Offensiv kommt zu wenig - die Bayern in der Einzelkritik

Manuel Neuer

Achtelfinale gegen Liverpool

Offensiv kommt zu wenig - die Bayern in der Einzelkritik

Von Robin Tillenburg

Beim Achtelfinal-Aus in der Champions League gegen den FC Liverpool machten viele Spieler des FC Bayern München ihre Sache defensiv passabel, nach vorne hatte aber kaum einer einen guten Tag.

TOR

Manuel Neuer: Beim 0:1 sah der Nationaltorhüter in seinem 100. Champions-League-Spiel nicht gut aus und wäre im Nachhinein mal lieber in seinem Kasten geblieben, statt bis zum Strafraumrand herauszueilen. Bei einem Schuss von Andrew Robertson aus spitzem Winkel reagierte Neuer aber goldrichtig, am zweiten und dritten Gegentreffer war der Keeper schuldlos.

ABWEHR

Rafinha: Der erfahrene Brasilianer sollte den gesperrten Joshua Kimmich vertreten und tat das defensiv auch 25 Minuten sehr ordentlich. Einmal war er nicht ganz präsent im Zweikampf, und schon hatte Sadio Mané ihn abgehängt und das 0:1 erzielt. Nach vorne kommt er an Kimmichs Klasse wie erwartet nicht heran.

Niklas Süle: Seine Physis und Schnelligkeit dürften die Gründe gewesen sein, wegen denen Niko Kovac ihm den Vorzug gegenüber dem erfahreneren Jérôme Boateng gab. Süle zeigte diese Qualitäten durchaus und war in seinen Zweikämpfen meist Herr der Lage. Vor dem 1:1 hatte er dann einen Geistesblitz und schickte Serge Gnabry wunderbar steil.

Mats Hummels: Defensiv war der 30-Jährige meist auf dem Posten. Beim dritten Gegentor kam er gegen Mané zwar zu spät, aber hatte es auch mit einer perfekten Flanke zu tun. Seine Pässe, die ja durchaus auch mal mit etwas Risiko gespielt werden, fanden aber relativ selten ihr Ziel.

Hummels: "Ein Ticken mehr Mut hätte uns gut getan"

Sportschau 13.03.2019 01:46 Min. ARD

David Alaba: Ein paar leichte Fehlpässe des Österreichers fielen nicht so sehr ins Gewicht, sein Zusammenspiel mit Franck Ribéry nach vorne war in Ordnung. Eine unauffällige Partie.

MITTELFELD

Javi Martinez (bis 71. Minute): Bayerns Defensiv-Allzweckwaffe hatte alle Hände voll zu tun und musste etliche Räume zulaufen - das gehört zu seinen Kernkompetenzen. In Sachen Balleroberung war er einer der Top-Performer auf dem Rasen. Das zweite Gegentor ging allerdings teilweise auf seine Kappe, als er van Dijk kurzzeitig aus den Augen verlor. Der Grund für seine Auswechslung war aber dennoch rein taktischer Natur.

Thiago: Hatte den ersten Abschluss der Partie, zielte nach acht Minuten aber zu hoch. Der Spanier arbeitete auch defensiv fleißig mit und war in der Anfangsphase omnipräsent, später dann deutlich weniger auffällig.

James Rodriguez (bis 79. Minute): Mit seinen Fähigkeiten ist der Kolumbianer immer in der Lage, ein Spiel zu prägen. Das gelang ihm diesmal nicht, dafür stellte er sich aber voll in den Dienst des Teams, lief viel und war sich auch für Grätschen nicht zu schade. Über seine Auswechslung in der Schlussphase war er gar nicht erfreut, nach vorne hatte er aber nichts beigetragen.

ANGRIFF

Serge Gnabry: Lange blieb der Nationalspieler auf seiner rechten Seite sehr unauffällig. Als er erstmals richtig in Erscheinung trat, fiel das Tor. Sein entschlossener Sprint und seine scharfe Hereingabe vor das Tor erzwangen das Eigentor von Joel Matip. Ab diesem Moment war Gnabry bester Angreifer der Bayern - wenn er mal im Angriffsdrittel ins Dribbling startete, gab es zumindest den Ansatz von Gefahr. Er hätte es aber durchaus öfter probieren können.

Robert Lewandowski: Der Pole hätte beim 1:1 wohl auch getroffen, wenn Joel Matip vor ihm nicht den Fuß in die Hereingabe gehalten hätte. Insgesamt wirkte der 30-Jährige aber sehr unglücklich und verpasste mehrmals gute Gelegenheiten nur knapp. Auch wenn er richtig viel arbeitete und seinen Körper nicht schonte, muss bei einem Mittelstürmer seiner Klasse mehr herausspringen.

Franck Ribéry (bis 61. Minute): Der Routinier probierte gerade am Anfang auf dem linken Flügel durchaus mal das eine oder andere ansehnliche Dribbling. Zählbares sprang dabei aber nicht heraus, weil er sich häufig auch verzettelte. Seine beste Aktion hatte er eine Minute vor seiner Auswechslung mit einem Traumpass auf Gnabry.

EINWECHSELSPIELER

Kingsley Coman (ab 61. Minute): Der junge Franzose kam nach einer guten Stunde für seinen Landsmann ins Spiel, hatte aber bis auf kleine Ansätze keine gelungene Aktion.

Leon Goretzka (ab 71. Minute): Goretzka sollte für offensiven Schwung sorgen, konnte die Partie aber nicht mehr entscheidend prägen.

Renato Sanches (ab 79. Minute): Der Portugiese wirkte am Ende mit seiner Dynamik noch einmal ein bisschen belebend und probierte immerhin etwas. Er blieb aber, wie seine Kollegen auch, damit erfolglos.

rt | Stand: 13.03.2019, 22:45

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