Wie die Europapokal-Saison weitergehen könnte

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Wie die Europapokal-Saison weitergehen könnte

Von Chaled Nahar

Die UEFA wird am Mittwochmittag (01.04.2020) den DFB und alle anderen Verbände in Europa über ihre Ideen für den Ablauf der restlichen Fußballsaison informieren. Es wird um die nationalen Ligen gehen, und wie Champions League und Europa League in den Plan passen. Ungewöhnliche Lösungen sind möglich.

Der virtuelle Tisch wird voll besetzt sein. Die UEFA hat die Generalsekretäre ihrer 55 Mitgliedsverbände zur Videokonferenz eingeladen. Für den DFB wird demnach Generalsekretär Friedrich Curtius dabei sein. Klar ist, dass die nationalen Ligen möglichst zu einem sportlichen Ende kommen sollen. Doch was passiert mit der Champions League und der Europa League?

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Viele Ideen für den weiteren Saisonverlauf

In der Champions League stehen vier Achtelfinal-Rückspiele plus der Rest des Turniers aus. In der Europa League wurde noch nicht ein Achtelfinale zu Ende gebracht. All diese Spiele stehen also aus. Die UEFA will bei der Konferenz die bisherigen Ergebnisse einer Arbeitsgruppe vorstellen, die sich mit den Möglichkeiten von Neuansetzungen der ausgefallenen Spiele beschäftigt. Die Endspiele beider Klub-Wettbewerbe, die für Ende Mai geplant waren, sind auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Dass noch keine Neuansetzung erfolgte, gibt Raum für verschiedene Möglichkeiten:

  • Der Idealfall: Wenn im Mai wieder gespielt werden kann, zur Not ohne Zuschauer, könnte in enger Taktung zum nationalen Ligabetrieb ein sportliches Ende bis zum 30. Juni geschafft werden.
  • Die gemeinsame Lösung: Die Saison wird bei Bedarf über den 30. Juni hinaus verlängert, nationale und internationale Wettbewerbe laufen parallel. Verträge mit Spielern, Sponsoren und Medien müssten möglicherweise angepasst werden.
  • Die gestraffte Version: Möglich wäre es, nur ein Spiel pro Runde zu spielen. Das Heimrecht könnte gelost oder nach den Vorgaben der Politik angesichts der Krise festgelegt werden.
  • Die Trennung: Die UEFA hat den Ligen mit der EM-Verschiebung schon einmal neuen Raum im Kalender verschafft. Wenn sie die Europapokal-Wettbewerbe isoliert im Juli und August zu Ende spielt, wäre im Mai und Juni noch mehr Zeit für die Ligen. Zudem müsste sich mit den 28 verbliebenen Europapokal-Teilnehmern nur eine kleine Zahl von Klubs mit der Problematik des 30. Juni beschäftigen.
  • Die Absage: Reicht im weiteren Verlauf der Krise die Zeit vielleicht nur für die Ligen oder den Europapokal? In diesem Fall wären Champions League und Europa League wohl von nachrangiger Bedeutung.

"Es gibt einen Plan A, einen Plan B und einen Plan C", sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin mit Blick auf alle Wettbewerbe. "Wir können im Mai, im Juni oder auch erst Ende Juni wieder anfangen." Ein Saisonende sei dann auch für den Herbst denkbar, wofür die neue Saison dann später starten müsse. Sollten diese Termine nicht umsetzbar sein, sei "die Saison wahrscheinlich verloren".

Internationale Spiele schwieriger umzusetzen

Das große Problem für die UEFA: In den unterschiedlichen europäischen Ländern herrschen in Sachen Coronavirus bald möglicherweise unterschiedliche Situationen. Wenn ein Land Spiele wieder zulassen sollte, muss das im Land des Gegners noch lange nicht der Fall sein. Für die UEFA ist die Neuansetzung von Spielen damit deutlich schwieriger als für die Ligen. Die Europa League hält laut Spielplan im Achtelfinale Partien in der Schweiz, Italien, Spanien, Dänemark, England, Ukraine und Deutschland bereit. In der Champions League sind es Italien, Spanien, England und Deutschland. Werden alle diese Länder gleichzeitig bereit sein, wieder Fußball zu spielen? Diese Vorhersage kann niemand seriös treffen.

Eine Priorisierung könnte die Folge sein. "Wenn es keine Alternativen gibt, ist der Abschluss der Meisterschaften wohl die bessere Lösung", sagte Ceferin in der italienischen Zeitung "La Republicca". Denn damit wäre klar, dass die Teilnehmer für die kommende Europapokalsaison ermittelt werden und die Einnahmen im Europapokal für die UEFA und die Teilnehmer wieder fließen.

Finanzielle Fragen werden kommen

Bei der Konferenz am Mittwoch wird außerdem das Thema Geld sicher eine große Rolle spielen. Die Klubs, Ligen, Verbände und die UEFA selbst versuchen nach wie vor, alle Spiele auszutragen, um die finanziellen Verluste beim Fernsehgeld und bei den Sponsoreneinnahmen so gering wie möglich zu halten. Eine weitere Arbeitsgruppe der UEFA sollte sich Fragen zu den Transferfenstern und den Spielerverträgen widmen, aber auch mit den finanziellen Folgen beschäftigen.

Und die sind bekanntlich deutlich: Im Fußball beschäftigte Menschen verlieren möglicherweise ihre Arbeitsplätze. In der Slowakei ist mit MSK Zilina der erste Klub in die Insolvenz gegangen, Spieler unterhalb der Spitze fürchten um ihre Weiterbeschäftigung. Dominique Blanc, Präsident des Schweizer Verbandes, hatte beim UEFA-Kongress Anfang März in Amsterdam bereits angekündigt, dass finanzielle Hilfe der UEFA für die Verbände bald notwendig werden könnte.

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Auch der UEFA brechen Einnahmen weg

Wie die aussehen könnte, ist unklar. Denn die UEFA hat zudem vielleicht bald selbst ein Problem. Die EM sollte Einnahmen von 2,1 Milliarden Euro bringen, die Klub-Wettbewerbe der Saison 2018/19 brachten fast 3,9 Milliarden Euro ein. Beide Einnahmemöglichkeiten fallen für die UEFA nun vorerst ganz oder teilweise aus.

Es gibt laut Finanzbericht der UEFA eine "nicht zweckgebundene Reserve" von mindestens 500 Millionen Euro. "Die UEFA benötigt Mittel, um gegen Geschäftsrisiken und unvorhergesehene Ereignisse abgesichert zu sein", heißt es dazu in dem Bericht. Das Geld könnte also bald zum Einsatz kommen.

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