Champions League - Protest gegen ECA-Pläne formiert sich

Die Champions League-Trophäe

Außerordentliche Vollversammlung

Champions League - Protest gegen ECA-Pläne formiert sich

Die European Club Association (ECA) berät auf einer außerordentlichen Vollversammlung erneut über die Zukunft der Fußball-Champions-League. Schon im Vorfeld gab es jede Menge Kritik an den Plänen.

"Das wäre furchtbar und tödlich", sagte Rudi Völler, der Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, zu den aktuelle Ideen in Sachen Europapokal-Reform: "Das ist das Todesurteil des Fußballs, wenn du dich nicht mehr qualifizieren musst für europäische Wettbewerbe."

24 Teams fest gesetzt

Die European Club Association unter der Führung von Andrea Agnelli von Juventus Turin will von 2024 an nur noch vier der 32 Startplätze über die Platzierung in den nationalen Ligen vergeben. 24 Teams wären allein durch ihre Teilnahme im Vorjahr erneut startberechtigt. Nur vier Teams würden aus der Europa League aufsteigen.

Die Reform sieht zudem vor, dass insgesamt 96 Teams in einer dreistufigen Champions League spielen. Am Donnerstag (06.06.2019) und Freitag kommen die Mitglieder der ECA auf Malta zu einer Sondersitzung zusammen, um weiter über die Reform zu beraten.

"Das kann keiner wollen", sagte Völler, dessen Klub sich in der abgelaufenen Saison für die Champions League qualifiziert hat. "Dass einige Klubs fest gesetzt werden, das ist furchtbar. Das darf niemals passieren", forderte er.

"Fairen Wettbewerb erhalten"

Auch für RB Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff darf die Champions League keine geschlossene Gesellschaft werden. Es sei wichtig, dass sich die Vereine "auch weiterhin über die Bundesliga für die internationalen Wettbewerbe qualifizieren" können, sagt Mintzlaff. Gerade die abgelaufene Saison habe  gezeigt, wie spannend der Kampf um die Europapokal-Plätze sein könne. Dieser "faire Wettbewerb" müsse erhalten bleiben: "Wenn das wegfällt, wäre das etwas, was wir als RB Leipzig - aber das sieht auch die ganze Bundesliga so - nicht unterstützen können."

Man sei jetzt in einem Prozess, in dem man über eine Reform nachdenke, sagte Mintzlaff. "Und ich bin jemand, der immer offen ist für Veränderungen, weil man Dinge verändern will, um sie möglicherweise auch besser zu machen", meinte er. Gerade kleinere Länder könnten von einer Reform eventuell auch profitieren.

Rummenigge gegen Reform

Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge stellt eine Reform der Champions League dagegen grundsätzlich infrage. "Warum müssen wir eigentlich überhaupt etwas verändern? Um die Champions League beneidet uns die ganze Welt. Sie ist der mit Abstand beste und am schwierigsten zu gewinnende Wettbewerb der Welt", sagte Rummenigge: "Ich bin auch kein großer Freund der Idee, die Gruppenphase zu erweitern. Wir haben jetzt schon bei dem aktuellen Modell mit den Vierergruppen oft zum Ende hin sogenannte Dead Games, wo es um nichts mehr geht."

"Wenn es nach mir geht, müsste sich überhaupt nichts ändern", sagt auch UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. Und für FIFA-Präsident Gianni Infantino torpedieren die Pläne einer Eliteliga dessen "Philosophie der Öffnung".

Auch Premier League und spanische Klubs dagegen

Bei ihrer Kritik haben die Bundesligisten die Engländer an ihrer Seite. "Die deutsche und die englische Liga sind dagegen, und ich glaube nicht, dass man ohne Deutschland und England eine Lösung finden kann", sagt DFL-Präsident Reinhard Rauball: "Wir müssen klarmachen, dass die nationalen Ligen das Wichtigste sind", so Rauball weiter: "Wenn du ein pyramidales System, wie die ECA es plant, einführst, zerstörst du die Klubs und das ist gefährlich. Wir sind Traditionalisten und wir wollen, dass die Zukunft des Fußballs das auch ist."

Auch in Spanien regt sich Kritik. Sieben Vereine unter Federführung von Atlético Madrid haben sich in einem Protestbrief an die ECA gegen deren Ideen ausgesprochen und nannten diese "die größte Bedrohung im europäischen Fußball der vergangenen Jahre".

Agnelli spricht von Protektionismus

ECA-Präsident Andrea Agnelli ist auf Konfrontationskurs zu den großen Fußball-Ligen gegangen. Es sei enttäuschend, dass die Diskussion um das Projekt nur von Vertretern der fünf großen Ligen geführt werde. "Ich sehe das als Protektionismus der fünf großen Ligen gegenüber dem Rest des europäischen Fußballs an", sagte Agnelli.

Der Präsident von Juventus Turin wehrte sich dagegen, dass eine Reform nur den großen Clubs zugute käme. "Es geht um die Clubs von Position 16 bis 40-50 im Club-Ranking", behauptete Agnelli: "Ajax war im Halbfinale und hat daheim das Double geholt, aber sie gehen in die Qualifikation. Wie kann Ajax wachsen?" Ihm gehe es bei dem Projekt um Stabilität und das Interesse des europäischen Fußballs.

Gipfeltreffen im September

Beschlossen wird auf der Vollversammlung nichts. Am 11. September soll es zu einem Gipfeltreffen mit der UEFA, der ECA und dem Zusammenschluss der Europäischen Ligen kommen. Dort wird dann in großer Runde weiterdiskutiert.

sid/dpa | Stand: 06.06.2019, 18:48

Darstellung: