Sevilla-Stürmer Ben Yedder reichen 20 Minuten

Wissam Ben Yedder

Champions League

Sevilla-Stürmer Ben Yedder reichen 20 Minuten

Von Marco Schyns

Sevillas Wissam Ben Yedder reichte im Champions-League-Achtelfinale gut 20 Minuten Einsatzzeit, um das Duell gegen Manchester United zu entscheiden. In der Torjägerliste steht nur Cristiano Ronaldo vor dem Franzosen.

Es war die pure Ekstase in der 74. Minute im Old Trafford am Dienstagabend (13.03.18). Mit seinem ersten Ballkontakt schob Wissam Ben Yedder in der 74. Minute die Kugel zum 1:0 für den FC Sevilla über die Linie und versetzte Manchester United in eine kollektive Schockstarre.

Als Ben Yedder mit seinem dritten Ballkontakt und zweiten Treffer nur vier Minuten später dem großen Favoriten aus England den Todesstoß versetzte, kannte der Jubel der Andalusier keine Grenzen mehr. Zum ersten Mal überhaupt in der Vereinsgeschichte steht Sevilla im Viertelfinale der Champions League. Zu verdanken haben sie das einem Mann, der in den ersten 160 Minuten des Achtelfinal-Duells gegen United keine Rolle spielte.

Dabei stellten sich nicht nur die spanischen Fans die Frage: Warum eigentlich nicht? Schließlich war es Ben Yedder, der Sevilla überhaupt erst ins Achtelfinale führte. Mit sechs Toren in der Gruppenphase zählte der Franzose zu den gefährlichsten Angreifern der Vorrunde. Nach seinem Doppelpack im Achtelfinal-Rückspiel hat nur Superstar Cristiano Ronaldo (12) aktuell mehr Treffer auf dem Konto als Ben Yedder (8).

Früher Futsal-Nationalspieler, heute Torjäger

Ben Yedder wurde im August 1990 als Kind tunesischer Eltern in einer kleinen Gemeinde in Nordfrankreich geboren. Mit einer Körpergröße von nur 1,70 Meter war er in der Jugend vor allem im Futsal-Bereich erfolgreich und brachte es dort auch zum A-Nationalspieler. 2009 entschied sich der heute 27-Jährige dann aber für den Fußball - und startete seine Karriere in der vierten französischen Liga.

Nur ein Jahr später wurde er vom FC Toulouse entdeckt, für den er bis 2016 auf Torejagd ging - mit einer sehr guten Quote: 63 Tore in 156 Spielen. Für eine Berufung in Frankreichs A-Nationalmannschaft reichte es bislang aber noch nicht, wohl nicht nur wegen des großen Konkurrenzkampfes in der "Equipe Tricolore".

Im November 2012 wurde Ben Yedder nach einer Feier in einem Pariser Nachtclub gemeinsam mit seinen damaligen U21-Nationalmannschaftskollegen Yann M'Vila, Antoine Griezmann, Chris Mavinga und M'Bye Niang vom französischen Fußballverband für über ein Jahr von allen Länderspielen ausgeschlossen. Seither hat der Stürmer kein Spiel mehr im Nationaltrikot bestritten.

Nationalmannschaft wieder ein Thema

Gut möglich, dass sich das bald ändert. Mit seinem beeindruckenden Aufritt auf der großen Bühne Champions League hat sich Ben Yedder wieder in den Fokus gespielt - und in Frankreich wird diskutiert, ob der Sevilla-Stürmer nicht doch mit zur WM nach Russland fahren sollte.

19 Tore in allen Wettbewerben hat Ben Yedder in dieser Saison erzielt - und damit mehr als PSG-Star Kylian Mbappé (17), Manchester Uniteds Anthony Martial (11), Arsenals Alexandre Lacazette (9), Bayerns Kinglsey Coman (7), Marseilles Florian Thauvin (18) und Olivier Giroud (8) vom FC Chelsea. Aus der exzellent besetzten französischen Offensive haben in dieser Saison nur Antoine Griezmann und Nabil Fekir, jeweils 21 Tore, öfter getroffen.

Ben Yedder selbst hat den Traum von der Nationalmannschaft noch nicht aufgegeben. "Ich weiß, dass ich, im Vergleich zu den anderen Spielern auf meiner Position, noch einen großen Rückstand habe in Sachen Nationalmannschafts-Erfahrung, aber ich akzeptiere das", sagte Ben Yedder Ende vergangenen Jahres in einem Interview: "Ob ich es verdiene? Das ist eine subjektive Einschätzung, dazu hat jeder seine Meinung. Am Ende entscheidet der Trainer. Ich werde weiter arbeiten, dann ist alles möglich."

Probleme unter dem neuen Trainer Montella

Sevilla-Coach Vincenzo Montella (l.) und Stürmer Wissam Ben Yedder

Sevilla-Coach Vincenzo Montella (l.) und Stürmer Wissam Ben Yedder

Zum Zeitpunkt des Interviews war Ben Yedder in absoluter Topform. Nach schwieriger Anfangsphase in Sevilla im Herbst 2016 kam der Franzose immer besser in Fahrt. Am Ende der ersten Saison standen 24 Torbeteiligungen in 42 Spielen. Damit fuhr die Nummer 9 der Andalusier in dieser Saison fort. Ben Yedder traf in beiden Champions-League-Qualifikationsspielen und steuerte bis Anfang Januar drei Treffer im Pokal, fünf in der Liga und eben jene sechs in der Königsklasse bei. Danach wurde es ruhiger um ihn. Unter dem neuen Trainer Vincenzo Montella, der seit Ende Dezember im Amt ist, muss Ben Yedder auch schon mal auf der Bank Platz nehmen - vor allem in den vermeintlich großen Spielen, in denen der Trainer auf nur eine Spitze setzt - den Kolumbianer Luis Muriel.

So war es auch in den beiden Partien gegen Manchester United. Wobei Montella für seine Entscheidung, Ben Yedder im Hinspiel nicht einmal einzuwechseln, durchaus Kritik einstecken musste. Womöglich war es auch ein taktischer Geniestreich, den vermeintlich besten Torjäger im Team erst in den letzten 20 Minuten des Achtelfinales einzusetzen. Denn mehr hat Wissam Ben Yedder nicht gebraucht, um Sevillas Champions-League-Held zu werden.

Stand: 14.03.2018, 13:15

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