Zorc: "Für Champions League fehlen rechtliche Voraussetzungen"

Dortmunds Sportlicher Leiter Michael Zorc (Bild vom 06.06.2020)

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Zorc: "Für Champions League fehlen rechtliche Voraussetzungen"

Von Niklas Schenk

Wie soll die Champions League in Zeiten des Coronavirus stattfinden können? Ein Interview von BVB-Sportdirektor Michael Zorc lässt aufhorchen - denn Zorc fragt sich, ob der Wettbewerb rechtlich überhaupt erlaubt ist.

"Wenn wir am Mittwoch in der Champions League in einem Risikogebiet antreten, was wahrscheinlich bei mehr als der Hälfte der beteiligten Großstädte der Fall sein wird, dann sollten die Grundlagen dafür geschaffen sein, dass wir anschließend samstags in der Bundesliga wieder spielen dürfen", sagte Zorc der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Tatsächlich fehlen noch die rechtlichen Voraussetzungen, um diese Spiele überhaupt austragen zu können", so Zorc weiter.

Zwölf von 26 bisher qualifizierten Teams kommen aus Risikogebieten

26 von 32 Teilnehmern der kommenden Champions-League-Saison stehen schon fest. Zwölf von ihnen gelten laut Robert Koch-Institut aktuell als Risikogebiete. Dazu zählen alle vier spanischen Teilnehmer (Real und Atletico Madrid, FC Barcelona, FC Sevilla), die drei französischen Teilnehmer aus Paris, Marseille und Rennes, die beiden russischen Teams aus Petersburg und Moskau sowie Donezk, Istanbul und Amsterdam.

Andere ebenfalls schon qualifizierte Mannschaften wie Porto oder Brügge verzeichnen in ihren Heimstädten aktuell stark steigende Infektionszahlen und könnten womöglich bald ebenfalls zu Risikogebieten erklärt werden. Hinzu kommen Teams aus Budapest, Tel Aviv oder Salzburg, die im Moment in der Qualifikation noch um einen Startplatz für die kommende Champions League kämpfen.

Bayern bot für Fans kostenlose Corona-Tests an

Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland wieder einreist, für den gelten je nach Bundesland in Deutschland unterschiedliche Regeln. Fans des FC Bayern München hätten nach dem Besuch des Supercup-Spiels in Budapest eigentlich eine 14-tägige Quarantäne antreten müssen - konnten diese durch einen freiwilligen und negativen Corona-Test aber umgehen. Der FC Bayern bot in der heimischen Arena kostenlose Tests an.

Die Bundesligisten werden vor jedem Bundesliga-Spiel ohnehin getestet. Zorcs Aussagen dürften zum einen in Frage stellen, ob sich (zuverlässige) Testergebnisse innerhalb des engen Terminplans zwischen einem Champions-League-Spiel und einer Bundesliga-Partie organisieren lassen. Zum anderen geht es darum, ob beispielsweise auch ein Bundesland wie Nordrhein-Westfalen es erlaubt, dass Champions-League-Teilnehmer wie Gladbach oder Dortmund in Risikogebieten antreten und kurz darauf Bundesliga-Spiele bestreiten - und dies womöglich sogar vor Zuschauern.

Unklar ist im Flickenteppich der europäischen Corona-Regeln auch, wie die unterschiedlichen Länder es handhaben, wenn teilnehmende Mannschaften für Partien der Königsklasse in Länder einreisen müssten, die als Risikogebiete gelten.

Die UEFA setzt mit dem Supercup ein klares Zeichen

Die UEFA hat mit mehr als 15.000 Zuschauern beim Supercup zwischen Bayern München und Sevilla unter der Woche zumindest in der Frage der Zuschauer in Stadien ein deutliches Zeichen gesetzt. "Wir haben uns gefreut, wieder eine echte Fußball-Atmosphäre zu spüren, und es zeigt einmal mehr, dass die Fans der Lebensnerv des Spiels sind", teilte die UEFA mit.

Dabei gilt Budapest aktuell als Risikogebiet. Eigentlich darf laut ungarischem Recht aktuell auch niemand aus dem Ausland ins Land einreisen. Für Zuschauer einiger Veranstaltungen gelten jedoch Ausnahmen - wie eben beim Supercup-Finale.

Für Zuschauer von Sportveranstaltungen gelten Extraregeln

Zuschauer dieser Veranstaltungen dürfen seit kurzem für maximal 72 Stunden ins Land. "Die Frage ist, ob wir garantieren können, dass das Spiel keine Gefahr für ungarische Staatsbürger bedeutet", sagte der ungarische Kanzleramtsminister Gergely Gulyas. "Wenn wir es nicht garantieren können, werden wir keine Fans ins Land lassen, aber wenn wir es können, warum sollten wir die Fans nicht einreisen lassen?"

Was das Spiel für die Champions League bedeutet, und ob andere Länder dieser ungarischen Sichtweise folgen werden, ist noch unklar. Die UEFA jedenfalls will nun gemeinsam mit dem ungarischen Fußballverband die "verschiedenen Aspekte der Organisation gründlich prüfen", teilte der Verband mit.

Auslosung der Gruppenphase am Donnerstag

Der Supercup dürfte also Auswirkungen auf den Umgang mit Champions-League-Teilnehmern aus Risikogebieten haben - und die Frage der Zuschauer in den Stadien. Rund um die Auslosung der Champions League am Donnerstag (01.10.2020) in Nyon sollen Fragen dazu beantwortet werden.

Die Gruppenphase der Königsklasse soll planmäßig am 20. Oktober beginnen. Bis Mitte Dezember ist die Austragung der Vorrunde geplant, Mitte Februar 2021 soll das Achtelfinale starten. Das Finale ist am 29. Mai 2021 angesetzt und soll in Istanbul stattfinden. Istanbul und die Türkei werden bereits seit Mitte Juni vom Robert Koch-Institut als Risikogebiete eingestuft.

Stand: 27.09.2020, 11:37

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