Belgrads Rückkehr nach 26 Jahren

Jubel bei Roter Stern Belgrad in Salzburg

Champions League

Belgrads Rückkehr nach 26 Jahren

Von Chaled Nahar

Roter Stern Belgrad hat erstmals seit 1992 die Gruppenphase der Champions League erreicht. Der Klub hat die schwierigen Zeiten sportlicher und finanzieller Art hinter sich gelassen.

Sie haben lang genug gewartet, da ist das bisschen Schlangestehen auch noch drin: Die Rückkehr in den wichtigsten europäischen Klubwettbewerb nach 26 Jahren löste in Belgrad eine große Euphorie aus. Am Tag des Kartenvorverkaufs für die drei Heimspiele gegen Paris Saint-Germain, den FC Liverpool und den SSC Neapel in der Gruppenphase der Champions League standen hunderte Fans an, auf einem Video wirkt die Schlange geradezu endlos.

Trainer muss die Euphorie bremsen

Die Vorfreude auf das erste Spiel gegen den SSC Neapel am Dienstag (18.09.2018/18:55 Uhr) ist riesig. "Es wird ein großes Schauspiel für uns", sagte Trainer Vladan Milojevic. "Wir werden mit unseren Fans alles daran setzen, etwas zu holen."

Er musste vor dem Wochenende allerdings schon mahnen, dass sich die Spieler doch bitte zunächst auf das Heimspiel gegen Radnik Surdulica in der serbischen Super Liga konzentrieren mögen. "Die Meisterschaft steht an erster Stelle", sagte er. Die Worte scheinen gewirkt zu haben, seine Mannschaft gewann 6:0 und ist nach sieben Spielen als Titelverteidiger in der serbischen Meisterschaft ohne Punktverlust Tabellenführer.

Absturz nach dem größten Triumph

Roter Stern Belgrad gewinnt 1991 den Europapokal der Landesmeister

Roter Stern Belgrad gewinnt 1991 den Europapokal der Landesmeister.

Damit ist der Klub auf allen Ebenen wieder dort, von wo er nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte abgestürzt war. Der Sieg im Europapokal der Landesmeister 1991, als Roter Stern im Finale von Bari Olympique Marseille im Elfmeterschießen besiegte, war die Sternstunde des Klubs. Doch danach verlor der Verein seine Stars wie Robert Prosinecki, Dejan Savicevic, Sinisa Mihajlovic oder Darko Pancev an andere europäische Klubs.

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Die Balkankriege, der daraus folgende Ausschluss der jugoslawischen Klubs durch die UEFA und die finanziellen Folgen daraus warfen den Klub weit zurück. In den 00er Jahren avancierte Lokalrivale Partizan zwischenzeitlich zur Nummer eins des Landes, die nationale Dominanz von Roter Stern war lange Zeit dahin. Nun scheint der Klub in Serbien zumindest wieder gleichauf mit Partizan.

Millionen aus Russland

Der neue Erfolg ist eng verbunden mit einer neuen Geldquelle für Roter Stern. Nachdem der Klub jahrelang Schulden im zweistelligen Millionenbereich vor sich her schob, setzte der russische Energiekonzern Gazprom, der auch Großsponsor bei Schalke 04 und der UEFA ist, der finanziellen Schwächephase ein vorläufiges Ende. Russland hat seit einiger Zeit große geopolitische Interessen in Serbien, das Sponsoring des teilstaatlichen russischen Konzerns bringt dem Klub nun viele Millionen Euro.

Marko Marin (r.) und Richmond Boakye

Marko Marin (r.) und Richmond Boakye

Trotz des russischen Geldes bleibt Roter Stern einer der größten Außenseiter der Saison. Zwar leistete sich der Klub Marko Marin als neuen Spieler - doch locker sitzt das Geld keineswegs, in den vergangenen fünf Jahren erwirtschaftete der Klub jeweils klare Transferüberschüsse. Laut des Portals "transfermarkt.de" hat der Kader den drittkleinsten Wert aller 32 Mannschaften im Wettbewerb, nur AEK Athen und Viktoria Pilsen haben geringere Werte.

Eine Party mit bösen Folgen

Die große Feier zur Rückkehr in die Champions League fand Ende August in Österreich statt. Mit dem 2:2 bei Red Bull Salzburg qualifizierte sich Roter Stern für die Gruppenphase der Champions League. Der Preis für die Party war allerdings hoch. Zahlreiche Belgrader Fans liefen nach dem Schlusspfiff auf den Platz, nahmen ihren Spielern teilweise die Trikots ab und feierten mit viel Feuerwerk - es war klar, dass das nicht folgenlos bleiben würde.

Platzsturm nach dem Erreichen der Champions League: Roter Stern Belgrad

Platzsturm nach dem Erreichen der Champions League: Roter Stern Belgrad

Zwei ziemlich spannende Reisen, nämlich die zu den Spielen bei Paris Saint-Germain (03.10.2018) und beim FC Liverpool (24.10.2018) bleiben den Fans von Roter Stern nach einem Urteil der Disziplinarkommission der UEFA nun verwehrt. Das große Schlangestehen gilt also zunächst nur für Heimspiele von Roter Stern Belgrad.

Stand: 17.09.2018, 11:31

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