa League ausgetragen hat, fanden bei Fans und Medien durchaus Anklang. "Das war die beste K.o.-Runde, die ich je in der Champions League erlebt habe", sagte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im Januar in der "Frankfurter Rundschau". Gut möglich, dass die UEFA sich bald erneut ein alternatives Ende für die beiden Wettbewerbe überlegen muss.

Stand: 07.02.2021, 01:11

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