Reform der Champions League – der Plan, der Streit, die Hintergründe sport inside 18.04.2021 08:43 Min. UT Verfügbar bis 18.04.2022 WDR

Europapokal

UEFA beschließt Reform der Champions League ab 2024

Von Chaled Nahar

Die wichtigsten Klubs stehen vor dem Abgang in eine Super League, trotzdem hat das UEFA-Exekutivkomitee der geplanten Reform der Champions League ab 2024 zugestimmt. Die Zeit der Gruppenspiele geht damit zu Ende.

Das UEFA-Exekutivkomitee beschloss die Reform einstimmig bei seiner Sitzung im schweizerischen Montreux. Die Entscheidung steht unter dem Eindruck der Gründung einer neuen Super League von zwölf europäischen Topklubs.

Eine Liga, keine Gruppen

Ab 2024 sollen 36 statt zuvor 32 Teams in der Champions League spielen. So sieht der neue Modus aus:

  • Alle 36 Teams spielen in einer Tabelle, es gibt keine Gruppen mehr.
  • Die besten acht Teams der Gesamttabelle erreichen das Achtelfinale.
  • Die 16 folgenden Mannschaften würden eine Playoff-Runde um die anderen acht Plätze im Achtelfinale austragen.
  • Danach soll es bis ins Finale gehen wie bisher.

Die neue Champions League soll nun garantiert mindestens zehn oder acht statt bisher sechs Spiele pro Team haben. Das ist nur ein Thema, das den nationalen Ligen wie der Bundesliga Sorge bereitet.

Neu und umstritten: Ein Rettungsnetz für schwächelnde Großklubs

36 statt 32 Teams heißt aber auch, dass die Champions League ab 2024 vergrößert wird. Von den vier zusätzlichen Plätzen werden zwei an Spitzenteams gehen, die es über ihre nationale Liga nicht geschafft haben. Und das soll so ablaufen:

  • Die UEFA pflegt eine Fünf-Jahres-Wertung für Klubs. Jeder Verein, der in den europäischen Wettbewerben spielt, sammelt dort Punkte für die Wertung. Vorne stehen logischerweise Klubs wie Real Madrid, Bayern München oder der FC Barcelona.
  • Sollte ein Klub, der regelmäßig europäisch gespielt hat, einmal in seiner nationalen Liga schwächeln, könnte er es über die Fünf-Jahres-Wertung noch in die Königsklasse schaffen.
  • Dafür muss dieser Klub aber europäisch qualifiziert sein. Wenn ein Klub in der Europa League, der Europa Conference League oder der Qualifikation zur Champions League steht, könnte er dann hochgestuft werden.
  • Wird Borussia Dortmund beispielsweise Sechster der Bundesliga, könnte der Klub dem Vorschlag zufolge in aktueller Konstellation trotzdem in die Champions League spielen, während der Fünfte der Bundesliga nur in die Europa League käme.

Tabellensechster aus Deutschland dabei, aber Meister aus Tschechien nicht?

Die Verteilung dieser vier Plätze war einer der größten Streitpunkte. Der europäische Ligaverband European Leagues, dem auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) angehört, hat gänzlich andere Vorstellungen. "Wir wünschen uns, dass stattdessen mehr nationale Meister mitspielen", sagte Geschäftsführer Jacco Swart von den European Leagues im Vorfeld der Entscheidung im Gespräch mit der Sportschau. Die Titelträger aus der Türkei, Österreich, Dänemark Schottland oder Tschechien haben derzeit keinen direkten Startplatz in der Champions League.

Statt der Meister dieser Länder könnten also künftig Tabellensechste aus England, Spanien, Italien oder Deutschland in der Champions League spielen.

Ab 2021: Europas 3. Liga kommt

Der Modus im Europapokal wird stets im Drei-Jahres-Rhythmus festgelegt. Das Format für die Jahre 2021 bis 2024 steht längst: Dann wird mit der UEFA Europa Conference League ein dritter Wettbewerb eingeführt.

Wissenswerte Details zum Europapokal ab 2021

Mit der Einführung der Europa Conference League ändern sich einige Dinge, die auch die Champions League und die Europa League betreffen. Ein Überblick:

  • Aus der Bundesliga wird der Tabellensechste in der letzten Qualifikationsrunde der Europa Conference League starten. Ansonsten bleibt es für Deutschland bei vier direkten Startern in der Gruppenphase der Champions League und bei zwei in der Europa League, wovon einer der DFB-Pokalsieger ist. Kommt der Pokalsieger in der Bundesliga unter die ersten sechs, spielt der Tabellensiebte in der Europa Conference League.
  • Wie in der Champions League treten in der Europa Conference League32 Teams in acht Gruppen mit je vier Mannschaften an. Die acht Gruppensieger erreichen das Achtelfinale.
  • Eine Besonderheit: Die Gruppenzweiten der Europa Conference League treten in einer weiteren K.o.-Runde gegen die acht Gruppendritten der Europa League an, um die anderen acht Teilnehmer im Achtelfinale zu ermitteln. Dieses Prinzip gilt ab 2021 auch zwischen den Gruppenzweiten der Europa League und den Gruppendritten der Champions League.
  • Manche Klubs haben eine dritte Chance verdient: Wer in der 2. Qualifikationsrunde der Champions League scheitert, und anschließend auch in der Qualifikation der Europa League verliert, endet in den Playoffs der Europa Conference League. Wer in der 1. Qualifikationsrunde der Champions League rausfliegt, landet dagegen direkt in den Vorrunden zur Europa Conference League.
  • Für die Europa Conference League ist kein einziges Team direkt qualifiziert. Insgesamt 141 Mannschaften spielen um die 32 Startplätze in der Gruppenphase.
  • Der Spieltag der Europa Conference League ist der Donnerstag, und zwar um 18.45 Uhr und um 21 Uhr. Die Termine muss sich der neue Wettbewerb mit der Europa League teilen, der Dienstag und der Mittwoch bleiben für die Champions League reserviert. Auch die Königsklasse spielt dann um 18.45 Uhr und um 21 Uhr.
  • Der Sieger der Europa Conference Leagueerhält neben einem Pokal das Startrecht in der Gruppenphase der Europa League in der Folgesaison. Der Sieger der Europa League darf wie in den vergangenen Jahren in der Champions League spielen.

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