Collage mit Kevin De Bruyne, Unai Emery, Jürgen Klopp, Karim Benzema (v.l.n.r.)

Fußball | Champions League Halbfinalisten der Champions League: Routiniers und Pokal-Experten

Stand: 14.04.2022 13:57 Uhr

Auftrumpfende Routiniers bei Real, Verletzungssorgen bei den hungrigen "Citizens" und ein Trainer-Duell bei Liverpool gegen Villarreal: Die Halbfinals der Champions League bergen spannende Konstellationen.

Manchester City

Lang ersehnt ist der Champions-Titel in Manchester, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und auch bei Kevin De Bruyne. Die Emirate stecken seit 2012 hunderte Millionen Euro in die "Citizens" in der Hoffnung, Europas Fußballthron zu besteigen. Jetzt soll es im elften Anlauf klappen - mit De Bruyne, seit 2015 Citys Spielmacher, in Topform.

Treffsicher war der Belgier zuletzt in der Liga und im Hinspiel gegen Atletico Madrid (1:0). Auch im Rückspiel führte De Bruyne sein Team an - bis zur 65. Minute. Da verließ der 30-Jährige leicht humpelnd die Partie. Neun Minuten später musste in Kyle Walker ein weiterer Stammspieler angeschlagen vom Feld.

Die Folge: Manchester mauerte und schauspielerte sich zu einem 0:0, wie es sonst nur Atletico Madrid tun würde. Das unwürdige Spektakel endete in einem Polizeieinsatz im Spielertunnel. Die Folgen für die kommenden Wochen: City bangt für entscheidende Spiele im FA Cup, in der Liga und möglicherweise auch im Halbfinale gegen Real Madrid um zwei enorm wichtige Spieler. Immerhin ist bis zum Hinspiel am 27. April noch etwas Zeit.

Real Madrid

Die Heldenrolle ist bei den Spaniern unangefochten durch Karim Benzema besetzt. Drei Tore im Achtelfinal-Rückspiel gegen Paris St. Germain. Drei Tore im Viertelfinal-Hinspiel gegen Chelsea. Und dann noch im Rückspiel der entscheidende Treffer zum 2:3 in der Verlängerung - der Franzose ist mit 34 Jahren in der Form seines Lebens.

Auch ein anderer Routinier hatte entscheidenden Anteil am Einzug ins Halbfinale: Luka Modric. Als Real im Rückspiel mit 0:3 hinten lag, sorgte der 36-Jährige mit einem Zucker-Außenristpass für die Wende. Er bereitete so das 1:3 durch Rodrygo vor, das Madrid in die Verlängerung rettete.

Champions-League-Titel haben Benzema und Modric im Gegensatz zu City übrigens im Überfluss: Beide gewannen die Trophäe mit Real bereits vier Mal.

FC Liverpool

Jürgen Klopp hat in seiner phänomenalen Trainerkarriere den nächsten Meilenstein erreicht. Zum vierten Mal steht er im Halbfinale der Champions League und zieht damit gleich mit Jupp Heynckes und Ottmar Hitzfeld. Und jedes Mal schaffte Klopp bisher auch den Finaleinzug: mit Borussia Dortmund 2013, mit Liverpool 2018 und beim Titelgewinn 2019.

Allerdings war der Halbfinaleinzug dieses Mal komplizierter als nötig. Nach einem 3:1 in Hinspiel gegen Benfica Lissabon und einer 3:1-Führung im Rückspiel war eigentlich alles geklärt. "Jeder inklusive mir dachte: Das war's", sagte Klopp nach dem Spiel. Doch Liverpool kassierte noch zwei Treffer und musste sich mit einem 3:3 begnügen - was Klopp mit Blick auf Liverpools straffes Programm mit FA Cup und Liga auf seine Kappe nahm: "Alles, was heute an Negativem passiert ist, ist meine Schuld und meine Verantwortung. Ich habe sieben Mal gewechselt."

FC Villarreal

Klopp nennt Unai Emery den "König der Pokalwettbewerbe" - und geht mit entsprechend großem Respekt in das Halbfinale gegen den einzigen in der Champions League verbliebenen Klub, der nicht zum Establishment gehört. Der FC Villarreal hat unter seinem spanischen Trainer Emery auch gegen die Bayern voll überzeugt - mit offensivstarkem Hinspiel (1:0) und disziplinierter Kontertaktik im Rückspiel (1:1), die nicht attraktiv, aber erfolgreich war.

In der Liga nur Siebter, in der Champions League der Favoritenschreck: Villarreal hatte vor den Bayern bereits Italiens Rekordmeister Juventus Turin rausgeworfen. Dass Emery Europa League, kann, hat er mit vier Titeln, darunter drei mit dem FC Sevilla, längst bewiesen. Kein Trainer hat mehr Europa-League-Spiele gewonnen als Emery.

Seine Champions-League-Bilanz war bis zur laufenden Saison mau, zwei Achtelfinal-Niederlagen mit Paris St. Germain inklusive. Doch jetzt zeigt Emery: Er kann auch Königsklasse.