Dortmunds Gegner in der Champions League

Thomas Tuchel kämpft mit Erfolgsdruck bei PSG

PSG-Trainer Thomas Tuchel hat vor der Rückkehr nach Dortmund kaum Zeit für mögliche Rachegelüste. Der Trainer kämpft mit dem immensen Erfolgsdruck beim Pariser Star-Klub, für den weiterhin nur der Titelgewinn in der Champions League zählt.

PSG-Coach Thomas Tuchel meldete sich schon vor der Abreise nach Dortmund zu Wort: "Dieses Spiel ist keine Bühne, um irgendetwas aufzuarbeiten“, sagte Tuchel in der Welt am Sonntag vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Borussia Dortmund am Dienstag (18.02.2020, ab 21 Uhr im Live-Ticker und Audiostream bei sportschau.de). "Für mich sind die Dinge verarbeitet - und bleiben da wo sie sind."

Tuchel-Rückkehr nach Dortmund

Schon im Vorfeld war viel zu lesen über eine mögliche Revanche des früheren BVB-Trainers, dessen Beziehung zu Dortmunds Chefetage, speziell Klubboss Hans-Joachim Watzke, schon während seiner Amtszeit als zerrüttet galt. In den zweieinhalb Jahren seit der Trennung habe es noch nicht einmal eine SMS zwischen Tuchel und seinem früheren Arbeitgeber gegeben, wie "Bild" eifrig nachrecherchierte.

Tuchel: "Worte können die Atmosphäre in Dortmund nicht beschreiben" Sportschau 17.02.2020 01:08 Min. Verfügbar bis 17.02.2021 Das Erste

Tuchel betonte, dass er bei der Rückkehr nach Dortmund nicht im Mittelpunkt stehe, es gehe einzig und allein darum, seine Mannschaft gut vorzubereiten. "Wir spielen mit dem PSG gegen den BVB. Und wir nehmen das total sportlich."

Wilde Generalprobe gegen Amiens

In der Tat hat der deutsche Trainer beim Pariser Vorzeigeklub gerade genug andere Probleme. Nach dem wilden 4:4 beim Tabellenvorletzten aus Amiens, der Generalprobe für das Königsklassen-Duell gegen den BVB, musste Tuchel besorgte Reporterfragen nach der Mentalität seines Teams beantworten - und reagierte dünnhäutig. "Alle denken jetzt: Oh, sie werden unruhig, unruhig, unruhig, sie haben viele Probleme", sagte Tuchel mit sarkastischem Unterton. "Aber nein, das ist Fußball. Und das ist immer noch die Ligue 1."   

Damit reagierte Tuchel auch auf einen immer wieder angeführten Verdacht: Der mit astronomischen Summen aus Katar hochgerüstete französische Serienmeister sei in der Liga kaum gefordert, kämpft gegen frühzeitigen Spannungsabfall - und scheitert dann regelmäßig an der Umstellung auf das ungleich höhere Niveau in der Champions League.

Broich und Polenz: der CL-Ausblick - Achtelfinal-Hinspiele Sportschau 17.02.2020 42:41 Min. Verfügbar bis 17.02.2021 ARD Von Daniel Neuhaus

Auch, weil es dem Starensemble in der Vergangenheit an der nötigen Balance für den ganz großen Wurf fehlte: Hinter dem glanzvollen Offensive mit Stars wie Neymar, Kylian Mbappé, Mauro Icardi oder Edinson Cavani ist die Besetzung international eher durchschnittlich.

Zweifel am Pariser Starensemble

Tuchel wiederum betonte, dass sein Team bei der Aufholjagd gegen Amiens die nötige Mentalität bewiesen habe und versprach eine Reaktion für das Duell beim BVB: "Glauben Sie, es wird gegen Dortmund das gleiche Spiel geben? Nein! Wir verlieren nicht den Kopf."

Dennoch: Wenn das Pariser Starensemble gegen einen schwer abstiegsbdrohten Klub wie Amiens in der ersten Halbzeit mit 0:3 in Rückstand gerät und kurz vor Schluss die Führung wieder hergibt - dann wirft das grundsätzliche Fragen auf, vor dem besonders für Tuchel wegweisenden Königsklassen-Duell gegen den BVB.

Achtelfinale der Königsklasse: Emotionale Duelle für deutsche Teams Sportschau 16.12.2019 00:50 Min. Verfügbar bis 16.12.2020 ARD

Die Champions League ist nach wie vor die Bühne, die für die Pariser zählt. Allen voran für die Klubbosse aus Katar um Präsident Nasser Al-Khelaifi, die seit der Übernahme 2011 laut einschlägiger Portale inzwischen mehr als eine Milliarde Euro für neue Spieler ausgegeben haben, um endlich die wertvollsten Trophäe im Klubfußball zu gewinnen. Doch seitdem schaffte es PSG nicht einmal ins Halbfinale.

Vor allem der denkwürdige K.o. vor drei Jahren gegen Barca, 1:6 im Camp Nou nach einem 4:0-Hinspielerfolg, ist ein Stachel, der immer noch tief sitzt. Aber auch nach Tuchels Amtsantritt im Sommer 2018 war zuletzt zweimal im Achtelfinale Endstation. Sollte sich PSG erneut frühzeitig aus der Königsklasse verabschieden, bevor im Bois de Boulogne die Osterglocken blühen, dürften Tuchels Tage als Trainer gezählt sein, dies gilt in französischen Medien als ausgemachte Sache.

Druck auf Tuchel - Minimalziel Halbfinale

"Diesmal muss er mindestens ins Halbfinale kommen. Sonst wird er nicht Trainer bleiben können“, sagte Arnaud Hermant, PSG-Reporter der "L'Equipe". Vor allem das Ausscheiden im Vorjahr gegen Manchester United, als man im Rückspiel zuhause erneut einen scheinbar beruhigenden Vorsprung hergab, hat das Vertrauen in den deutschen Coach nachhaltig beschädigt, so Hermant: "Danach hat er die Kontrolle über die Mannschaft verloren."

PSG-Ikone und TV-Experte Luis Fernandez hat bereits den Daumen gesenkt: Tuchel sei immer noch weit entfernt vom Niveau eines Jürgen Klopp, Pep Guardiola oder Carlo Ancelotti, so Fernandez und gab noch einmal die Zielsetzung des Präsidiums vor: "Die Bosse erwarten das Finale. Die Voraussetzungen dafür sind da."

Zwar hat Tuchel in Frankreich auch prominente Fürsprecher, wie Nationalcoach Didier Deschamps, der immer wieder Tuchels Ruhe und seinen Umgang mit den Spielern lobt. Auch einen Streit mit Jungstar Mbappé hat Tuchel vor kurzem schnell entschärft. Und die brasilianische Diva Neymar spielt trotz immer wieder kolportierter Wechselabsichten immer noch in Paris und hat sich für das Duell gegen Dortmund wieder fit gemeldet. Helfen werden Tuchel aber nur Ergebnsse.