Topklubs bestätigen Reformpläne für die Champions League

Andrea Agnelli, Vorsitzender der europäischen Klubvereinigung ECA

Reform der Champions League

Topklubs bestätigen Reformpläne für die Champions League

Die europäische Fußball-Klubvereinigung ECA hat Pläne zur Neuordnung der Champions League und des Europacups ab 2024 bestätigt, Spekulationen über konkrete Inhalte der Reform aber zurückgewiesen.

"Es ist der Start eines Prozesses. Wir brauchen aber etwas Zeit, um die verschiedenen Vorschläge zu analysieren", sagte der ECA-Vorsitzende Andrea Agnelli, Präsident von Juventus Turin, auf der Abschluss-Pressekonferenz der Generalversammlung am Dienstag (26.03.2019) in Amsterdam.

Agnelli rechnete mit einer Bearbeitungszeit von "zwölf bis 18 Monaten". Der Prozess, der bei einem Treffen der ECA-Spitze mit Vertretern der Europäischen Fußball-Union (UEFA) eine Woche zuvor angestoßen worden war, werde "offen und transparent" geführt, betonte er. Auf die angeblichen Pläne zur radikalen Reform der Europapokal-Wettbewerbe wollte der 43-Jährige nicht weiter eingehen.

"Es war nur eine Vision dafür, was wir in Zukunft wollen, nichts Endgültiges", sagte er. Berichten, wonach künftig selbst die Gewinner der großen nationalen Ligen nicht automatisch für die Champions League qualifiziert sein könnten, widersprach Agnelli. "Das Dogma lautet: Die Meister werden immer reinkommen", sagte er. Dagegen sei eine ausgeweitete Auf- und Abstiegsregelung innerhalb der europäischen Wettbewerbe grundsätzlich denkbar, auch zusätzliche internationale Spiele am Wochenende (neben den Finalen in Champions League und Europa League) schloss der Italiener nicht explizit aus.

Berichte über Drei-Ligen-System

Am Wochenende waren Informationen über eine von der ECA zur Diskussion gestellte Neuregelung des Europacups in die Presse gelangt. Demnach wäre ein mögliches Format von 2024 an eine Champions League in einem Drei-Ligen-System mit Auf- und Abstieg. Entscheidende Änderung: Die Liga A würde mit vier Achtergruppen statt bislang acht Vierergruppen gespielt werden, ein Klub-Europameister anschließend aus den je vier besten Teams jeder Gruppe im K.o.-System ermittelt werden. Der potenzielle Sprengstoff: Statt wie bisher in sechs Gruppenspielen würde jedes Team schon vor dem Achtelfinale 14 Mal antreten müssen - das käme quasi einem Ligenbetrieb gleich. Und: Mit einer Auf- und Abstiegsregelung entfällt die Qualifikation über die nationalen Ligen.

Weitere Spieltagzerstückelung droht

Im ohnehin pickepackevollen Fußball-Kalender wäre für die acht zusätzlichen Termine der Eliteliga kaum Platz - außer die nationalen Ligen geben flexibel Raum für eine weitere Spieltagzerstückelung. Klar ist: Die erhofften Mega-Erlöse fließen nur, wenn der asiatische TV-Markt mit lukrativen Sendeplätzen am Wochenende zur frühen europäischen Nachmittagszeit bedient werden kann.

Schon jetzt gibt es massive Kritik aus den nationalen Ligen. "Alles, was die Werthaltigkeit der Bundesliga beschädigen könnte, findet überhaupt nicht meine Zustimmung. Dagegen müssen wir uns wehren", forderte Schalkes Finanzvorstand Peter Peters. DFL-Boss Christian Seifert hatte schon im Januar in der aufkommenden Debatte Europacup-Spiele am Wochenende als "rote Linie" bezeichnet und vorsorglich juristische Schritte angekündigt.

Super League unter dem Dach der UEFA

Die Strategie der Spitzenklubs im Machtkampf mit der UEFA und deren zunehmend hilflos wirkenden Chef Aleksander Ceferin scheint eindeutig. Jedes Risiko, dass man auch nur ein Jahr die Champions League verpassen könnte, muss ausgeschaltet werden. Der de-facto-Ligenbetrieb im angedachten Format würde aus der höchsten Königsklassen-Stufe schnell einen geschlossenen Zirkel der ohnehin Superreichen machen, die in den an Bedeutung verlierenden nationalen Ligen noch mehr Dominanz hätten.

Das wollten Juventus, Real und die Bayern schon immer - jetzt könnten sie es unter dem Dach der UEFA serviert bekommen.

UEFA mehr oder weniger hilflos

Die UEFA steckt im Dilemma. Ohne die Topklubs funktioniert die große Geldmaschine Champions League nicht. Das Boykott-Szenario von Real Madrid und Co. mit einer externen Super League bleibt hinter den Kulissen eine konkrete Bedrohung.

"Die Tabellen sind schon jetzt in vielen Ligen zementiert, die Meister jedes Jahr dieselben, auch in der Bundesliga. So wird der Fußball endgültig an die Wand gefahren", sagte der Generalsekretär des Verbunds der europäischen Fußball-Ligen (EPFL), Georg Pangl. In der kommenden Woche trifft sich die EPFL-Spitze zum Krisengespräch mit Ceferin.

Bundesliga braucht Super League nicht - eigentlich

Das deutsche Dilemma begründet sich durch die relativ intakte Bundesliga-Struktur. Wie auch für die englische Premier League gibt es nicht den großen Druck, eine europäische Spitzenklasse einzuführen. Ganz anders sehen das offenbar die Vertreter aus Frankreich, Italien und Spanien, wo die Leistungs- und Finanzschere zwischen den Besten wie Paris Saint-Germain, Juventus Turin sowie Real Madrid und dem FC Barcelona zum Rest der Ligen viel größer ist.

sid/dpa | Stand: 26.03.2019, 15:18

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