RB Leipzig - Die zwei Seiten des Erfolgs

Zwei mit großen Zielen: Red-Bull-Miteigentümer Dietrich Mateschitz (l.) und Oliver Mintzlaff von RB Leipzig

Die Geschichte hinter der Erfolgsgeschichte von RB Leipzig

RB Leipzig - Die zwei Seiten des Erfolgs

Vor elf Jahren kaufte RB Leipzig einem Oberligisten das Startrecht ab, jetzt steht der Klub im Halbfinale der Champions League. Es ist ein rasanter Aufstieg - der sich von zwei verschiedenen Seiten betrachten lässt.

Am späten Donnerstagabend (13.08.2020), nachdem RB Leipzig durch einen Sieg über Atlético Madrid das Halbfinale der Champions League erreicht hatte, sagte Julian Nagelsmann einen Satz, der einiges aussagt: über die Ambitionen des Trainers, natürlich aber auch über die seines Arbeitgebers. Nagelsmann sagte: "Eine Titelansage gibt es nicht, aber es ist ja selbstredend und selbsterklärend, dass wir jetzt ins Finale kommen wollen."

Leipzig steht im Halbfinale der Champions League, der Trainer spricht vom Finale, die Fans träumen vom Titel - es ist der vorläufige Höhepunkt der rasanten Entwicklung eines Vereins, den es erst seit elf Jahren gibt und der es von der Oberliga in die Spitze des europäischen Fußballs geschafft hat.

Eine Frage der Lesart

Eine Erfolgsgeschichte, für die zum Beispiel auch der Trainer eine bedeutende Rolle spielt. Unter Deutschlands jungen Trainern ist Nagelsmann, 33 Jahre alt, gewiss der hoffnungsvollste, ein Ausnahmetalent. Sogar Real Madrid soll sich schon mit ihm beschäftigt haben. Nagelsmann ist ein Glücksgriff für RB, daran wird niemand zweifeln.

Auf der anderen Seite steht jedoch die Kritik am Konstrukt RB Leipzig, ohne das dieser rasante Aufstieg kaum möglich gewesen wäre. Es geht um den Sponsor Red Bull und seine Marketingstrategie, die RB Leipzig einschließt. Auch um das Financial Fairplay und die 50+1-Regel.

Große Pläne, große Ernüchterung

Eigentlich hatte Dietrich Mateschitz, der Miteigentümer des Konzers Red Bull, ja ganz andere Pläne gehabt. Nachdem er in Österreich den Traditionsklub SV Austria Salzburg übernommen und in Red Bull Salzburg umgewandelt hatte, schaute Mateschitz interessiert nach Deutschland. Ein Profiverein im großen Nachbarland, das war das große Ziel.

Nur gab es dabei immerzu irgendwelchen Ärger. Fortuna Düsseldorf und 1860 München hatten kein Interesse daran, mit Mateschitz und Red Bull viel Geld gegen eine Mehrheit von 50+1 Prozent, eine Änderung des Vereinsnamens, des Wappens und der Vereinsfarben zu tauschen. Auch beim FC St. Pauli mochten sie nicht.

Als Markranstädt plötzlich Leipzig war

Im Sommer 2009 hatte Mateschitz dann Erfolg - nur war es nicht die Übernahme eines Profivereins, sondern die des Oberligisten SSV Markranstädt. Flugs wurde der Verein RB Leipzig gegründet, man kaufte Markranstädt das Startrecht für die fünfthöchste Liga ab, und schon im August bestritt der neue Klub aus Leipzig sein erstes Spiel. RB Leipzig verpflichtete einige ehemalige Erst- und Zweitligaspieler und stieg direkt in die Regionalliga auf, wo man allerdings drei Jahre auf den nächsten Aufstieg warten musste.

Im Frühjahr 2011 gab Mateschitz der "Neuen Zürcher Zeitung" ein Interview und sprach darin auch über die Ziele des Vereins des damaligen Regionalligsten. Mateschitz sagte: "Wir bauen RB Leipzig mit dem Ziel aus, in drei bis fünf Jahren in der Bundesliga zu spielen. Wir wollen auch in der Champions League dabei sein." Fünf Jahre später stieg RB in die Bundesliga auf, kurz darauf spielte man in Leipzig Champions League.

