Edinson Cavani - vom PR-Manöver zum "Super Sub"

Manchester Uniteds Edinson Cavani

Premier League

Edinson Cavani - vom PR-Manöver zum "Super Sub"

Von Hendrik Buchheister (Manchester)

Manchester Uniteds Verpflichtung von Edinson Cavani wirkte wie ein Panik-Transfer. Doch der Uruguayer könnte eine echte Verstärkung sein - auch in der Champions League gegen seinen Ex-Klub Paris Saint-Germain.

Ole Gunnar Solskjaer vergleicht sein aktuelles Personal gerne mit Profis, mit denen er selbst noch zusammen gespielt hat bei Manchester United, und so war es nicht verwunderlich, dass der norwegische Trainer nach dem Sieg beim FC Southampton am Sonntag (29.11.2020) wieder einmal die Vergangenheit bemühte, um die Gegenwart zu erklären.

Mann des Tages war Edinson Cavani, der nach seiner Einwechslung zur zweiten Halbzeit mit einer Vorlage und zwei Toren den Hauptanteil daran trug, dass der in dieser Saison wieder einmal taumelnde englische Rekordmeister einen 0:2-Rückstand noch in ein 3:2 verwandelte. "Er ist clever und hat ein großartiges Timing. Mit seinen Bewegungen im Strafraum erinnert er an Andy Cole", sagte Solskjaer über den Stürmer aus Uruguay.

Cavanis Verpflichtung ein Paniktransfer?

Cole spielte 15 Jahre in der Premier League und ist der drittbeste Torschütze der Liga hinter Alan Shearer und Wayne Rooney. Einen derart privilegierten Platz in der Ruhmeshalle wird Cavani nicht mehr erreichen. Er befindet sich mit 33 Jahren auf den letzten Metern seiner illustren Karriere und muss froh darüber sein, dass Manchester United bereit war, ihm nach dem Ende seiner Zeit bei Paris Saint-Germain mit einem Einjahres-Vertrag und einer Option auf ein weiteres Jahr auszustatten.

Cavanis Verpflichtung am letzten Tag der Transferperiode wurde in England als Paniktransfer gedeutet, als PR-Manöver, um von der Blamage auf dem Transfermarkt abzulenken, nachdem der Klub im Ringen mit Borussia Dortmund um Jadon Sancho eine peinliche Niederlage erlitten hatte. Auf große Namen zu setzen, oft im fortgeschrittenen Alter, das war für Manchester United in deprimierender Regelmäßigkeit schief gegangen in der jüngeren Vergangenheit, Beispiele sind Alexis Sánchez, Radamel Falcao oder Ángel Di María. Deshalb wird unter Solskjaer eigentlich der Neuaufbau mit jungen, britischen Spielern propagiert. 

Cavani soll keine Schlüsselrolle einnehmen

Im Gegensatz zu den genannten Fehlkäufen wird von Cavani allerdings nicht erwartet, dass er eine Schlüsselrolle einnimmt. Er ist im Angriff eine Ergänzung zu Marcus Rashford, Anthony Martial und Mason Greenwood, soll den jungen Kollegen als Vorbild dienen mit seiner Erfahrung und zusätzliche Torgefahr bringen. Cavani ist ein Mittelstürmer alter Schule, wie ihn der Klub seit dem Weggang von Romelu Lukaku zu Inter Mailand nicht mehr hatte, und die ersten Eindrücke stimmen hoffnungsvoll.

Nach seinem Doppelpack gegen das gut sortierte Southampton von Ralph Hasenhüttl liegt er bei drei Premier-League-Toren in fünf Joker-Einsätzen. Cavani hat bewiesen, dass er noch immer Matchwinner-Qualitäten hat, und ist in der Champions League gegen seinen Ex-Klub Paris Saint-Germain an diesem Mittwoch (02.12.2020) ein Kandidat für die Startelf.

Im Sommer auf der Ballett-Schule

In seinen sieben Jahren in Frankreichs Hauptstadt traf Cavani 200 Mal und ist damit Rekordtorschütze des Klubs, obwohl er immer im Schatten von Zlatan Ibrahimovic, Neymar oder Kylian Mbappé stand. Der Abschied verlief frostig. Nachdem ihm Thomas Tuchels Verein nach dem Saison-Abbruch in Frankreich im April mitgeteilt hatte, dass sein Vertrag nicht verlängert wird, entschied sich Cavani gegen die Teilnahme am Finalturnier der Champions League mit PSG.

Stattdessen verbrachte er den Sommer in seinem uruguayischen Heimatort Salto und nahm Unterricht an der nationalen Ballett-Schule in Montevideo. Der Umstand, dass Manchester United in dieser Saison in der Champions League auf seinen Ex-Arbeitgeber trifft, war angeblich einer der Gründe dafür, dass Cavani im Old Trafford unterschrieb. Er will sich revanchieren. 

Cavani ist bei seinem neuen Klub angekommen

In den 45 Minuten gegen Southampton trat er in die Fußstapfen seines Trainers, dessen Ruhm bekanntlich auf seinen Joker-Einsätzen basiert. Drei Torbeteiligungen als Einwechselspieler für Manchester United, das war zuletzt Solskjaer 1999 gelungen. Cavanis Spitzname ist eigentlich “El Matador”, doch in England wird er neuerdings “Super Sub” (etwa: Edeljoker) genannt - so wie einst Solskjaer.

Es passt allerdings zum wechselhaften Bild beim Premier-League-Neunten, dass die Freude über den Sieg schnell wieder getrübt wurde, und zwar von Cavani selbst. Für die Glückwünsche zu seiner Leistung bedankte er sich bei einem Fan über Instagram mit einem Ausdruck, der in seiner südamerikanischen Heimat offenbar gängig ist, in England aber als rassistisch gedeutet wird. Cavani löschte die Nachricht und bat um Entschuldigung, doch ihm droht eine Sperre von drei Spielen durch den englischen Verband. Nicht in allen Lebenslagen ist der Stürmer so clever wie im gegnerischen Strafraum.

Stand: 02.12.2020, 06:00

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