Champions League: Fans großer Klubs fordern Stopp der Reformpläne

Ein Banner vor dem Stadion des FC Bayern München

Offener Brief an Klubvereinigung

Champions League: Fans großer Klubs fordern Stopp der Reformpläne

Von Marcus Bark und Chaled Nahar

Die Fans von größtenteils namhaften europäischen Fußballklubs gehen auf Konfrontationskurs gegen ihre Vereine und wollen die Reform der Champions League stoppen.

Die Pläne, über die am Montag (19.04.2021) abgestimmt werden soll, seien eine Bedrohung für den Sport, schreiben Fangruppierungen in einem Offenen Brief an Andrea Agnelli, den Chef der Klubvereinigung ECA und gleichzeitig Präsident von Juventus.

"Anstatt sich an der von Ihnen selbst ausgegeben Zielsetzung 'eine erfolgreiche, nachhaltige und sozial verantwortungsvolle Fußballindustrie schaffen' zu orientieren, wird durch die Reform die Kluft zwischen den reichsten Klubs und dem Rest der Fußballwelt weiter vergrößert, die nationalen Rahmenterminkalender zerstört und den Fans zusätzliche finanzielle und zeitliche Belastungen aufgebürdet", heißt es in dem Schreiben, das auch vom "Club Nr. 12", aktiven Fans des FC Bayern München, und der vereinsinternen Fanabteilung von Borussia Dortmund unterschrieben wurde.

Weitere Unterzeichner sind etwa Gruppierungen von Real Madrid, Atletico Madrid, Manchester United, FC Arsenal, Ajax Amsterdam, Benfica, Fenerbahce, Olympique Lyon, RSC Anderlecht, FC Kopenhagen und Paris Saint-Germain.

"Klubs wollen Macht im europäischen Fußball übernehmen"

Die Reformpläne, die acht oder sogar zehn Gruppenspiele statt bislang sechs und ein Qualifkationssystem über Erfolge aus der Vergangenheit vorsehen, stoßen den Fans genauso auf wie die Forderung der ECA, die kommerziellen Rechte an der Champions League vom europäischen Verband UEFA übertragen zu bekommen. In dem Brief wird der Klubvereinigung vorgeworfen, die "Macht im europäischen Fußball übernehmen" zu wollen und dabei die Interessen der Fans zu "ignorieren".

Ein so offensichtlicher Griff nach der Macht sei schon in guten Zeiten unverzeihlich, auf dem Höhepunkt einer Pandemie sei er nichts als "das schamlose Ausnutzen einer Krisenlage". Lediglich ohnehin schon reiche Klubs, Investoren und Staatsfonds würden von der angedachten Reform profitieren, die meisten der fast 250 in der ECA vertretenen Klubs hingegen nicht.

Die Fans fordern die Vereinigung daher auf, die "rücksichtslosen Pläne fallenzulassen". Zudem erwarten sie von den Entscheidungsgremien der Verbände, gegen die Reform zu stimmen.

DFB-Vize Koch stimmt am 19. April mit ab

Das Exekutivkomitee der UEFA, in dem auch DFB-Vizepräsident Rainer Koch sitzt, wird aller Voraussicht nach am Montag abstimmen. Das Votum war vor einigen Wochen verschoben worden, weil die ECA noch Nachbesserungen forderte. "Ein Pokerspiel", sagte ein ranghoher Vertreter eines Bundesligisten der Sportschau.

Die großen Klubs der ECA haben in diesem Spiel als Drohmittel die Gründung einer eigenen Superliga außerhalb der UEFA.

Bedenken bei Seifert, Protest von Zweitligisten

Bedenken gegen einzelne Punkte der Reformpläne meldete kürzlich auch Christian Seifert als Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) an. So weit wie sein Präsidiumskollege Oke Göttlich ging er allerdings nicht. Göttlich und mit dem Vorsitzenden auch die weiteren Präsidiumsmitglieder des FC St. Pauli forderten Rainer Koch als Vertreter des DFB auf, am Montag gegen die Reformpläne zu stimmen, die 2024 für dann vermutlich neun Jahre greifen sollen.

"Ein positiver Beschluss über die geplanten Veränderungen ist ein Schlag ins Gesicht aller, die den Fußball, den Wettbewerb und die Sportler*innen im Fokus ihres Handelns verstehen", heißt es im Schreiben von St. Pauli. Der SV Darmstadt 98, an dessen Spitze mit Rüdiger Fritsch ebenfalls ein DFL-Präsidiumsmitglied steht, unterstützte den Ligakonkurrenten.

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Stand: 16.04.2021, 09:00

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