Wie ungleiche Resultate der Champions League schaden

0:5 - eine Anzeigetafel beim Spiel Viktoria Pilsen gegen Real Madrid

Viele hohe Siege in der Königsklasse

Wie ungleiche Resultate der Champions League schaden

Von Chaled Nahar

In der Champions League gibt es ein Problem: Viele Spiele enden mit überdeutlichen Ergebnissen. Die Ungleichheit senkt die Attraktivität und den sportlichen Wert.

Als Toni Kroos in der 67. Minute im Spiel von Real Madrid bei Viktoria Pilsen traf, war einer der bisher deutlichsten Siege in der aktuellen Saison der Champions League klar. 5:0 gewann Real Madrid beim tschechischen Meister - völlig ungefährdet, fast noch mit Luft nach oben. Spannung gab es keine, es wirkte wie ein Schaulaufen der großen Stars, die gegen den chancenlosen Außenseiter tun konnten, was sie wollen.

5:0 und 6:0 - regelmäßige Resultate in der Champions League

In der Champions League sind solche Resultate alles andere als eine Seltenheit. Ein 4:0 gab es in der laufenden Gruppenphase schon vier Mal - aber auch die Endergebnisse 5:0, 6:0 oder 6:1 waren dabei.

Und es scheint ein Trend zu sein. Der aktuelle Modus der Champions League mit 32 Mannschaften in acht Gruppen wurde zur Saison 2003/04 eingeführt.

Nach dem jeweils vierten Spieltag hat es in den ersten acht Spielzeiten zwischen 2003 und 2011 mit diesem Modus 86 Ergebnisse von mindestens drei Toren Unterschied gegeben, was einem Anteil von 16,8 Prozent entspricht.

In den jüngsten acht Saisons inklusive der aktuellen seit 2011 waren es 114 Spiele, die derart deutlich endeten - was 22,27 Prozent sind.

Die Champions League nach dem 4. Spieltag
SaisonSpiele mit mind.
3 Toren Differenz
Spiele gesamtAnteil in %
2018/19176426,56
2017/18216432,81
2016/17156423,44
2015/16116417,19
2014/15146421,88
2013/14196429,69
2012/1386412,50
2011/1296414,06
2010/11136420,31
2009/10116417,19
2008/09116417,19
2007/0886412,50
2006/07146421,88
2005/06116417,19
2004/0596414,06
2003/0496414,06

Der Trend setzt sich nach den Reformen fort

Die Folge von derart ungleichen Spielen ist ein unausgeglichener Wettbewerb. Die UEFA beschloss vor der aktuellen Saison einige Reformen, die nach der Einschätzung von Experten die Großen noch größer machen werden. Es gibt mehr Geld für die Spitzenklubs und auch mehr Startplätze in der Gruppenphase für die vier großen Nationen, während Länder wie die Schweiz oder die Niederlande nicht mal mehr einen direkten Starter haben.

Citys Gabriel Jesus beim 6:0 gegen Schachtjor Donezk

Citys Gabriel Jesus beim 6:0 gegen Schachtjor Donezk

Vielleicht war es neben dem finanziellen Antrieb aber auch ein Gedanke, dass dem Tabellenvierten der Premier League in einem Spiel beim FC Barcelona mehr zuzutrauen ist als dem Meister der Schweizer Liga. Selbst wenn das der Fall war, bleibt die Wirkung aus: Der Trend setzt sich bislang auch in der aktuellen Saison fort. Den höchsten Sieg der ersten vier Spieltage feierte Manchester City mit einem 6:0 gegen Schachtjor Donezk.

Champions League ungleicher als die Topligen

Dass die Champions League ein besonderes Problem mit einem unausgeglichenen Wettbewerb hat, zeigt ein Vergleich mit den großen nationalen Ligen in Europa. Die sportliche Lücke zwischen Spitzenklubs und restlichen Vereinen wird zwar vielerorts in Europa auch in den nationalen Ligen immer größer: Die Bayern in Deutschland (sechs Mal) oder Juventus Turin in Italien (sieben Mal) sind aktuelle Serienmeister, in anderen Ligen wird der Titel meist dauerhaft unter wenigen Klubs ausgemacht.

Aber der Anteil an klaren Siegen ist in der Champions League mit deutlichem Abstand höher als in den fünf besten Ligen Europas.

Ligen im Vergleich (Stand jeweils 26.11.2018)
LigaSpiele mit mind.
3 Toren Differenz
Spiele gesamtAnteil in %
Champions League176426,56
Deutschland2111717,95
England2113016,15
Italien2213016,92
Frankreich2214015,71
Spanien1513011,54

Was die Folgen sein könnten

Neymar beim 6:1 von PSG gegen Roter Stern Belgrad

Neymar beim 6:1 von PSG gegen Roter Stern Belgrad

Die UEFA sollte bei künftigen Anpassungen ihrer Statuten für die Königsklasse also die Ungleichheit im Blick haben. Denn wenn der Wettbewerb noch weiter aus dem Gleichgewicht gerät, produziert er irgendwann keine historischen Momente und großen Stars mehr, sondern Langeweile. Und das hat irgendwann Folgen an der empfindlichsten Stelle: beim Geld.

Thema: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Dienstag, 27.11.18, ab 22.50 Uhr

Stand: 27.11.2018, 14:02

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