Scouting, Nachwuchs und Transfers: RB setzt Maßstäbe

Dass dieser kühne Plan tatsächlich aufgegangen ist, hat sicher mit dem Geld und der Unterstützung von Red Bull zu tun, es ist aber auch das Resultat einer klugen Personalpolitik. In Leipzig haben sie sich ein gutes Scoutingsystem aufgebaut, das weit über die Red-Bull-Filialien, etwa in Salzburg, hinausreicht. Sie verpflichten fast ausnahmslos junge Spieler, viele von ihnen entwickeln sich bei RB gut - als Beispiele hierfür ließen sich der Nationalstürmer Timo Werner, der gerade erst für eine Menge Geld zum FC Chelsea gewechselt ist, oder auch der sehr talentierte Innenverteidiger Dayot Upamecano anführen.

Geschäftsführer Mintzlaff und die Sache mit dem Financial Fairplay

Und doch gibt es immer wieder Diskussionen über RB Leipzig und die Finanzen. Als Leipzig im September 2017 erstmals in der Champions League spielte, war es erst wenige Tage her, dass eine Äußerung des Geschäftsführers Oliver Mintzlaff für einige Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Mintzlaff war als Gast in der Sendung "Sky90" geladen und sagte dort, die Einhaltung des Financial Fairplay müsse künftig stärker überwacht werden. "Wer dagegen verstößt, sollte gar nicht mehr am europäischen Wettbewerb teilnehmen."

Die Financial-Fairplay-Regel meint: Ein Klub darf nicht mehr ausgeben, als er einnimmt, sonst wird eine Strafe fällig. Diese Regel soll verhindern, dass durch die Unterstützung von Investoren der Wettbewerb verzerrt wird. Und man darf schon die Frage stellen, ob Leipzig auch ohne finanzielle Unterstützung von Red Bull so schnell so weit nach oben gekommen wäre?

Laut dem Portal "Transfermarkt.de" hatte RB Leipzig zu diesem Zeitpunkt in den fünf Jahren zuvor knapp 150 Millionen Euro mehr für Spieler, Verträge und Transfers ausgegeben als eingenommen. Heute steht da ein Minus von 158,89 Millionen Euro.

100 Millionen Euro - Red Bull tritt Geld an RB Leipzig ab

Anfang Juni stellte der Konzern Red Bull seinen Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2018/19 vor. Diesmal war es ein kleiner Passus, der für Empörung sorgte: Es ging um Geld, um sehr viel Geld. Red Bull teilte in dem Bericht mit, man habe auf die Rückzahlung eines Darlehens in Höhe von 100 Millionen Euro verzichtet. Es profitierte: RB Leipzig. In Leipzig beeilten sie sich dann sehr damit, klarzustellen, dass es sich keinesfalls um eine Schenkung handele. "Es ist eine Transaktion, die völlig üblich ist, insbesondere in der freien Wirtschaft, aber auch im Fußballgeschäft und auch in der Bundesliga", sagte RB-Finanzdirektor Florian Hopp.

Und doch blieb ein Beigeschmack - zumal der Geschäftsführer Mintzlaff wenige Monate zuvor dem Redaktionsnetzwerk Deutschland gesagt hatte, die Darlehen kämen nicht von der Sparkasse, sondern zu "marktüblichen Konditionen von Red Bull." Mintzlaff sagte auch: "Das Geld wurde uns nicht geschenkt, das sind Darlehen, die getilgt werden müssen."

50+1-Regel? Kreative Auslegung bei RB

Und dann ist da noch die 50+1-Regel, auch sie wird in Leipzig seit jeher eher kreativ ausgelegt. Die Regel besagt, dass ein Investor bei einem Verein nicht die Mehrheit der Anteile übernehmen darf, auch hier geht es um Wettbewerbsgerechtigkeit, aber natürlich auch um das Kulturgut Fußball. Gegründet wurde RB Leipzig einst als RasenBallsport Leipzig e.V. - heute ist man dort zwar nur noch zu einem Prozent an der ausgegliederten Spielbetriebs-GmbH beteiligt (Red Bull hingegen zu 99 Prozent), doch bei einer Gesellschafterversammlung hält die GmbH weiter die Stimmenmehrheit.

Auf dem Papier hält RB Leipzig durch diesen Kniff die 50+1-Regel also ein, es gibt nur einen Haken: Der Verein hat nur 19 stimmberechtigte Mitglieder, es handelt sich bei ihnen nach Informationen des Portals "rblive.de" jedoch fast ausschließlich um Menschen, die für die RB Leipzig GmbH arbeiten oder bei einem anderen Unternehmen des Red-Bull-Konzerns angestellt sind.

Die Abhängigkeit des Champions-League-Halbfinalisten RB Leipzig vom Unternehmer Dietrich Mateschitz und seinem Red-Bull-Imperium, sie lässt sich nicht leugnen - jedoch auch nicht, dass sie zum Erfolg geführt hat.

red | Stand: 14.08.2020, 13:02

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