Champions League ab 2024: Reform wird konkreter

Die Champions League soll 2024 einen neuen Modus erhalten.

Europapokal

Champions League ab 2024: Reform wird konkreter

Von Chaled Nahar

Die Reform der Champions League ab 2024 könnte bald beschlossene Sache sein. Große Klubs, die über ihre nationale Liga den Sprung in die Champions League verpassen, werden wohl eine zweite Chance bekommen. Der Modus wird wohl komplett erneuert, Gruppen gibt es dann keine mehr.

Bei der Generalversammlung der europäischen Klubvereinigung ECA, in der auch die viele Bundesligaklubs organisiert sind, forderte der Vorsitzende Andrea Agnelli die Mitglieder auf, das neue System zu unterstützen und ihn als Vorstand damit zu beauftragen, "letzte Details zu klären".

Eine Liga, keine Gruppen

Ab 2024 sollen 36 statt zuvor 32 Teams in der Champions League spielen. So sieht der Modus nach bisheriger Planung aus:

  • Alle 36 Teams spielen in einer Tabelle, es gibt keine Gruppen mehr.
  • Die besten acht Teams der Gesamttabelle erreichen das Achtelfinale.
  • Die 16 folgenden Mannschaften würden eine Playoff-Runde um die anderen acht Plätze im Achtelfinale austragen.
  • Danach soll es bis ins Finale gehen wie bisher.

Die neue Champions League soll nun garantiert mindestens zehn oder acht statt bisher sechs Spiele pro Team haben. Das ist nur ein Thema, das den nationalen Ligen wie der Bundesliga Sorge bereitet.

Der Modus wird als "Schweizer Modell" bezeichnet. Agnelli sagte in einer Pressekonferenz nach der Versammlung: "Jeder hat die Schönheit des neuen Modus erkannt."

Neu und umstritten: Ein Rettungsnetz für schwächelnde Großklubs

Andrea Agnelli schaut konzentriert

36 statt 32 Teams heißt aber auch, dass die Champions League vergrößert wird. Von den vier zusätzlichen Plätzen könnten mehrere davon an Spitzenteams gehen, die es über ihre nationale Liga nicht geschafft haben. Und das soll - so der Vorschlag der UEFA - so ablaufen:

  • Die UEFA pflegt eine Zehn-Jahres-Wertung für Klubs. Jeder Verein, der in den europäischen Wettbewerben spielt, sammelt dort Punkte für die Wertung. Vorne stehen logischerweise Klubs wie Real Madrid, Bayern München oder der FC Barcelona.
  • Sollte ein Klub, der regelmäßig europäisch gespielt hat, einmal in seiner nationalen Liga schwächeln, könnte er es über die Zehn-Jahres-Wertung noch in die Königsklasse schaffen.
  • Dafür muss dieser Klub aber europäisch qualifiziert sein. Wenn ein Klub in der Europa League, der Europa Conference League oder der Qualifikation zur Champions League steht, könnte er dann hochgestuft werden.
  • Wird Borussia Dortmund beispielsweise Sechster der Bundesliga, könnte der Klub dem Vorschlag zufolge in aktueller Konstellation trotzdem in die Champions League spielen, während der Fünfte der Bundesliga nur in die Europa League käme.

Tabellensechster aus Deutschland dabei, aber Meister aus Tschechien nicht?

Die Verteilung dieser vier Plätze ist einer der größten Streitpunkte. Der europäische Ligaverband European Leagues, dem auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) angehört, hat gänzlich andere Vorstellungen. "Wir wünschen uns, dass stattdessen mehr nationale Meister mitspielen", sagte Geschäftsführer Jacco Swart von den European Leagues im Gespräch mit der Sportschau. Die Titelträger aus der Türkei, Österreich, Dänemark Schottland oder Tschechien haben derzeit keinen direkten Startplatz in der Champions League.

Statt der Meister dieser Länder könnten als künftig Tabellensechste aus England, Spanien, Italien oder Deutschland in der Champions League spielen. "Viele Dinge, die im Fußball früher als Blasphemie galten, sind heute völlig normal", sagte der ECA-Vorsitzende Agnelli in einer Pressekonferenz nach der Generalversammlung und spielte auf frühere Reformen an. "Es ist mittlerweile auch völlig normal, dass nicht nur die Meister in der Champions League spielen." An seiner Idealvorstellung sei der Entwurf "sehr nah dran". Alle Pläne für eine europäische Super League nannte er "Spekulationen".

Agnelli zu Bedenken der Ligen: "Die müssen ihre eigene Arbeit erledigen"

Deutliche Worte wählte Agnelli zu mehreren Anliegen der nationalen Ligen. Der Forderung der European Leagues nach einer Verdoppelung der Solidaritätszahlungen an jene Klubs, die nicht teilnehmen, erteilte er eine Absage. "Ich sehe ihren Standpunkt", sagte Agnelli, "aber sie müssen ihre eigene Arbeit machen."

Der Ligaverband European Leagues ist der Ansicht, dass die hohen Einnahmen aus dem Europapokal die Ungleichheit und die Langeweile in den nationalen Ligen vorantreibe. Bayern München beispielsweise verdiente bei seinem Champions-League-Sieg in der Vorsaison mehr als 130 Millionen Euro. Die Solidaritätszahlungen, die derzeit bei vier Prozent der Gesamteinnahmen liegen, sollten auf acht Prozent erhöht werden, so die Forderung.

Das UEFA-Exekutivkomitee entscheidet

Ob der neue Modus kommt oder nicht, liegt in den Händen des UEFA-Exekutivkomitees, in dem unter anderem DFB-Vizepräsident Rainer Koch sitzt.

Die endgültige Entscheidung über das neue Format könnte in den kommenden Wochen anstehen. "Einen genauen Zeitrahmen gibt es nicht", schreibt die UEFA auf Anfrage. Am 20. April steht der UEFA-Kongress in Montreux in der Schweiz an. Am Vortag bespricht sich üblicherweise auch das Exekutivkomitee, weitere Sitzungen sind bis dahin außerdem möglich.

Ab 2021: Europas 3. Liga kommt

Der Modus im Europapokal wird stets im Drei-Jahres-Rhythmus festgelegt. Das Format für die Jahre 2021 bis 2024 steht längst: Dann wird mit der UEFA Europa Conference League ein dritter Wettbewerb eingeführt.

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