Champions League - auch Barcelona im Krisenmodus

Enttäuschung beim FC Barcelona

5. Spieltag

Champions League - auch Barcelona im Krisenmodus

Von Frank van der Velden

Nicht nur Borussia Dortmund steckt in der Krise, auch beim Champions-League-Gegner FC Barcelona läuft es nicht rund - trotz Tabellenführung in Primera Division und Königsklasse.

Auf den ersten Blick sieht alles gut aus. Nach 14 Spieltagen ist der FC Barcelona Tabellenführer der spanischen Primera Divison, und auch in der Champions-League-Gruppe F stehen die Katalanen vor dem Duell mit Borussia Dortmund am Mittwoch (27.11.2019) oben.

Dennoch kriselt es. Ins Bild passt das Spiel beim Tabellenletzten CD Leganes am Samstag. Barca gewann mit 2:1, spielte aber schlecht und kam nach Rückstand erst in der zweiten Halbzeit zum Erfolg.

Schon drei Pleiten und kein Hurra-Fußball

Drei Niederlagen hat Barcelona schon kassiert, zuletzt gab es ein 1:3 in Levante, wo die drei Gegentreffer in nur acht Minuten fielen. Tabellenführer ist das Team nur, weil die Konkurrenz aus Madrid ebenfalls schwächelt. Von den Topteams der Primera Division hat Barca die meisten Gegentreffer kassiert - nämlich 16. Erst dreimal blieb die Abwehr ohne Gegentor.

In der Champion League sieht es ähnlich mau aus. Beim Hinspiel in Dortmund und daheim gegen Slavia Prag reichte es nur zu einem 0:0. Das kam beim BVB auch noch glücklich zustande, weil Torwart Marc-André ter Stegen einen Elfmeter parierte. Und die beiden Siege gegen Inter Mailand und in Prag fielen mit 2:1 jeweils knapp aus.

Natürlich ist das Gejammer auf hohem Niveau. Barcelona bringt nur nicht das auf den Rasen, was es von sich selbst erwartet und läuft den eigenen Ansprüchen hinterher. Klare Siege und begeisternden Fußball gab es in dieser Saison bisher nur sehr selten. Das genau jedoch erwarten die Fans des Traditionsklubs.

Valverde in der Kritik

Angelastet wird das vor allem Trainer Ernesto Valverde. Er hat es bisher vor allem immer noch nicht geschafft, Antoine Griezmann zu integrieren. Der Franzose, der im Sommer von Atletico Madrid kam, wirkt oftmals wie ein Fremdkörper und ohne jede Bindung zum Spiel. Zudem soll es atmosphärisch nicht klappen mit Lionel Messi und Luis Suarez.

Frenkie de Jong, der zweite namhafte Zugang, ist zwar besser angekommen in Barcelona, doch Valverde weiß nicht so recht, was er mit dem Niederländer machen soll. Er lässt ihn abwechselnd auf der Sechser- und der Achterposition spielen, was de Jong offensichtlich nicht gut tut.

Pomadig, unsouverän, ideenlos

Um das Offensivspiel des Teams zu beschreiben, überschlagen sich die spanischen Medien in diesen Tagen mit negativ behafteten Adjektiven - von  pomadig, unsouverän, ideenlos, blass, uninspiriert und lethargisch ist da die Rede. Das Team habe offenbar ein Mentalitätsproblem, auch das wird Valverde angekreidet.

Der versuchte es zuletzt sogar mit einer neuen Taktik und rückte vom klassischen 4-3-3 ab. In Leganes schickte er erstmals in dieser Saison Messi, Ousmane Dembélé, Griezmann und Suarez und damit seine geballte Offensive aufs Feld. Spielerisch gebracht hat das aber nichts. Für die beiden Tore mussten zwei Standardsituationen her, von denen Barca in dieser Saison auffällig abhängig ist.

Große Abwehrsorgen

Gegen Dortmund hat Valverde große Abwehrsorgen. Drei Spieler der etablierten Viererkette fallen aus - mindestens. Die beiden Außenverteidiger Nelson Semedo und Jordi Alba sind verletzt, Innenverteidiger Gerard Piqué fehlt wegen einer Gelbsperre. Ob Clement Lenglet spielen kann, steht noch nicht fest. Samuel Umtiti kehrte erst zuletzt nach langer Verletzungspause in den Kader zurück.

Da bleiben selbst beim FC Barcelona nicht mehr allzu viele Alternativen. Hinten rechts werden wohl Mittelfeldspieler Sergi Roberto oder der unerfahrene Moussa Wague verteidigen. Auf der linken Seite muss wahrscheinlich Junior Firpo ran. Für Piqué könnten Jean-Clair Todibo oder Ronald Araujo, der eigentlich zum Kader der B-Mannschaft zählt, auflaufen - neben Lenglet oder Umtiti. Für Todibo, Firpo und Araujo wäre es der erste Einsatz in der Champions League.

Dortmund "auf Augenhöhe"

Ob Borussia Dortmund das nutzen kann, ist allerdings fraglich. Der BVB hat bekanntlich seine eigenen Probleme - die denen des FC Barcelona übrigens nicht unähnlich sind. Vorne läuft es nicht rund, hinten fängt man sich zu viele Tore, und der Trainer wackelt auch. Wer das Krisenduell im Camp Nou gewinnt, ist deshalb auch völlig offen.

Stand: 26.11.2019, 12:38

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