Daniele De Rossi - der letzte römische Krieger

AS Roms Daniele De Rossi in Aktion

Vor dem Rückspiel im Halbfinale der Champions League

Daniele De Rossi - der letzte römische Krieger

Von Jörg Strohschein

Für Daniele De Rossi ist es ein lange gehegter Traum, mit AS Rom die Champions League zu gewinnen. Der 34-Jährige hat trotz vieler Angebote europäischer Spitzenklubs seinem Verein stets die Treue gehalten - und keinen wichtigen Titel gewonnen.

Für immer ist es seine Stadt. Rom, die ewige Stadt, ist die Heimat, ist das Herz des Daniele De Rossi. Er stammt aus dem Speckgürtel Roms, dem Badeort Ostia. Schon als Kind wollte er zur Roma.

Die AS hatte ihn schon ganz früh verzaubert, später war er dort Balljunge. Und das verbindet ihn mit seinem alten Kampfgenossen Francesco Totti, der im vergangenen Jahr - nach 24 Jahren - seine schier unendliche Karriere beendet hatte.

Als Teenager wechselte De Rossi nach Rom - und sollte den Verein nicht mehr verlassen. Seit 2002 wird er bereits als Profi der "Giallorossi" geführt. "Bei der Roma zu bleiben war eigentlich falsch. Aber das alles wusste ich ja", sagte De Rossi kürzlich bei "Canal Football Plus". De Rossi ist der letzte echte Krieger der Roma. Mehr als 430 Spiele allein in der Serie A hat er für AS bestritten. Eine echte Ausnahme.

Besondere Form von Ehrgeiz

De Rossi befindet sich im Spätherbst seiner Karriere. Im Sommer wird er 35 Jahre alt. Und vor allem deshalb ist das Rückspiel im Halbfinale der Champions League gegen den FC Liverpool seine wohl letzte große Chance, noch einen großen Titel mit der Roma zu gewinnen.

Vor 17 Jahren haben sie in Rom die bislang letzte Meisterschaft gewonnen, da war er noch Jugendspieler. "Es ist eben eine andere Form von Ehrgeiz. Dort zu bleiben, wo man nicht jede Saison einen Titel gewinnt, heißt auch, dass man dort etwas verändern und eine Siegermannschaft mit aufbauen kann. Dann macht das Gewinnen von Titeln noch mehr Spaß", sagt De Rossi.

Eigentor von De Rossi

Die Voraussetzungen für das Erreichen des Finales sind alles andere als optimal. Beim FC Liverpool kam die Roma beim 2:5 gehörig unter die englischen Räder. Die Italiener benötigen deshalb einen erneuten Traumtag, wollen sie auch diese Hürde meistern. Einmal ist ihnen ein kleines Fußballwunder in dieser Spielzeit bereits gelungen.

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Im Viertelfinal-Hinspiel hatten sie, unter anderem wegen eines Eigentores von De Rossi, mit 1:4 beim FC Barcelona verloren. Viele Menschen hätten nach diesem Fehltritt des Mittelfeldspielers bereits an ihm gezweifelt, ließ De Rossi wissen. Aber: "Ich schmeiße mich lieber mit Leidenschaft rein und riskiere ein Eigentor, anstatt einfach nur sicher zu spielen. Ich muss kämpfen und alles für diese Spieler und diesen Verein geben."

Im Rückspiel schossen die Römer die Katalanen dann mit 3:0 aus dem Stadion, auch weil De Rossi einen Elfmeter eiskalt verwandelte. In dieser Partie war die Leidenschaft zu sehen, mit der De Rossi es über viele Jahre bis in die europäische Spitze geschafft hat.

Starker Fußballer, markige Worte

Sein Einsatzwille, seine kämpferischen Fähigkeiten, seine (über-)harten Grätschen gepaart mit zwei starken Füßen, die mit dem Ball umzugehen wissen, machen ihn zu einem außergewöhnlichen Defensivspezialisten. Über welch hohes Niveau er verfügt, hat er im Jahr 2006 nachgewiesen, als er mit Italien Weltmeister wurde.

Doch trotz seiner Erfolge, seiner finanziellen Ausstattung und seiner gehobenen gesellschaftlichen Stellung ist De Rossi stets auch der Straßenjunge geblieben, der er war, als er zur Roma kam. Nicht nur seine äußere Erscheinung mit Vollbart und auffälligen Tatoos machen ihn zu einem Blickfang, auch seine markigen Worte haben ihn oft anecken lassen.

Wie ein Vulkan

"Früher war ich wie ein Vulkan, manchmal vielleicht auch zu sehr", sagt er selbstkritisch. "Mein Charakter bringt mich dazu, manchmal etwas zu sagen, was anderen nicht gefällt." De Rossi hatte aber auch immer die Größe, sich für seine Ausraster zu entschuldigen. Raue Schale, weicher Kern.

Der dreifache Familienvater will es nun gegen Liverpool nochmal wissen. Sollte der Finaleinzug gelingen, wäre es für De Rossi nur noch ein Schritt, sein sportliches Lebensziel noch auf den letzten Drücker zu erreichen.

Stand: 02.05.2018, 08:30

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