Manchester City - neue Mannschaft, alter Traum

Schlüsselfiguren bei Manchester City: Trainer Pep Guardiola (l.), Verteidiger João Cancelo und Spielmacher Kevin de Bruyne

In der Champions League gegen Borussia Dortmund

Manchester City - neue Mannschaft, alter Traum

Von Hendrik Buchheister (Manchester)

Pep Guardiola hat Manchester City neu erfunden und in der Premier League zurück an die Spitze geführt. Doch über allem steht das Abschneiden in der Champions League - sie ist der heilige Gral für Man City.

Es ist ein gewisser Etikettenschwindel, den Manchester City da betreibt. An der Fassade der Osttribüne des Stadions ist ein Banner angebracht, das an die Erfolge der Saison 2018/2019 erinnert, überschrieben mit einem Wortspiel, auf das die Marketing-Abteilung des Klubs schon seinerzeit ziemlich stolz war. "FOURMIDABLES" lautet dieses Wortspiel, in Anlehnung an die vier Titel, die Pep Guardiolas Mannschaft in jener Spielzeit gewann - nämlich die Meisterschaft, den FA-Cup, den Ligapokal und den englischen Supercup, offiziell Community Shield genannt.

Wie in Deutschland auch hat dieser Wettbewerb auf der Insel allerdings keine wirkliche Bedeutung. Zum allgemein anerkannten Titel-Viererpack fehlte Manchester City vor zwei Jahren der Gewinn der Champions League.

Die Champions League ist die große Unbekannte

Aktuell wird wieder debattiert, ob die "Himmelblauen" als erster englischer Vertreter das Quartett der vier wichtigen Trophäen ("Quadruple") vervollständigen können. In der Premier League hat Guardiolas Ensemble die Dominanz zurückerobert nach dem Titelgewinn des FC Liverpool in der vergangenen Saison. Die dritte City-Meisterschaft in vier Jahren ist nur noch Formsache.

Im FA-Cup steht im Halbfinale gegen Thomas Tuchels FC Chelsea ein vorgezogenes Endspiel an, im Ligapokal treffen die "Citizens" eine Woche später im Finale auf Tottenham Hotspur von José Mourinho. Die große Unbekannte könnte wieder einmal die Champions League sein, wo am Dienstag (06.04.2021) im Viertelfinal-Hinspiel Borussia Dortmund zu Gast ist.

Guardiolas Wirken steht unter Beobachtung

Der Silberpokal mit den Henkeln ist der heilige Gral für Manchester Citys Geldgeber aus Abu Dhabi, dessen ist sich Guardiola genau so bewusst wie der Tatsache, dass ihn die englische Fachwelt als unvollendet brandmarken wird, falls es ihm misslingen sollte, die Trophäe nach Manchester zu holen. Schließlich durfte er seit seinem Amtsantritt 2016 mehr als 600 Millionen Euro in die Mannschaft investieren.

Pep Guardiola beim CL-Spiel gegen Borussia Mönchengladbach

Pep Guardiola

In den bisher vier Versuchen mit den "Citizens" ist der Trainer auch an sich selbst gescheitert, weil er in entscheidenden Momenten auf scheinbar besonders gewiefte Taktik- und Personal-Pläne setzte und damit die eigene Mannschaft sabotierte. Ein Achtelfinale und drei Viertelfinals, das ist die trostlose Ausbeute von Guardiolas Manchester City in der Königsklasse.

In diesen Wochen umgibt die "Himmelblauen" eine Erwartungshaltung, die sich mit "Wenn nicht jetzt, wann dann?" zusammenfassen lässt. Wann soll es mit dem Gewinn der Champions League klappen, wenn nicht in dieser Saison, in der Manchester City die Unantastbarkeit zurückerlangt hat?

Der personelle Umbruch ist vollzogen

Guardiola ist das gelungen, was in England als größte Trainer-Leistung überhaupt gilt, nämlich innerhalb einer Amtszeit eine zweite große Mannschaft zu formen. Schlüsselspieler aus vergangenen Meisterjahren wie Vincent Kompany, David Silva und Leroy Sané sind weg oder spielen kaum noch eine Rolle, wie im Fall des alternden Rekord-Torschützen Sergio Agüero, dessen Abschied im Sommer der Verein gerade bekannt gemacht hat.

João Cancelo von Manchester City

João Cancelo von Manchester City

An ihre Stelle als Säulen im Gefüge sind Profis wie der neue Abwehrchef Rúben Dias, der spielmachende Außenverteidiger João Cancelo, der begabte Phil Foden aus der eigenen Akademie oder der zum Torjäger umfunktionierte Ilkay Gündogan getreten.

Ein Hauch von Pragmatismus

Auch spielerisch hat Guardiola sein Manchester City neu erfunden. Natürlich, die Grundlage ist immer noch der Ballbesitz, doch anders als in der Vergangenheit reißt die Mannschaft ihren Gegner nur noch selten furios in Stücke. Stattdessen spielen die "Citizens" defensiver und geduldiger.

Das ist weniger spektakulär, könnte aber die berüchtigten Einbrüche verhindern, die sich Manchester City unter Guardiola gelegentlich leistet. Die frühen Enttäuschungen in der Champions League kamen ebenso auf diese Weise zustande wie zum Beispiel das 2:5 gegen Leicester City zu Beginn dieser Saison.

"Eine B-Elf gibt es bei City nicht"

Am Wochenende gab es im Rückspiel gegen den Tabellendritten ein seriöses 2:0. Überragender Mann war Kevin de Bruyne, früher wie heute Herz des Ensembles. Die Tore schossen in Abwesenheit vieler geschonter Stammkräfte Verteidiger Benjamin Mendy und Angreifer Gabriel Jesus, der als nicht ausreichend qualifiziert gilt, um Agüero dauerhaft zu ersetzen – weshalb auch Manchester City zu den Klubs gehört, die angeblich an Dortmund-Stürmer Erling Haaland interessiert sind.

Trotzdem ist es schwierig, Schwächen bei dem Scheich-Klub auszumachen: "So etwas wie eine B-Elf gibt es bei City nicht", bemerkte die "Times" mit Blick auf den Überfluss an Qualität im himmelblauen Aufgebot. Es ist ein Aufgebot, das zusammengestellt wurde, um die Champions League zu gewinnen.

Stand: 05.04.2021, 19:00

Darstellung: